Neue Studien belegen: Zahnseide schadet mehr, als dass sie nützt

BERN - «Einmal täglich», verordnen Zahnärzte und Dentalhygieniker den Gebrauch von Zahnseide. Doch der Wachsfaden gerät mehr und mehr in Kritik.

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Es scheint fast so, als würden sie nur Zahnärzte und Dentalhygieniker mögen: die Zahnseide.

Im Glaubenskrieg erhalten die Gegner des Wachsfadens jetzt neuen Auftrieb. Gleich zwei Cochrane-Studien weisen dem Gebrauch von Zahnseide «negative Effekte wie Verletzungen und Probleme» aus.

Nur geringfügige Wirkung gegen Plaque

Internationale Expertengruppen haben diverse Studien der letzten Jahre verglichen und kommen zum Schluss: Es gibt höchstens geringfügige und ungenügende Beweise dafür, dass Zahnseide gegen Plaque und Zahnfleischentzündungen hilft.

«Zahnseide ist für Laien ungeeignet», sagt Ulrich P. Saxer, ehemaliger Leiter des Prophylaxe-Zentrums Zürich zur «Schweiz am Sonntag». Der Faden könne wie ein Nylonmesser wirken, das Zahnfleisch verletzen und es dadurch zum Schrumpfen bringen. «Ich sehe es am Zahnfleisch fast eines jeden Patienten, wenn er Zahnseide verwendet», so der Professor für Paradontologie.

Zahnärztegesellschaft hält am Nylonfaden fest

Also weg mit der Zahnseide? «Nein», heisst es bei der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft SSO. Alle der verglichenen Studien, die einen negativen Effekt der Zahnseide feststellten, dauerten laut SSO zu kurz, um die tatsächlichen Auswirkungen auf allfälligen Zahnzerfall oder faulende Zähne zu erkennen.

 

«Die Mehrheit der Schweizer Zahnärzte wie auch Dentalhygieniker befürworten nach wie vor den Einsatz von Zahnseide.»

Zahnfleischverletzungen gebe es eigentlich nur bei falscher Anwendung von Zahnseide. Wer sich beim Zahnarzt genaue Anweisungen hole, gefährde sein Zahnfleisch durch den Gebrauch weit weniger, als jene, die sich allein auf Zahnbürste und Zahnpasta verlassen.

Gegner und Befürworter kommen auf einen Nenner

Der Glaubenskrieg geht also weiter. In einem Punkt sind sich Befürworter und Kritiker der Zahnseide aber einig: Zahnzwischenräume müssen gereinigt werden! Wenn nicht mit Zahnseide, dann beispielsweise mit einer Schallzahnbürste.

Man sollte unbedingt alle Flächen eines Zahnes reinigen, sagt Saxer. «Schliesslich streichen Sie ja auch nicht nur zwei der vier Wände Ihres Wohnzimmers.» Er ist nicht generell gegen die Zahnseide. «In 90 Prozent der Fälle empfehle ich aber eine andere Methode für die Reinigung der Zahnzwischenräume», so Saxer. «Die geeigneten Mittel wählt der Patient am besten mit seiner Dentalhygienikerin in der zahnärztlichen Praxis aus.»(mad)

Publiziert am 10.08.2014 | Aktualisiert am 14.08.2014
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9 Kommentare
  • Rolf  Merz 11.08.2014
    Mein Zahnarzt riet mir davon ab. Er empfahl die Reinigung durch Wasserstrahl. Und er hatte 100 Prozent recht. Etwas besseres gibt es nicht.
    • rolf  sulzer 11.08.2014
      bei falscher anwendung werden essreste mir druck in die zahnfleischtaschen gespühlt und können zu entzündungen führen, ist deshalb nicht das beste das es gibt - aus diesem grund gibt es heut immer noch die altbewährte zahnbürste.
  • michael  przewrocki aus basel
    11.08.2014
    Man muss nur die richtige sorte nehmen: Ultrafloss ist ganz anders aufgebaut. UND: falsche handhabung der zahnputzmaschine kann paradontis fördern. Zahnfleisch geht zurück, zahnhals liegt frei, es schmerzt. Zahnseide, Zahnputzmaschine und Wassersstrahl sind das richtige.
  • Monica  Gähwiler , via Facebook 11.08.2014
    Zahnseide hat nicht nur den Zweck die Zwischenräume zu reinigen, also Nahrungsfasern zwischen den Zähnen zu entfernen, es geht vor Allem auch darum, dass Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat sich nicht entzündet und im schlechtesten Fall zu Zahnfleischtaschen bildet. Das gesunde Zahnfleisch ist hellrosa, gestippelt und liegt an den Zähnen fest an! Es musste noch KEIN Zahn wegen einer Zahnseideverletzung gezogen werden! Nicht entfernte Nahrungsfasern verursachen Entzündungen und Mundgeruch!
  • Peter  Zillner , via Facebook 11.08.2014
    Mir hat eine Zahnhygienikerin-Dentistin bei meinem Zahnarzt bei
    dem ich seit 25 Jahren bin, verordnet, keine harten Zahnbürsten
    mehr zu verwenden denn Das fördere den Zahnfleischschwund
    oder verursache Wucherungen ! Ich habe aber weiterhin bis heute
    harte Zahnbürsten verwendet, bin 69 Jahre alt, habe keinen
    Zahnfleischschwund und Wucherungen und ausser einer Brücke
    und einer einzigen Zahnlücke im hinteren Bereich, noch ALLE
    meine eigenen Zähne,schön und gesund !! Die richtige Zahnpasta
    ist wic
  • Rüdiger  Rüdisüli aus Rüderswil
    10.08.2014
    Ich verwende so ganz kleine Bürstchen, mit welchen man die Zwischenräume reinigen kann. Die führen zu keinen Verletzungen und sind auch viel angenehmer bei der Anwendung.