Extrem-Kiter Geza Scholtz «Wir sind nicht lebensmüde»

ANCHORAGE - Leichtsinn oder blosser Abenteuerspass? Der Schweizer Extremsportler Geza Scholtz will zusammen mit einem Kollegen die Beringstrasse auf dem Kiteboard überqueren. Das hat vorher noch nie jemand gewagt.

  • Publiziert: 02.08.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Cilgia Grass
play Geza Scholtz hat nicht nur einen grossen Schirm, sondern auch grosse Pläne. (ZVG)

Er ist von Beruf Zahnarzt. Aber Geza Scholtz hat null und nichts mit dem Schreckgespenst vieler Kinder und Erwachsenen gemeinsam. Im Gegenteil: Der 28-jährige Zürcher wirkt total locker und sympathisch und ganz und gar nicht Angst einflössend. Das ist höchstens sein Projekt. Geza will versuchen, zusammen mit seinem US-Kollegen Troy Henkels (43) die Beringstrasse auf dem Kiteboard zu überqueren. Also die Meerenge zwischen Alaska und Sibirien.

Was das im besten Fall bedeuten kann? Dass die beiden die rund 90 Kilometer in sechs bis sieben Stunden schaffen, unterwegs noch ein paar Wale sehen und am Schluss als Helden gefeiert werden. Was das im schlimmsten Fall bedeuten kann? 5 Meter hohe Wellen, 5 Grad kaltes Wasser und ein Wind, der einem das Fleisch von den Knochen fegt. Brandgefährlich, wenn man – wie die Kiter – mit einem Schirm unterwegs ist. Doch Geza, der vom Fallschirmspringen bis zum Bungeejumping schon alles ausprobiert hat und seit 15 Jahren kitet, ist gewappnet: «Wenn es gefährlich wird, müssen wir uns von den Schirmen lösen und versuchen, an Bord des Sicherheitsboots zu gelangen, das uns begleitet.»

Das Schlauchboot hat Geza im Vorfeld für 15‘000 Dollar beschafft. Gesteuert wird es von seinem Vater Andor (72). «Er hat in seinen jüngeren Jahren selber verrückte Sachen gemacht hat», so Geza. Zum Beispiel beteiligte sich Scholtz Senior in den späten 70er-Jahren an einer Flussfahrten-Expedition in Afrika und drang dabei in Gebiete vor, die noch nie ein Weisser durchfahren hatte. Ein lebensgefährliches Abenteuer: «Ein Kameramann wurde von Eingeborenen erschossen.»

Und Geza? Hat er keine Angst um sein Leben? «Ich habe keine Angst, aber grossen Respekt. Das Wetter kann sehr schnell umschlagen. Und wenn es Wind hat, was beim Kiten ideal ist, dann ist meist das Wetter schlecht», sagt der Kiter. Und meint weiter: «In einem gewissen Sinne gefährde ich mein Leben. Aber das ist Teil des Deals. Wenn man den Mount Everest besteigt, kann es auch sein, dass etwas passiert. Wir sind aber nicht lebensmüde.»

Und wieso macht er das Ganze überhaupt? «Neben dem Rekordversuch geht es mir vor allem auch darum, Kiteboarden in einem neuen Licht zu zeigen. Ich will die Entwicklung dieses jungen Sportes mitgestalten – mit ‹Expeditional Kiteboarding›.»

Letzte Woche ist Geza Scholtz vom Flughafen Zürich nach Anchorage, Alaska, abgeflogen. Dort hat er seinen Mitstreiter Troy Henkels, übrigens ehemaliger Teilnehmer der US-TV-Show «Global Extremes» getroffen. Geza hat ihn per E-Mail für seine Bering-Idee gewinnen können.

Inzwischen ist die Truppe unterwegs nach Nome. Von dort aus gehts weiter nach Teller. Spätestens am 7. August wollen Geza und Co. in Wales sein. Dort soll das grosse Abenteuer starten – aber erst, wenn die Windgeschwindigkeit zwischen 12 und 16 Knoten liegt und das Meer relativ ruhig ist. Die beiden haben sich ein Zeitfenster von drei Wochen gegeben, in denen die Überquerung erfolgen soll. Wir drücken die Daumen!

Auf Blick.ch können Sie die Fortschritte von Gezas Abenteuer mitverfolgen. Wir berichten regelmässig und präsentieren exklusive Fotos und Videos der ungewöhnlichen Expedition.

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