Style Writer Wäis Kiani ist verschnupft Oben ohne durch Wald und über Hügel

Unsere Style Writerin stellt einen gewagten Zusammenhang zwischen offenen Cabrio-Verdecken und allgemeiner Verbitterung her.

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Ich bin krank, wie jedes Jahr um diese Zeit. Ich habe Sinusitis, wie letztes Frühjahr und vorletztes Frühjahr, aber nicht so schlimm, dass meine Mutter kommen müsste wie die letzten Male. Schuld daran ist diesmal Z., der mich letzte Woche mit einem seiner Autos aus meinem Kuhdorf abholen wollte für eine Spritztour und dann mit dem offenen Cabrio vor dem Haus stand.

Tussi-Vorwurf

«Ich steige nicht ein, sonst werde ich krank», sagte ich und wollte ins Haus. «Stell dich nicht so an, die Heizung ist superwarm.» – «Trotzdem, es zieht doch, und um diese Jahreszeit wird man krank. Also ich.» – «Was bist du für eine blöde Tussi», sagte Z., «du wirst nicht krank, die Heizung ist superheiss.» Es gab eine sehr lange Diskussion mit Streit-Charakter – und am Ende stieg ich ein. Wir fuhren nach Zürich durch Wald und über Hügel, assen eine Bratwurst und fuhren wieder zurück.

Abends hatte ich Halsschmerzen, am nächsten Tag erwachte ich mit einem dicken Kopf. Seitdem nehme ich jeden Tag Paracetamol, Vitamin C und abends Neocitran und denke, morgen bin ich gesund. Doch es geht mir jeden Tag gleich schlecht. Meine Freundin B. ruft an und fragt, was mit meiner Stimme los sei, ein Reibeisen sei zart dagegen. «Ich bin krank, weil mich Z. gezwungen hat, Cabrio zu fahren», sage ich. «Warum hängst du überhaupt noch mit dem ab?», fragt mich B. «Er ist doch offiziell der mieseste Frauenfeind. Wenn eine Lady sagt, sie will im März nicht offen fahren, hat er gefälligst sein Verdeck zu schliessen.» Das sehe ich genauso. Und ich wurde – krank und schwach – gleich auch noch saurer.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Verbitterte Männer und Frauen

Aber genau das ist das Dilemma der deutschen Männer in meinem Alter. Sie sehen nicht mehr ein, warum sie für eine Frau irgendeine Einschränkung ihres Wohlbefindens zulassen sollten. Ich betone deutsche Männer, weil Z. ein deutscher Mann ist und die Schweizer Männer viel zu wohlerzogen sind, um mir mit «Was bist du für eine blöde Tussi» zu antworten, wenn ich sie höflich bitte, das Verdeck zu schliessen.

Aber deutsche Männer zwischen vierzig und fünfundfünfzig sind verbittert und unausstehlich. Der Grund, weshalb auch deutsche Frauen in dem Alter verbittert und unausstehlich sind und die ganze Stimmung in Deutschland immer so schlecht und lieblos ist. Ich habe ja ein ganzes Buch über das Drama der 40-plus-Generation geschrieben, bin aber trotzdem immer wieder schockiert, wenn ich die Realität selbst so knallhart erleben muss. Im Moment geht es mir zu schlecht, um über eine Lösung nachzudenken. Aber ich werde eine finden und sie Ihnen mitteilen. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit – und verkühlen Sie
sich nicht. Es sieht nur warm aus, ist aber genauso kalt wie immer.

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Publiziert am 30.03.2016 | Aktualisiert am 04.04.2016
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