Tiere Der Ausdruck «dummes Huhn» stimmt so nicht

Heidelberg – Von wegen «dummes Huhn»: Haushühner sind erstaunlich gewitzt und bekommen eine Menge davon mit, was in ihrer Welt so vor sich geht. Mit jeder neuen Erkenntnis bekommt eine Frage immer mehr Brisanz: Ist Massentierhaltung für diese Tiere wirklich akzeptabel?

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Gross wie eine Baumnuss ist das Hirn von Haushühnern - doch unterschätzen sollte man es nicht. (Themenbild) KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

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Haushühner haben persönliche Eigenheiten, vermögen einander auszutricksen und seien zu logischen Schlussfolgerungen fähig, die Kinder erst mit etwa sieben Jahren meistern, berichtet Lori Marino vom The Someone Project im Fachjournal «Animal Cognition». Bei diesem Tierschutzprojekt werden gezielt wissenschaftliche Beweise für kognitive und emotionale Fähigkeiten von Nutztieren gesammelt.

Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) stammt vom Bankivahuhn ab, einem Wildhuhn aus Südostasien. Von keinem anderen Haustier des Menschen gibt es weltweit so viele Exemplare: Der tägliche durchschnittliche Weltbestand wird auf rund 20 Milliarden Tiere geschätzt. Geschlachtet werden jährlich mehr als doppelt so viele.

Dennoch bekommen vor allem in Industrieländern die meisten Menschen fast nie Hühner zu sehen - gezüchtet und gemästet werden sie zum Grossteil in streng abgeschotteten Massentierhaltungen. «Allein die Idee, dass Hühner eine Psyche besitzen, klingt für die meisten Leute absurd», sagt Marino. Doch Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre belegten, dass im Huhn weit mehr Gefühl und Verstand stecke als weitläufig angenommen.

Nach einer Studie italienischer Forscher zum Beispiel können Küken rechnen: Die frisch geschlüpften Tiere sind zumindest in der Lage, grosse von kleinen Mengen zu unterscheiden, zeigten Tests mit gelben Plastikeiern. Zudem seien Hühner in der Lage, sich bis zu drei Minuten lang die Flugbahn eines Balls zu merken - was den Fähigkeiten der meisten Primaten bei solchen Versuchen entspreche.

Ein Huhn verfüge über ein gewisses Mass an Selbstkontrolle, führt Marino weiter aus: Es sei in der Lage, für besseres Futter den Schnabel zu halten und nicht gleich gierig loszufuttern. Auch sein Rang in der Hackordnung sei einem Huhn klar. Beide Merkmale wiesen auf einen gewissen Grad von Bewusstsein über das eigene Sein hin.

Komplexer als vielfach angenommen ist demnach auch die Kommunikation unter Hühnern. Neben 24 verschiedenen Lauten gebe es ein grosses Repertoire visueller Zeichen.

Die Tiere seien in der Lage, Zeitintervalle wahrzunehmen und auf Geschehnisse in der Zukunft zu schliessen. Sie beobachteten und lernten voneinander und würden vom Verhalten ihrer Mütter geprägt - ganz so wie andere, als weitaus intelligenter eingestufte Lebewesen.

Auch eine Art Mitgefühl ist den Tieren eigen: Wurde Glucken gezeigt, dass ein Windstoss den Flaum ihrer Küken zerzauste, entwickelten sie ähnliche Stresssymptome wie der aufgeschreckte Nachwuchs. Demnach können Hühner den Standpunkt von Artgenossen einnehmen - wie es nur von wenigen Arten wie Raben und Primaten bekannt ist.

Verblüfft hat Forscher auch die Fähigkeit zum Täuschen und Tricksen: Unterlegene Hähne locken Hennen mit dem typischen Gebaren bei gefundenem Futter an - allerdings ohne die üblichen «Dok-dok»-Rufe, um den Alpha-Hahn nicht auf das Stelldichein aufmerksam zu machen.

Fazit: Ein Hühnerhirn sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn es nur baumnussgross ist. (SDA)

Publiziert am 04.01.2017 | Aktualisiert am 04.01.2017
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