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An Stehpartys passiert mir immer das Gleiche. «Hääää?», fragen mich die Leute. «Was warst du früher? Wurmforscher? Du warst Wurmforscher?»
«Ja, Wurmforscher.»
Dann beginnt die grosse Schenkelklopferei. «Was hast du denn so erforscht, hä? Wo beim Wurm vorne und hinten ist, höhöhö!?»
Ich habe tatsächlich 4 Jahre meines Lebens damit verbracht, glitschige, knapp 1 Millimeter kurze und vollkommen durchsichtige Würmchen zu züchten.
In den Labors der Uni Freiburg habe ich sie genetisch verändert, seziert, eingefroren, wieder aufgetaut und unter dem Mikroskop analysiert. Tag für Tag. Da ist nichts Komisches dabei.
Die Gene des Wurms sehen nämlich sehr ähnlich aus wie menschliche. Deshalb können Forscher an den Tierchen gut studieren, wie sie Erbkrankheiten des Menschen dereinst heilen könnten.
Seit gestern sind wohl auch meine Party-Kumpel überzeugt. Denn zwei meiner ehemaligen Forschungs-Kollegen haben den Medizin-Nobelpreis gewonnen. Craig Mello und Andrew Fire. Beide habe ich während meiner Zeit als Wurmforscher persönlich kennengelernt. Beide standen mit der Uni Freiburg in engem Kontakt.
Grundverschieden, aber beide geniale Wissenschaftler. Craig Mello ist ein durchtrainierter Parade-Ami, für den maximale Leistung zu jeder Tageszeit Priorität hat.
Andy Fire ist eine Seele von Mensch. Seine Grosszügigkeit kennt keine Grenzen. Manch ein dümmliches E-Mail von mir hat er innert Minuten beantwortet. Stets gelassen und mit Schalk zwischen den Zeilen.
Ihre Forschung am kleinen Wurm wird eines Tages grosse Folgen haben. Sie wird helfen, Krankheiten wie Krebs und Depressionen zu heilen.