Sonntags-Krimi – Neuer Fall Tod einer TV-Kandidatin

Die Entscheidung war knapp: 50,9 Prozent unserer LeserInnen wollen, dass Chefredaktor Haberer auf Whisky-Flaschen ballert. Das hat Konsequenzen. Haberer verpasst die neuste Story: Seine Reporter finden eine tote junge Frau.

Aktuell auf Blick.ch

Life

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
29 shares
Fehler
Melden

Jonas Haberer ist ausser Rand und Band: Er schiesst mit seiner Pistole in der Pingpong-Bar auf die Whisky- und Schnapsflaschen. Peter Renner und die anderen Gäste werfen sich auf den Boden. Der Wirt ruft die Polizei. Nach wenigen Minuten kommt diese herangestürmt und nimmt Chefredaktor Haberer fest.

Am nächsten Tag orientiert Verlegerin Emma Lemmovski die Redaktion: «Nach dem gestrigen Vorfall in der Berner Pingpong-Bar ist Jonas Haberer zwar wieder auf freiem Fuss, aber er wird sich für seinen Blödsinn vor Gericht verantworten müssen. Wir wissen, dass Haberer ein begeisterter Sportschütze ist und sicher keinen verletzen wollte, trotzdem können wir sein Verhalten nicht tolerieren. Deshalb habe ich ihn freigestellt. Nachrichtenchef Peter Renner übernimmt seinen Posten bis auf Weiteres, Alex Gaster leitet die Nachrichtenredaktion.» Keiner der Journalisten sagt ein Wort, die meisten schauen verlegen vor sich auf den Tisch. «Na dann», sagt die Verlegerin schliesslich, «ich wünsche Herrn Renner viel Glück.»

Peter Renner ist die Situation sichtlich unangenehm. Sonst sitzt er wie in Gips gegossen da, nun aber wedelt er nervös mit den Beinen. «Ich möchte ergänzen, dass ich bei diesem Vorfall anwesend war und Jonas zu beruhigen versuchte, aber das Gegenteil erreicht habe», sagt er. «Ich hoffe und wünsche, dass er bald wieder auf seinen Posten zurückkehrt.» Renner macht eine Pause. Dann erklärt er, dass er ein Team in die französischen Alpen geschickt habe, um über die Katastrophe von Flug 4U 9525 zu berichten. Es herrscht tiefe Betroffenheit. Emma Lemmovski sagt: «Wir brauchen noch leichtere Kost in ‹Aktuell›. Im Fernsehen läuft doch demnächst ‹Die Bachelorette›. Und ‹Die grössten Schweizer Talente› und ‹Deutschland sucht den Superstar› kommen in die heisse Phase. Ich wünsche mir eine Story über die Menschen, die unbedingt ins Fernsehen wollen und sich dadurch eine grosse Karriere erhoffen. Die meisten Teilnehmer glauben doch, dank dem Fernsehen einen Moderationsjob zu ergattern, Model, Schauspieler oder Sänger zu werden. Warum ist das so?»

Der Nachrichtenchef ad interim beauftragt Reporterin Sandra und Fotograf Henry, ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Casting- und Datingshows zu interviewen: Was ist aus ihnen geworden? Sandra mailt, chattet und telefoniert. Nach drei Tagen kommt sie zum Schluss: Die Bilanz ist ernüchternd, keiner der ehemaligen Kandidaten hat den Durchbruch geschafft. Und fast alle freuen sich, dass sich überhaupt noch eine Reporterin für sie interessiert. Sie sind bereit für Interviews, Fotos, Filme. Sandra ist überzeugt: Sie haben den Traum einer Medienkarriere noch immer nicht aufgegeben. «Ein einziges Mädchen will über sein Mitwirken nicht mehr reden.» – «Wer?», will Renner wissen. «Franziska, eine Ex-Bachelor- und Talentshow-Kandidatin. Sie galt in beiden Sendungen als Favoritin, weil sie nicht nur schön und charmant ist, sondern auch wirklich gut singen kann.» – «Geht dem nach. Das ist vielleicht unsere Story.» Trotz Sandras Bemühungen bleibt Franziska dabei: Sie will keine Interviews mehr geben. Reporterin Sandra recherchiert und findet einige Dinge über sie heraus: Sie hat ihren Job bei einer Versicherung verloren, viele Freunde haben sich von ihr abgewendet, und sie leidet an psychischen Problemen.

Sandra fährt mit Henry zu Franziska nach Uster im Kanton Zürich. Die junge Frau wohnt in einem grossen Block. Sie scheint nicht zu Hause zu sein. Als jemand das Haus verlässt, huschen die Reporter in den Eingang und stehen schon bald vor Franziskas Appartement. Es ist nichts zu sehen, nichts zu hören. «Komisch», meint Sandra, «gestern hat sie mir gesagt, sie liege krank im Bett.» Henry klopft an die Türe. Nichts. Er drückt den Türgriff runter. Die Türe geht auf. Henry schaut Sandra an, ruft Franziskas Namen. Keine Antwort.

Henry betritt die Wohnung, ruft wieder nach Franziska, schaut zu Sandra hin. Diese flüstert: «Komm sofort zurück, das ist Hausfriedensbruch!» Der Fotograf geht trotzdem weiter und starrt plötzlich auf den Boden. Sandra folgt ihm, sie ergreift reflexartig seinen Arm: Franziska liegt am Boden. Ihr Kopf in einer grossen Blutlache. Die langen, dunklen Haare verdecken das Gesicht. Sie trägt weisse Spitzenunterwäsche und hochhackige Pumps.

«Ich rufe die Polizei», sagt Sandra und zückt ihr Handy. Henry sieht sich in der Wohnung um, macht Fotos. Auf Franziskas Schreibtisch findet er ein Schreiben. Er liest es durch, schüttelt den Kopf und meint zu Sandra: «Komm her! Das glaubst du jetzt nicht!»

Publiziert am 28.03.2015 | Aktualisiert am 29.03.2015
teilen
teilen
29 shares
Fehler
Melden

Wie solls weitergehen?»

  • 36,9% Das Schreiben ist ein Moderationsvertrag mit einem TV-Sender.
  • 63,1% Es ist die 
Kopie einer Anzeige wegen Vergewaltigung, die Franziska erstattet hat.
  play

 

Sonntags-Krimi

Den Fortsetzung-Krimi des SonntagsBlick schreibt Autor Philipp Probst ( www.philipp-probst.ch). Dabei entscheiden die Leser, wie die Geschichte weitergeht. Lesen Sie die aktuelle Folge und stimmen Sie ab, welches Szenario Sie bevorzugen. Die nächste Folge lesen Sie dann jeweils am folgenden Sonntag im SonntagsBlick und online.

TOP-VIDEOS