BLICK-Vorabdruck eines neuen, gnadenlos ehrlichen Buches Sexmuffel und Kuschelhasen

  • Publiziert: 21.03.2010, Aktualisiert: 02.01.2012

Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock und ihr schamlos untreuer Ehemann haben die Diskussion neu angefacht: Warum geraten gerade tolle Frauen immer an die falschen Männer? Das neue Buch «Scheisskerle» gibt Antworten. BLICK druckt exklusiv Auszüge. Heute Teil 2.

Sie trifft nachhaltig und tief, die sexuelle Ablehnung durch den eigenen Partner. Zugleich ist kaum ein Beziehungsproblem derart geeignet, die Gründe dafür bei sich selbst zu suchen als die Lustlosigkeit des Partners im gemeinsamen Bett, schlimmer noch, diesen Zustand vorauseilend vielfältig zu entschuldigen.

Die Entschuldigungen für «Rohrkrepierer», «Schlappschwänze» und Langweiler im Bett spotten tatsächlich jeder Beschreibung. «Vielleicht hat er ja momentan zu viel Stress im Beruf» – «Vielleicht liegt es ja an mir» (wahlweise ist die Frau dann zu fett, nicht mehr attraktiv, zu langweilig) – «Vielleicht kann ich seine sexuellen Wünsche nicht befriedigen.»

Letzteres ist in der Literatur auch als sogenannte «Testosteron-Lüge» bekannt. Männer, die schlichtweg die Lust an der eigenen Partnerin verloren haben, es sich aber bei der Ersatzmutti ganz gemütlich eingerichtet haben, vermitteln auf eine unterschwellige, perfide Art und Weise, dass die eigene Partnerin nur deshalb nicht mehr attraktiv ist, weil sie dem «tollen Hengst» eigentlich nicht gerecht werden kann. Die Bereitschaft, die Lustlosigkeit des Partners zu rechtfertigen, gipfelt in der Aussage: «Vielleicht hat er ja so starke Gefühle für mich, dass wir deshalb gar keinen Sex mehr haben.»

Lustlosigkeit hat in den allermeisten Fällen einen simplen Grund: Desinteresse. Und auch wenn es schmerzhaft ist, sich das einzugestehen, für viele Männer ist das keinesfalls ein Grund, sich zu verabschieden, besonders, solange das Umfeld angenehm ist und sich nichts anderes bietet. Wer ist am Samstagabend schon gern allein?

Dass viele Männer schon nach einigen Treffen ihren Jagdtrieb befriedigt haben, die Anziehung einfach nicht stark genug für die Fortsetzung einer kurzen Affäre war, muss man wohl oder übel akzeptieren ...

Es hat mich – in übertragenem Sinn – immer schon gewundert, wenn Männer ganz offen über ihre Vorliebe für Frauen mit grossen Brüsten reden, aber mit dem genauen Gegenteil dieses Frauentyps verheiratet sind. Die Gedanken sind natürlich frei und alle Sehnsüchte erlaubt, es ist legitim, sich die tollsten Dinge zu erträumen, aber dies von einem Partner einzufordern oder, noch schlimmer, stillschweigend zu erwarten, endet ganz gewiss im Frust.

Einer gelingenden Beziehung liegt jedenfalls zuerst einmal ein Realitätsprinzip zugrunde. Von einer unausgeschlafenen, völlig erschöpften jungen Mutter kleiner Kinder kann man nicht erwarten, dass sie sich abends vom Kronleuchter schwingt, um ihrem Partner ein ausschweifendes Sexualleben zu bescheren.

Ebenso wenig kann man darauf hoffen, dass ein offensichtlich aggressiv-gehemmter Mann, den sich eine Frau gewählt hat, weil er freundlich, weich, bescheiden und anpassungsbereit ist, über Nacht zum wilden Hengst wird. Man kann von einem Partner nicht erwarten, dass er alles erfüllt, beziehungsweise man ist schon selbst für das verantwortlich, was man bekommt – und was nicht. Wer sich an den «tollen Hengst» nicht herantraut, weil das eigene Selbstbewusstsein dafür nicht reicht, darf sich nicht wundern, sexuell bei einer mittelmässigen Alternative zu landen.

Hanna, auch Mariechen genannt, ist die Frau von Robert und ein konservativ erzogenes Faltenrockmädchen aus bester Familie. Vor kurzem hat sie eine kleine Galerie eröffnet und zeigt in ihren Ausstellungsräumen bevorzugt junge Fotokünstler. Auf einer Vernissage ihrer künstlerischen Neuentdeckung Richard König begegnete sie Dragan, dessen Freundin gerade von König porträtiert worden war, und fand in ihm den Mann ihrer sexuellen Träume.

Einen ganzen Tag und eine Nacht verlebte sie mit ihm, wie in einem grenzenlosen Rausch. Nachdem sie ihr Barbour-Jäckchen einmal abgelegt hatte, erlebte Mariechen fast alles, was sie sich in ihren sexuellen Masturbationsfantasien schon immer erträumt hatte.

Doch wiedersehen wollte sie Dragan nicht – auf keinen Fall. Es waren nicht ihr Mann Robert oder die Kinder, die ihr ein schlechtes Gewissen machten. Nein, sie hatte vielmehr Angst, dass der Rausch sie aus dem Rahmen ihres bürgerlichen Daseins werfen könnte.

Mariechen hatte mal eine Beziehung mit einem erotisch und sexuell eher unbeholfenen jungen Rechtsanwalt. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Spezialist für Insolvenzrecht auch nur annähernd eine Idee von den wahren sexuellen Fantasien seiner Partnerin hatte, geschweige denn zu einem leidenschaftlichen Frauenverführer hätte mutieren können, um einen «Eisblock» zum Schmelzen zu bringen, wie sich Hanna das gelegentlich erträumte.

Sein Bild von Hanna hat sich wohl eher von Äusserlichkeiten abgeleitet, und ihm fehlte vielleicht auch schlicht die Vorstellungskraft, um in ihr etwas anderes zu sehen als die wohlerzogene Tochter aus gutem Haus.

Dem jungen Rechtsanwalt ist kein Vorwurf zu machen. Es wäre vielmehr an ihr gewesen, da sie ihm an sexueller Erfahrung und Aggressivität deutlich überlegen ist, sich für ihre Bedürfnisse auch den richtigen Partner zu suchen.

Der Begehrende ist also selbst gefragt, wenn es darum geht, Wünsche zu realisieren. Wer sich in einem Single-Portal im Internet mit einem Mann verabredet, dessen Nickname «Bärchen_bln», «Knuddel_oI» oder «Ganz_Lieb_ 69» heisst, wird kaum einen aggressiven Liebhaber erwarten können.

Anders gesagt: Die eigenen Wünsche dürfen die Kräfte und das Vorstellungsvermögen des Partners nicht überfordern.

Lesen Sie morgen im BLICK Folge 3 der Serie «Scheisskerle»: Der Typ «Doktor Kimble»

play (Igor Kravarik)

Top 3

1 Bräutigam reingelegt Dieser Polterabend-Streich ist ein Youtube-Hit!bullet
2 Studie zeigt Facebook scheidet Ehenbullet
3 Zuckersüsses Youtube-Video Küken kuschelt mit Katzebullet

Life