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Davos ist eine andere Welt. So viel Schnee, so viele Menschen, so viel Geld, so viele Russen. Svetlana dreht den Kopf in alle Richtungen, immer wieder gibt es etwas zu bestaunen, nur nicht im Hotelzimmer, das Stefan nach langer Suche doch noch gefunden hat. Keine Sterne, lediglich Aussicht auf die Hausmauer des Hotels mit fünf Sternen, die eigene Kammer sieht aus wie ein Wohnwagen, Svetlana fühlt sich an ihr verlottertes Studentenwohnheim in Nischny Novgorod erinnert, zum Frühstück gibt es trockene Brötchen. Was macht sie bloss hier mit einem Mann, der nichts taugt? Immerhin, Stefan hat Billette für den Match der Moskauer gegen irgendein tschechisches Team ergattert. Stehplätze allerdings, zu mehr war er nicht fähig.
Svetlana macht sich ohnehin nichts aus Eishockey, auch nicht aus Stefan, es geht nicht darum. Sie steht im Stadion, holzverkleidet, so etwas hat die junge Russin noch nie gesehen, nervös schaut sie sich um und klammert sich an ihrer Tasche fest. Dort befindet sich ihr Schatz. Es ist Abend, der Stehplatzsektor hat sich gefüllt mit einer wilden Menge rauer Männer, die alle Bier trinken, manche kommen aus Russland, und sie blasen Svetlana alkoholgeschwängerte Luft entgegen. Sie verzieht das Gesicht zu einem Lächeln, das reicht, um Stefan zufriedenzustellen. «Super, was?», sagt er und nimmt einen Schluck Bier. Sie nickt und blickt sich weiter um.
Da … ist das nicht … ist es nicht … nein, das kann nicht sein. Sitzt da nicht Otto, auf den blauen Sitzplätzen, im teuersten Sektor, ist das nicht Otto? Und wer ist die blonde Frau an seiner Seite? Und weshalb sind ihre Haare so lang und ist sie so jung und dünn und beugt sie sich jetzt rüber zu ihm?
Svetlana zupft Stefan an der Jacke, zeigt mit dem Finger auf den teuren blauen Sektor. Stefan sagt nichts. Auf dem Eisfeld bleibt es spannend, er nimmt einen weiteren Schluck Bier und jubelt mit, als die Moskauer das erste Tor erzielen. 1:0 für Russland. «Ich muss kurz weg», sagt Svetlana und marschiert entschlossen davon.
Am Dienstag im BLICK
Folge 13: Verfolgungsjagd
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Die Krimi-Autorin Marina Bolzli. (Philippe Rossier/Blick)