So tödlich wie Fukushima ETH-Forscher erklären Superbeben

Wo Erdplatten untereinander abtauchen, kann es zu gewaltigen Superbeben kommen. ETH-Forscher liefern nun eine Erklärung für das Phänomen.

Der Tsunami im Osten Japans vor einem Jahr. play
Verursacht durch das Beben der Erde: der Tsunami trifft 2011 auf die japanische Küste. sda

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Raumfahrt Forscher simulieren das Leben auf dem Mars
2 Biologie Biometrischer Atlas der Nagetiere
3 Teilchenphysik Dem Rätsel des Universums auf der Spur

Wissen

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
23 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden

Forscher vermuten, dass das Tohoku-Beben von 2011, das 15'000 Menschen tötete und das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte, ein sogenanntes Superbeben war. Ein Superbeben markiert das Ende eines sogenannten Superzyklus.

Jetzt liefern ETH-Forscher eine Erklärung für die Entstehung einer solchen Katastrophe. Dabei brechen bei den ersten - kleineren - Erdbeben zunächst nur Teile eines Abschnitts zweier sich untereinander schiebenden Kontinentalplatten. Solche sogenannten Subduktionszonen gibt es etwa vor der Küste Südamerikas, im Nordwesten der USA, vor Sumatra und in Japan.

Beim finalen Superbeben bricht dann der ganze Abschnitt - mit verheerenden Folgen. Bisherige Erklärungen gingen davon aus, dass diese schrittweisen Brüche wegen unterschiedlicher Reibungseigenschaften des Untergrunds an der Überschiebung entstehen, wie die ETH Zürich in einer Mitteilung schreibt.

Zuerst brechen nur die äussersten Teile

Eine Modellstudie von Forschern der ETH Zürich zeigt nun aber auf, dass Superzyklen auch ohne diese Reibungsunterschiede erklärt werden können - allein durch die Breite der Erdbeben erzeugenden Zone. Die Ergebnisse präsentieren sie im Fachjournal «Nature Geoscience».

Wenn sich zwei Platten übereinander schieben, gibt es Zonen, wo sie sich ineinander verkeilen und sich eine Spannung aufbaut. Wenn diese zu gross wird, bricht der Untergrund in dieser Zone - ein Erdbeben entsteht. Die Modelle zeigen nun, dass bei den ersten Erdbeben in einem Superzyklus nur die äussersten Teile der Erdbeben-Zone brechen.

Am Ende kommt das Super-Beben

Dann stoppt der Bruch wieder, bis sich wieder mehr Spannung aufgebaut hat. In schmalen Erdbeben-Zonen kann bereits ein einzelnes Erdbeben die gesamte Zone durchbrechen. In breiteren Zonen ab etwa 120 Kilometern jedoch entlädt sich die Spannung in mehreren Erdbeben und erst zuletzt im Super-Erdbeben.

Tatsächlich seien Superzyklen bisher nur in Subduktionszonen beobachtet worden, deren seismogene Zone breiter ist als rund 110 Kilometer, erklärte Erstautor Robert Herrendörfer von der ETH Zürich in der Mitteilung.

Die Forscher konnten noch weitere Regionen definieren, die von Superzyklen betroffen sein könnten: die Subduktionszonen vor Kamtschatka, den Antillen, Alaska und Java. Ihre Methode könne auch für kontinentale Kollisionszonen angewendet werden, erklärten die Forscher - zum Beispiel für die Himalaya-Region, in der am vorletzten Samstag das Nepal-Erdbeben geschah.

Die Forscher wollen mit ihrer Arbeit das theoretische Verständnis über Erdbebenzyklen vergrössern. Dies könnte künftig bei der Abschätzung der langfristigen Erdbebengefahr helfen. Die theoretischen Modelle liessen den Vergleich mit der Natur aber nur eingeschränkt zu und seien nicht für die Erdbebenvorhersage geeignet, schränkte Herrendörfer ein. (SDA)

Publiziert am 04.05.2015 | Aktualisiert am 04.05.2015
teilen
teilen
23 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden
Ein havarierter Block des AKW in Fukushima play
Die Atomanlage in Fukushima wurde von der Monsterwelle zerstört. sda
Aufräumarbeiten in der Nähe des Epizentrums play
Bei einem Erdbeben am 25. April in Nepal kamen mehr als 7200 Menschen ums Leben. Keystone
Aufräumarbeiten in der Nähe des Epizentrums

TOP-VIDEOS

3 Kommentare
  • Jean-Philippe  Ducrey 05.05.2015
    Es sei erlaubt zu fragen, wem es nützt, den Ablauf vergangener Erdbeben erklären zu können? Es wäre schon schön zu wissen, wofür Herrendörfer die Schweizer Steuergelder wirklich braucht. Um brauchbare wissenschaftliche Arbeiten abzuliefern oder um unterschwellig Anti-Atompolitik zu betreiben?
  • Fridli  Rene aus Rotkreuz
    04.05.2015
    Das verheerendste an der Tsunami in Japan war, dass der Boden sich um einen ganzen Meter absenkte. Sprich die Tsunami Mauer, welche für 10 Meter hohe wellen ausgelegt war, konnte nur noch 9 Meter absichern und somit schwappte die Welle rüber und zerstörte alles dahinter. Ohne dem Absinken wäre die Mauer dicht geblieben.
    • Markus  Schättin , via Facebook 05.05.2015
      So ein Blödsinn, die Welle war bis zu 23 Meter hoch und die Mauern teils nur 6 Meter hoch. Da spielt es auch keine Rolle, dass sich das Land abgesenkt hat.