Blumen in allen Farben, aber... Sag mir, wo die Roten sind

Violette, gelbe, weisse, blaue Blumen: Bunte Magerwiesen erfreuen das Herz jedes Wanderers. Aber wo sind die roten Blüten?

Weil ihre wichtigsten Bestäuber kein Rot sehen, sind in den Bergen Pflanzen mit roten Blüten selten. play

Weil ihre wichtigsten Bestäuber kein Rot sehen, sind in den Bergen Pflanzen mit roten Blüten selten.

Keystone

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Der Rucksack klebt am nassen Rücken des Wanderers, ein Schweissbächlein rinnt hinterm Ohr ­hinunter, der Wadenmuskel spannt. Der Aufstieg ist hart. Das Gipfelkreuz weit.

Stete Freude bereitet in diesen Momenten eines: die Blütenpracht am Wegrand. Blaue Glockenblumen, weisses Laserkraut und gelbe Arnika. Aber eine Farbe fehlt: Rot. Ein Zufall? Nein!

Das Phänomen hat mit den Sinnen der wichtigsten Bestäuber der Bergwiesen zu tun: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. «Ihre Komplexaugen sind spezialisiert auf die Erkennung von Violett, Blauviolett, Ultra­violett und Gelb», sagt Stefan ­Eggenberg (53), Direktor von Info Flora. «Längerwelliges Licht wie Rot, Infrarot und Orange können diese Insekten nicht oder nur schlecht erkennen.»

Für die Pflanzen macht es deshalb wenig Sinn, mit solchen Farben Insekten anlocken zu wollen: Weil sie nicht sichtbar wären, würden sie nicht bestäubt.

In der Schweiz besorgen rund 700 verschiedene Bienenarten die Bestäubung von 80 Prozent der Blüten. So garantieren sie den Fortbestand dieser Arten. «Pflanzen mit roten Blüten sind bei uns deshalb grundsätzlich selten in der Natur, weil die entsprechenden Bestäuber selten sind», sagt der Botaniker Felix Gugerli (50) von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Wieso ist aber zum Beispiel auf Äckern im Mittelland der leuchtend rot blühende Klatschmohn so häufig? Weil er ultra­violett leuchtet und deshalb für Bienen und Hummeln bestens sichtbar ist.

Und es gibt Bestäuber, die Rot sehen: Fliegen und Käfer. «In den Tropen, wo es auffällig viele rote Blüten gibt, sind ausserdem Vögel wichtige Bestäuber», weiss Botaniker Stefan Eggenberg.

Publiziert am 08.08.2015 | Aktualisiert am 08.08.2015
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