Städtrereise: 300-Jahr-Jubiläum Friedrich der Grosse Zum alten Fritz nach Berlin

BERLINGEN - Heute vor 300 Jahren, am 24. Januar 1712, wurde Friedrich der Grosse in Berlin geboren. Die Deutschen feiern den Preussenkönig als Lichtfigur der deutschenGeschichte. Nutzen Sie die Gelegenheit für eine tolle Städtreise nach Berlin.

  • Publiziert: 15.50 Uhr, Aktualisiert: 26.01.2012
  • Von Lilith Frey

Friedrich hatte das Pech, dass sein Vater der «Sonnenkönig», Friedrich Wilhelm I., war. Ein grober Geselle. Er pflegte die derbe Männerrunde des Tabakkollegiums und liebte seine Garde der «langen Kerls» mehr als seine Familie. Kultur, Philosophie, Frauen spielten keine Rolle in seinem Preussen.

Friedrich aber war musisch sehr begabt, wach, wissbegierig, selbstbewusst. So ein Subjekt konnte kein Erbe nach Wilhelms Geschmack sein. Prügel und Demütigungen veranlassten den Kronprinzen schliesslich zur Flucht. Sie missglückte. Freund und Fluchthelfer Katte wurde vor seinen Augen mit dem Schwert enthauptet.

Friedrich und die Frauen

Friedrich fügte sich scheinbar dem Vater, der Vater vergab scheinbar dem Sohn. 1733 verheiratete ihn der König mit Elisabeth von Braunschweig. 1740 starb Friedrich Wilhelm I.. Als Friedrich II. bestieg sein Sohn den Thron, ernannte seinen jüngeren Bruder August Wilhelm zum Thronerben und trennte den ehelichen Haushalt. Mit der Verbannung Elisabeths aus seinem Leben erledigte Friedrich II. das Thema Frauen ein für alle Mal.

Ein Mittagessen unter freiem Himmel auf einem Hügel von Potsdam löste in ihm den Wunsch aus, hier ein Schloss zu bauen. Er nannte es Sansscouci, ohne Sorgen.

132 Stufen mit Weinreben bepflanzt erhöhen den bezaubernden Rokokobau, heute Weltkulturerbe. Hier spielte Friedrich Flöte, parlierte mit dem französischen Philosophen Voltaire,
pflegte geistreiche Konversation in der Tafelrunde und verwöhnte seine Windhunde. Frauen waren ausgeschlossen.

Kriegsherr und Philosoph

Friedrich der Grosse, schon zu Lebzeiten so genannt, war Kriegsherr und als solcher machte er mit Waffen und Geld aus Preussen eine Grossmacht. Seine demonstrativ zur Schau gestellte Bescheidenheit «Ich bin der erste Diener meines Staates» war nicht frei von der Eitelkeit des Feudalherrn.

Als aufgeklärter Intellektueller verkörperte er einen «neuen Staatstyps, den des aufgeklärten Absolutismus». Er schaffte die Folter ab und die Garde der «langen Kerls», hob die Zensur auf, reanimierte die Akademie, kündigt den Bau einer Oper an, gewährte Religionsfreiheit, führte die Kartoffel ein, änderte aber nichts an der Fronpflicht der Bauern und der Leibeigenschaft.

Er war Philosoph aus Neigung. Schon der Jüngling unterschrieb Briefe mit «Frédérique le Pfilosophe». Er war ein hübscher junger Mann. Eingeprägt aber hat sich das Bild des alten misstrauischen Fritz in verknautschter Uniform.

Friedrich, ein Zwerg zum Anfassen

1763 gründete Friedrich II. die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin. Zur Feier des 300. Geburtstags bietet das Unternehmen jetzt kleine Friedrichs aus weissem Porzellan
an.

Friedrich der Grosse ein Zwerg zum Anfassen, das hätte dem Alten nicht gefallen. Er starb am 17. August 1786 einsam und von Gicht geplagt. Nach Umwegen ruht er nach der Wende seit 1991 in der von ihm selbst bestimmten Gruft neben seinen Hunden auf der Terrasse von Sanssouci.

Ein Weekend in Berlin: Günstig und schnell

Berlin wird bei Schweizern immer beliebter als Weekend-Destination. Mit gutem Grund: Kaum eine Stadt, die nur anderthalb Flugstunden von Zürich entfernt liegt, bietet soviel: Grandiose Ausstellungen (wie jetzt zu Friedrich dem Grossen), ein vielfältiges Nachtleben, erlebte Geschichte bei Stadtrundgängen zu Fuss, per Boot oder Velo, etc.

Air Berlin und Swiss/Lufthansa fliegen täglich mehrmals; für die 200 Franken gibts schon je nach Buchung Retourtickets. Grosse Auswahl an Hotels in allen Preiskategorien in verschiedenen Stadtteilen.

Alles zum Friedrich-Jubiläum

Anlässlich des 300. Geburtstag von Friedrich II. am 24. Januar 1712 finden in Berlin und Umgebung zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen statt.
– Auftakt am 24. Januar 2012 Abendveranstaltung in der Philharmonie.
– restaurierte Skulptur Friedrich des Grossen im Bodemuseum seit 1. Dez. 2011.
– Deutsches Historisches Museum: «Friedrich der Grosse – verehrt, verklärt, verdammt»; 21. März bis 29. Juli.
– 14. April Klassik-Konzert in Französischer Friedrichstadtkirche mit
Werken von Friedrich II., ebenfalls Mozart und Telemann.
– In Potsdam: «Friederisiko» Ausstellung 28. April bis 28. Oktober 2012 im Neuen Palais,
sowie ausgewählten Orten in Park Sanssouci.

Mehr Infos zu Ausstellungen in Berlin, Tickets, etc finden Sie auf http://www.berlin.de/kultur-und-tickets/.

Friedrich-Biographien

Wer Lust auf mehr bekommt, hat zahlreiche neue Friedrich-Biographien zur Auswahl. Zum Beispiel:

  • Tillmann Bendikowski: «Friedrich der Große»; eine unterhaltsame historische Geschichte. C. Bertelsmann, 336 Seiten.
  • Jürgen Luh: «Der Grosse. Friedrich II. von Preussen». Sehr kritische Beschreibung des Herrschers. Siedler-Verlag, 288 Seiten.
  • Tom Goeller: «Der alte Fritz. Mensch. Monarch. Mythos» Detailierte Beschreibung von Friedrichs Familienleben. Hoffmann und Campe, 352 Seiten.
play Friedrich der Grosse, verewigt im Gemälde «Der alte Fritz». (Pro Litteris)

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