Haiti-Horror Ärzte amputieren ohne Schmerzmittel

  • Publiziert: 20.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012

PORT-AU-PRINCE – Die Erdbeben-Opfer in Haiti müssen unvorstellbare Qualen erleiden. Vielen bleibt nur die Wahl zwischen dem Tod oder einer Amputation ohne Schmerzmittel.

Grauenvolle Szenen spielen sich in dem vom Erdbeben zerstörten Port-au-Prince ab. Hundertausende Verletzte mit offenen Brüchen brauchen dringend Hilfe. Ihre Wunden sind entzündet, weil zu wenig Medikamente vorhanden sind. Oft ist eine Amputation die einzige Überlebensmöglichkeit. Doch Schmerzmittel sind Mangelware.

Den Ärzten vor Ort bleibt nichts anderes übrig, als den Opfern ohne Betäubung und sogar ohne Schmerzmittel Arme und Beine mit Sägen abzutrennen. Oft auf offener Strasse.

«Wir arbeiten Tag und Nacht, doch uns fehlen wichtige Medikamente und Instrumente», sagt Benoit Leduc von «Ärzte ohne Grenzen». Sein 165-köpfiges Team operierte bisher mehr als 600 Opfer in drei provisorischen Spitälern.

Sein Kollege Loris de Filippi ergänzt: «Heute brauchten zwölf Menschen lebensrettende Amputationen. Wir waren gezwungen, auf dem Markt eine Säge zu kaufen, um die Amputationen durchführen zu können. Es ist hier ein Wettlauf gegen die Zeit.»

Nach sieben Tagen gerettet

Doch es gibt auch positive Meldungen aus Haiti. Die 69-Jährige Anna Zizi wurde gestern aus den Trümmern einer Kathedrale gezogen. Eine Woche nach dem verheerenden Beben. Die Frau sang, als sie gerettet wurde, wie die «New York Times» berichtet.

Dier ersten Tage habe sie mit einem Geistlichen gesprochen, der ebenfalls verschüttet worden sei, sagte Zizi. Doch dann sei dieser gestorben und sie habe nur noch gebetet. «Jetzt bin ich raus und wieder wohlauf», erzählt sie.

Doch die 69-Jährige blieb nicht unversehrt. Die Ärzte diagnostizierten eine starke Dehydrierung, eine ausgerenkte Hüfte und ein gebrochenes Bein.

25-Jährige unter Betonplatten

Ebenfalls gerettet werden, konnte eine 25-jährige Haitianerin, die eine Woche unter Betonplatten eines Supermarktes begraben war. Ihr gehe es den Umständen entsprechend gut, erklärte ein Rettungsteam.

Doch die Hoffnung, noch weitere Überlebende zu finden, schwindet von Tag zu Tag. Ein Mensch kann normalerweise nur drei Tage ohne zu trinken überleben. (gca)

play Die 69-jährige Anna Zizi wird aus den Trümmern gerettet. (Reuters)

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