Zweifel an Studien Brauche ich keine Zahnseide mehr?

ZÜRICH - Seit mehr als 30 Jahren wird empfohlen, täglich Zahnseide zu benutzen. Jetzt stellt sich heraus: Die Studien dazu sind äusserst zweifelhaft.

Zahnseide: Braucht es laut neuen Studien nicht für gesunde Zähne play
Umstritten: Risiken der Zahnseide wurden heruntergespielt. Getty Images

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Es ist, neben dem Zähneputzen, die häufigste Empfehlung von Zahnärzten: Täglich Zahnseide benutzen, um Karies zu verhindern, das Zahnfleisch zu pflegen.

28 Prozent, so Schätzungen, halten sich an den Rat. Doch jetzt wachsen Zweifel: Der Zusammenhang liess sich wissenschaftlich niemals beweisen!

Bereits 1815 erfand der amerikanische Zahnarzt Levi Spear Parmly die Zahnseide. Heute ein Mega-Geschäft für die Hersteller: Zwei Mrd. Fr. pro Jahr.

Doch ausgerechnet die US-Medizinbehörden, die den weltweiten Trend ab 1979 durch ihre offizielle Empfehlung auslösten, räumen nach einer offiziellen Anfrage und dem Vergleich von 25 Studien ein: Eigentlich müsste sie gestrichen werden.

«Die Mehrzahl der verfügbaren Studien kann nicht nachweisen, dass Zahnseide effektiv Zahnbeläge entfernt», heisst es in einer Auswertung. Ob die Seide zusätzlich zum Putzen generell die Mundhygiene verbessert, ist nicht klar belegbar.

Diverse Studien hatten dazu gravierende Mängel: Tests über nur zwei Wochen, mit nur 25 Teilnehmern oder nur nach einmaliger Zahnseide-Benutzung. Vielfach waren sie von den Zahnseide-Herstellern selbst bezahlt worden. Häufig ging es nicht einmal um Zahnfleisch-Erkrankungen oder Karies, sondern z. B. nur um Blutungen.

Mögliche Risiken der Zahnseide wurden dagegen heruntergespielt oder überhaupt nicht thematisiert: Schnittwunden am Zahnfleisch, die Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf bringen, Schäden an Zähnen und Zahnersatz.

Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO rät in jedem Fall dazu, die Zahnzwischenräume zu reinigen. Prof. Dr. Adrian Lussi (64), Leiter an den Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern: «Die Zahnbürste kommt an diese Stellen nicht heran.» In vielen Fällen seien Interdentalbürstchen vorzuzuziehen, bei sehr engen Zwischenräumen sei Zahnseide aber die einzige Möglichkeit.

Wichtig: Die korrekte Anwendung. Nicht mit einer Sägebewegung durch die Zwischenräume ziehen, sondern an beiden Seiten der Zahn­innenräume vorsichtig auf und ab bewegen. Lussi: «Dabei kann man ruhig auch etwas unters Zahnfleisch vordringen, denn viele Bakterien sammeln sich gerade dort an."

Mit dem Alter wird es übrigens leichter: Bei älteren Menschen stehen die Zähne tendenziell weiter auseinander, sie können statt Zahnseide zunehmend Interdentalbürstchen verwenden.

Publiziert am 05.08.2016 | Aktualisiert am 05.08.2016
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13 Kommentare
  • Köbi  Karrer 05.08.2016
    Ich spüle nach jedem Essen und manchmal auch Zwischendurch mit Whisky oder Wodka und danach räuchere ich die Bakterien mit einer Zigarre ein. In meiner Gosche hat noch nichts lange überlebt, was lebt.
  • Richard  Reich aus Basel
    05.08.2016
    Braucht es dazu wirklich eine Studie? Mit gesundem Menschenverstand kann man glaube ich sehr gut erkennen, dass die Reinigung der Zahnzwischenräume sinnvoll ist, ob mit Zahnseide oder mit kleinen Bürsten. Ich benutze täglich Zahnseide und Mundspühlung, die Zahnarztkosten wären mir einfach zu hoch.
  • Anton  Keller 05.08.2016
    Ich verwende sogar Zahnseide als ein typisches Beispiel, wie etwas zuerst schlechter gehen muss, damit es dann besser wird:
    Mit Zahnseide angefangen: Geblutet wie wahnsinning!
    Jetzt: Nix mehr und grosses Frischegefühl im Mund.
    Für mich ein Witz eine Studie die sagen soll, den Vorteil von Zahnseide anzuzweifeln.
  • Beat  Badertscher aus Dottikon
    05.08.2016
    Heute finden wir mal wieder eine Studie welche die Zahnseide vernichtet, morgen wird die Wirkung von anderer Seite wieder gelobt. Ein auf und ab wie wir es von der Mikrowelle kennen. Mein Tipp, den Mist einfach nicht lesen.
  • Köbi  Keller aus Seon
    05.08.2016
    Studien hin oder her, mit zahnseide entferne ich zumindest die speiaereste welche die bürste nicht rausholt. Ich möchte niemanden küssen der nicht dasselbe tut.....eklig