Sonntags-Krimi – Letzte Folge Angriff aus dem geheimen Netz

Das Cowgirl zückt einen Revolver aus seinem Stiefel. Dafür haben sich 80,2 Prozent der LeserInnen entschieden. Auf der «Aktuell»-Redaktion kommt es danach zum grossen Showdown – mit mysteriösem Ende.

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Chefredaktor Haberer ist perplex: Er starrt auf den Revolver, den die Frau in ihren Händen hält. Plötzlich lässt sie die Waffe wie in einem Wild-West-Film über ihre Finger wirbeln und steckt diese zurück in den Schaft ihres Stiefels: «Das war nur Bluff, Jonas», sagt die Frau mit hörbar amerikanischem Akzent. «So wie du den Fall der toten TV-Kandidatin gelöst hast, habe ich dir nun einen Schrecken eingejagt, was?» – «Papperlapapp», faucht Haberer, «was bist denn du für ein irres Girl?»

Die junge Frau schaut Haberer lachend an. «Kirsten Warren, ich bin neu hier. Expertin für Internet, Social Media, Games.» – «Also eine Onlinetante. Kirschirgendwas …» – «Kirsten», korrigiert ihn das Cowgirl. – «Das ist doch kein Name», mault Haberer: «Ich nenne dich Kirschtorte, Sweety. Gehen wir mal zusammen in den Schiessstand? Ich bin nämlich Sportschütze.»  «Der Revolver ist aus Plastik. Mein Sohn will, dass ich ihn immer dabei habe. Als Selbstverteidigung. Scheint zu funktionieren.» 

«Jetzt reichts!», schreit Haberer. «Wer hat die verdammte Kirschtorte eingestellt?» – «Das war ich», grummelt Nachrichtenchef Peter Renner, der seit kurzem die Redaktion leitet: «Ich habe dir davon erzählt.» – «Ich weiss von nichts.» Klack, klack, klack. Haberer stapft durch die Redaktion. «Ich schmeisse die Revolverheldin raus. Jetzt bin ich ja wieder auf meinem Posten – habe das Sagen.»

Plötzlich steht Emma Lemmovski in der Redaktion. Sandra, Alex, Henry und die anderen Journalisten starren sie an. «Was ist denn hier los?», fragt die Verlegerin. Haberer brüllt: «Pescheli hat so eine Kirschtorte …» – «Sie haben hier gar nichts zu sagen», unterbricht Emma. «Sie sind immer noch ausser Dienst. Und wenn hier jemand schiesswütig ist, dann Sie, Haberer! Deshalb habe ich Sie ja suspendiert!» Haberer greift in die Innentasche seines Jacketts und holt ganz langsam seine Pistole heraus. Es wird mucksmäuschenstill. Emma auf der einen Seite, Haberer auf der anderen. Dazwischen Kirsten Warren. Sekunden vergehen. Dann stellt sich Peter Renner zwischen Kirsten und Haberer. «Zecke, beweg deinen Ranzen aus der Schusslinie, oder du wirbelst und pfeifst wie ein geplatzter Luftballon durch die Redaktion!» – «Jonas, was soll das?», sagt Renner ruhig.

Da erklingt aus dem Computer, an dem Fotograf Henry sitzt, die Melodie «Spiel mir das Lied vom Tod». Sofort drehen sich alle zu ihm um. «Ich habe nichts gemacht, ich habe nichts gemacht», sagt Henry aufgeregt. «Das kommt ganz von alleine, merde!» Plötzlich fallen Schüsse. Aber es sind keine echten. Es wird aus den Computern gefeuert, Handgranaten explodieren, Bomben fallen. Haberer tobt: «Welcher Blödmann hat diesen Mist …»

 «Warte, Jonas», sagt Kirsten und setzt sich an einen der Computer. «Mach das aus!», brüllt Haberer. «Sofort!» Er packt seine Pistole weg und stellt sich hinter die Web-Expertin. Auch Emma Lemmovski schaut ihr über die Schultern. Aus den Computern wird noch immer geschossen. Auf den Bildschirmen tauchen Panzer auf, Kampfdrohnen, Armeehelikopter. Es tobt eine Schlacht. Kirsten tippt auf der Tastatur Passwörter und Zahlenreihen ein. Immer wieder murmelt sie «Shit!» und versucht es mit einem anderen Programm. Vergebens.

«Wir drehen die Sicherung raus!», sagt Haberer. «Bloss nicht!», widerspricht Kirsten: «Dann bricht unser System komplett zusammen, sämtliche Daten könnten so vernichtet werden, und ‹Aktuell› wird für längere Zeit aus dem Netz verschwinden. Und eine Printausgabe werden wir auch nicht mehr gestalten können.» – «Das ist eine Cyber-Attacke, nicht wahr?», fragt Emma Lemmovski. «Yes!», bestätigt Kirsten. «Wie kürzlich der Angriff der IS-Terroristen auf einen französischen Fernsehsender.»

Die Schiesserei stoppt. Auf den Bildschirmen sind wieder die normalen Redaktionsprogramme zu sehen. Es herrscht gespenstige Stille. Bis Haberer mit seinen Boots durch die Redaktion marschiert. Klack, klack, klack. Er bleibt stehen und sagt: «Ich entschuldige mich bei Ihnen, Emma Lemmovski. Und bei all den anderen auch. Ich bin manchmal etwas aufbrausend. Aber jetzt braucht es mich. Als Kapitän auf der Brücke. Wir machen diesen Terroristen den Garaus!» – «Okay, Haberer», sagt Emma, «zurück auf Ihren Posten. Und alle an die Arbeit. Wir müssen herausfinden, wer uns gehackt hat.» – «Dürfte schwierig werden», sagt Kirsten. «Das war ein Angriff aus dem Deep Net, dem Netz hinter dem World Wide Web. Eine Schattenwelt, sehr viel grösser als das bekannte Internet. Und total anonym.»

Dann erscheint auf allen Bildschirmen plötzlich ein Schriftzug. «Das war ein Spass ...»

Publiziert am 26.04.2015 | Aktualisiert am 26.04.2015
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Sonntags-Krimi

Den Fortsetzung-Krimi des SonntagsBlick schreibt Autor Philipp Probst ( www.philipp-probst.ch). Mit dieser Folge endet unser Fortsetzungs-krimi. Ein Jahr lang hat Philipp Probst die «Aktuell»-Journalisten auf Recherche geschickt – und viele Verbrechen lösen lassen.

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