Zum Neuanfang gezwungen – Das sagt die Expertin «Scheitern ist niemals endgültig»

Auswandern, lebenslanges Eheglück, Erfolg in der eigenen Firma: Grosse Träume, die manchmal zerplatzen wie eine Seifenblase. Was kann man tun, wenn es zur Krise kommt? Dr. Sibylle Tobler, Autorin des Buchs «Neuanfänge», gibt Auskunft.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Die «Rich Kids» sind passé Jetzt protzen die Elite-Escorts!
2 Amazon Alexa erklärt Das kann die neue Super-App von Amazon
3 Unterwegs in Sils Maria GR Zu Besuch beim verrückten Philosophen

Life

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
17 shares
Fehler
Melden

Was ist der wichtigste Schritt, den ich nach einer schweren Niederlage machen kann?
Sibylle Tobler: Verstehen, dass so etwas immer passieren kann. Verlieren Sie sich nicht in der Frage nach der Schuld – oder in dem Gefühl, versagt zu haben. Sehen Sie sich auch nicht als Opfer anderer Menschen oder der Umstände. Sammeln Sie stattdessen möglichst neutral Fakten: Was ist genau passiert, wie ist meine Lage, was ist jetzt zu tun, was hilft mir dabei?

Trotzdem sind die meisten in solchen Momenten verzweifelt: Was gibt einem neue Kraft?
Das Wissen, dass es immer weitergeht und wir schon viele Schwierigkeiten erfolgreich gemeistert haben. Man kann in seinem Leben immer wieder neu die Regie übernehmen – egal, wie es gerade aussieht. Rätseln Sie nicht, warum Ihr Partner Sie verlassen hat oder wieso die Firma nicht funktioniert: Blicken Sie mutig nach vorn!

Ist es nicht normal, erst einmal zurückzublicken?
Durchaus, aber viele Menschen grübeln darüber nach: Warum trifft es gerade mich, was habe ich falsch gemacht? Das sind verständliche Fragen, aber häufig gibt es gar keine sinnvolle Antworten darauf. Möglicherweise haben Sie gar nichts falsch gemacht, sondern Ihr Ex-Partner oder Geschäftsfreund, oder es war einfach Pech. Das ewige Analysieren bringen uns kein bisschen weiter.

Was, wenn man sich Vorwürfe macht, beispielsweise eine Entscheidung tief bereut?
Natürlich ist es wichtig, diese Gedanken nicht einfach wegzudrücken: Hätte ich es doch nicht ­wagen sollen? Hatte der Freund, der mich gewarnt hat, recht? Diese Fragen sind normal. Antworten Sie darauf aber nicht mit Wertungen und dem Verteilen von Schuld, sondern prüfen Sie: Was hätte ich wirklich anders machen können – mit meinem Wissen von damals?

Wie kann ich aus einer Niederlage für die Zukunft lernen?
Indem Sie sich anschauen, was Sie tatsächlich hätten besser machen können. Haben Sie Dinge über­sehen, wichtige Aspekte zu wenig beachtet oder ausgeblendet? Sind Sie einem Wunschbild gefolgt? Ohne Reflektion ist die Chance recht gross, dass sich eine Niederlage ähnlich wiederholt.

Was kann ich tun, wenn ich mich wie vernichtet fühle?
Zum einen könnten Sie sich ansehen, was alles gut funktioniert hat, auch wenn das Endergebnis nicht Ihren Erwartungen entsprach. Sie haben wahrscheinlich trotzdem vieles richtig gemacht, neu gelernt und auch sonst Grund, stolz auf sich zu sein. Sie haben etwas gewagt, was sich andere erst gar nicht trauen, weil sie sich ständig nur absichern. Diese Leistungen dürfen Sie durchaus anerkennen.

Fühlt sich Scheitern nicht trotzdem endgültig an?
Ja, aber da möchte ich an den Ausspruch von Thomas Edison erinnern: «Ich bin nicht gescheitert. Ich habe 10'000 Wege entdeckt, die nicht funktionieren.» Nur mit dieser Einstellung konnte er zu dem weltberühmten Erfinder werden. Ein Scheitern ist nur dann endgültig, wenn man aufgibt. Ansonsten ist es nur eine Zwischenstation auf einer Reise, die weitergehen wird.

Wie geht man das praktisch an?
Zum einen sollten Sie überlegen, was Sie brauchen, um aus Ihrer ­aktuellen Situation herauszukommen. Nach einer Trennung ist das vielleicht eine neue Wohnung, nach einem Konkurs vielleicht eine Schuldenberatung. Aber Sie sollten auch sehen, was Sie gut gemacht haben und behalten und weiterführen wollen.

Wann sollte man sich professionelle Hilfe suchen?
Wenn Sie das Gefühl haben, sich ­im Kreis zu bewegen, oder über eine bestimmte Sache einfach nicht ­hinwegkommen, beispielsweise das Gefühl des Versagens. Dann ist es immer sinnvoll, mit einem Berater oder Coach zu sprechen, der Sie für einige Zeit begleiten kann.

Publiziert am 24.07.2015 | Aktualisiert am 24.07.2015
teilen
teilen
17 shares
Fehler
Melden