Hemmungslose Überwachung

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZUG – Es ist wie immer, die Sache hat zwei Seiten: Für Voyeure wäre es das Paradies. Aber nicht nur Datenschützer dürften entsetzt sein.

Schon heute überwacht Grossbritannien seine Bürger wie kein anderes Land. Insgesamt mehr als vier Millionen Überwachungskameras sind auf die Menschen zwischen Ärmelkanal London und Schottland gerichtet. Der durchschnittliche Brite wird jeden Tag rund 300 mal(!) von einer Überwachungskamera gefilmt.

Das ist längst nichts alles. Jetzt will ihm der Staat auch unter die Wäsche schauen. Die Tageszeitung The Sun berichtet aus geheimen Papieren, aus denen hervorgeht, dass das britische Innenministerium den flächendeckenden Einsatz versteckter Kameras auf Strassen und Plätzen befürwortet, die mit Terahertz-Strahlung arbeiten.

Das Besondere: Die können die Kleidung von Passanten durchdringen – im Klartext: Männern und Frauen bis auf die Haut schauen.

Eingesetzt werden solche Durchleuchtungssysteme bereits an Flughäfen oder auch von der britischen Polizei, die damit beispielsweise bei Razzien im Londoner Nachtleben nach am Körper versteckten Drogen sucht. Unauffällig in Laternen eingebaut, könnten solche Kamerasysteme vor allem die Suche nach Waffen und Sprengstoffen erleichtern, halten die Verfasser des Berichts fest.

Dabei ist klar, dass es einen Aufschrei der Bürger geben dürfte. Es ist immerhin ein Unterschied, ob man normal am Bankschalter gefilmt wird, so wie einen andere Passanten auch sehen würden. Oder ob einen die Kamera gleich bis auf die Haut auszieht.
Das wissen natürlich auch die Behörden. Und haben sich dieses ausgedacht: Heimliche Nacktaufnahmen von Frauen sollen nur durch weibliche Sicherheitsmitarbeiter gesichtet werden dürfen.

Wie hilflos! Was ist denn mit lesbischen Überwachungsmitarbeiterinnen? Dürfen die gaffen oder nicht? Ausserdem dürften solche Auflagen bei der Beobachtung von Plätzen technisch wohl kaum machbar sein.

«Skandalös»

Was wäre, wenn Behörden in der Schweiz auf die Idee kämen, eine derartige Überwachungstechnologie auch hierzulande einzuführen?
Dr. René Huber, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zug, lässt gegenüber Blick Online keinen Zweifel bestehen: «Das wäre skandalös. Auf der Basis unserer Gesetze ein völlig unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre.»

Militärtechnik

Entwickelt werden die Personen-Scanner unter anderem von QinetiQ, schreibt heise.de, einem aus der britischen Militärforschungsorganisation DERA (Defence Evaluation and Research Agency) hervorgegangenen Unternehmen, das seit Februar 2006 an der Londoner Börse gehandelt wird ist und an dem das britische Verteidigungsministerium noch einen Anteil von knapp 20 Prozent hält. Im Programm hat QinetiQ auch Produkte zur Gesichtserkennung, zur automatischen Kennzeichenerfassung sowie Bewegungserkennungs-Software.
Wie weit soll die Sicherheit gehen? Neue Überwachungskameras blicken buchstäblich durch.- Photocase

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