Schriftsteller Thomas Meyer nimmt Stellung zu Lebensfragen «Erwachsen ist, wer verzichtet»

Wann genau ist man erwachsen? Ich bin 36 und fühle mich weit davon entfernt.

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Der Duden nennt folgende Synonyme für das Wort erwachsen: volljährig, mündig, reif, vernünftig, selbständig. Volljährig und mündig sind wir mit 18 Jahren, alles -übrige eher nicht. Wenn wir vom Erwachsensein reden, meinen wir auch meist die schwierig zu erlangende innere und nicht die kostenlose amtliche Reife.

  • Zur Person

    Der Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer beobachtet seine Mitmenschen seit nunmehr 41 Jahren. Das ist denen nicht immer recht. Haben auch Sie Fragen an ihn? magazin@sonntagsblick.ch, Betreff: «Meyer»

Erwachsen ist wohl, wer die -Verantwortung, die ihm obliegt, -erkennt, wahrnimmt und zum Wohle derer handelt, die von ihm abhängig sind. Das gilt für den Einzelnen wie für Institutionen und überhaupt für uns alle. Doch mit der Verantwortung haben wir es leider nicht so. Den Preis, den andere für unseren heiteren Lebensstil bezahlen, -namentlich die Menschen in der Dritten Welt, die Tiere und die Natur, aber auch kommende Generationen, verdrängen wir gern. So gesehen leben wir in einer ausgesprochen unerwachsenen, ja infantilen Welt, die glaubt, ihr stehe alles zu.

Zu Ihrer Frage: Erwachsen werden wir nur, wenn wir lernen zu verzichten. Auf die Sauferei. Auf die billigen Affären. Auf das Shopping. Auf das neue iPhone, wenn das alte noch tadellos funktioniert. Auf die vor dem Fernseher verschwendeten Abende. Auf all die faulen Aus-reden. Wir reifen, indem wir uns gut überlegen, was wir wirklich brauchen und was uns lediglich reizt. Und was unserem Alter entspricht und was eben nicht mehr. Wir sind nicht allein hier; es gibt zahllose Menschen, die unsere Präsenz, unsere Liebe und unser Mitgefühl benötigen. Nicht nur unsere Kinder, sondern auch unsere Enkel, -deren Welt wir gerade verunstalten, wie auch die Millionen, die in diesen dunklen Tagen vor Krieg und Hunger flüchten.

Wenn Sie sich noch nicht erwachsen fühlen, tun Sie in den kommenden Tagen ein paar erwachsene Dinge. Was ziemlich sicher darauf hinauslaufen wird, dass Sie ein paar unerwachsene Dinge unterlassen werden.

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Publiziert am 17.03.2016 | Aktualisiert am 19.04.2016
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2 Kommentare
  • André  Werlen , via Facebook 18.03.2016
    Zu meinem mitgeteiltem: anstelle von Daumen runter würden mich Stellungnahmen, eigene Meinungen etc. wesentlich mehr interessieren.
  • André  Werlen , via Facebook 18.03.2016
    Teilweise gute und sinn-bringende Reflexion. Verzichten ist bei mir negativ besetzt und kommt dem gezüchtet werden ganz nahe. Mein innerer Bub möchte nicht verzichten und auch nicht gezüchtet werden. Von niemandem im aussen und zuallerletzt von mir. Lebendig mich fühlen, Freude, glücklich mich fühlen, all diese seins Zustände kommen durch die Kraft meines inneren Kindes. Der Kopf spielt dabei keine große Rolle, schon gar nicht die Ebene der Vernunft sondern als Navigator und Partner. Danke.