Selbst für Paris-Liebhaber lohnt es sich, der Hauptstadt für einmal untreu zu werden.
Klar, der Eiffelturm fehlt. Man trifft auch nicht Charlotte Gainsbourg beim Kaffeetrinken. Und die ganze Stadt strahlt nicht dieses Pariser Selbstbewusstsein aus. Das bleibt den Hauptstädten vorbehalten. Doch Bordeaux bietet alles, was man an Frankreich liebt. Und das mit viel Charme und auf so kleinem Platz, dass man alles zu Fuss erkunden kann und nie in ein Taxi steigen muss (was in Paris bekannterweise eine sehr nervtötende Angelegenheit ist).
Starten: Natürlich beginnt der Tag auch in Bordeaux am besten mit einem Café au lait, einem Croissant oder einer Tartine (getoastetes Baguette) in einem der zahlreichen Strassencafés der Universitätsstadt. Dazu gibt es eine regionale Spezialität: Canelés. Das winzige Gebäck hat eine Karamell-Kruste und einen fast flüssigen Kern. Sehr süss, sehr französisch. Wenn dann noch eine leichte Brise des nur 45 Kilometer entfernten Atlantiks die Frisur zerzaust, fühlt man sich schon ein bisschen wie Sophie Marceau.
Stöbern: Ein Lurex-Turban aus den Seventies, bestickte Baumwollnachthemden aus den 30ern, Porzellan-Tasse im schönsten Fifties-Gelb: Im Mai und im November wird in Bordeaux Geschichtsunterricht betrieben. Auf dem «Place des Quinconces» findet dann während zweier Wochen eine der grössten Brocante des Landes statt. Und an den Ständen der Händler lässt sich wunderbar in der Vergangenheit stöbern. Denn im Gegensatz zu den Flohmärkten hierzulande werden an einer Brocante vor allem Antiquitäten verkauft. Viel Ramsch ist dennoch dabei.
Staunen: Weltweit gibt es drei Opernhäuser, die in barockem Hellblau und nicht in Rot ausgestattet sind: Wien, Prag und Bordeaux. Nur schon deshalb lohnt sich ein Rundgang im «Grand Théâtre». Im obersten Stock des neoklassizistischen Gebäudes können ausserdem die opulenten Kostüme grosser Opern und Balletts bestaunt werden.
Schlemmen: In die berühmteste Weinregion der Welt zu reisen, ohne dem Bordeaux genügend Aufmerksamkeit zu schenken, wäre eine Sünde. Alle Restaurants bieten den Rotwein auch im Offenausschank an. Und der ist bestens geeignet, um darin ein schlechtes Gewissen zu ertränken. Die andere grosse Spezialität der Region ist nämlich «Foie Gras».
Hinkommen
Ohne Halt
Easy Jet bietet günstige Direktflüge nach Bordeaux ab Basel-Mulhouse an.
www.easyjet.com.com
Schlafen
Fairer Deal
Hübsch, sauber, zentral: im sympathischen Hotel «Une Chambre en Ville» gibt es DZ ab 140 Franken.
www.bandb-bx.com
Essen & Trinken
Sehr französisch
In der Altstadt an der Ecke der Rue du Pas-Saint Georges 31 liegt das «Le Michel’s» mit toller, unkomplizierter Bistrot-Küche zu günstigen Preisen. Ebenfalls klassisch französische Küche in eleganter Umgebung die «Brasserie L’Orléans» – eine der ältesten Brasserien Bordeaux’. Wer nach einem Rundgang in der Oper einen Tee oder Kaffee trinken möchte, kann das gleich vis-à-vis am Place de la Comédie in der wunderschönen Orangerie des «Grand Hotels».
www.brasserie-lorleans.fr
www.ghbordeaux.com
Einkaufen
Chic & individuell
An der Rue Voltaire findet man Filialen populärer Vertreter französischer Mode wie Maje, Sandro, La petite Française, Repetto etc. Im alten Teil der Stadt gibt es winzige Boutiquen wie Tsim Tsum. Jedes Stück in dem Laden am Place Fernand Lafargue ist ein Unikat, von der Ladenbesitzerin selbst genäht. «La Droguerie» am Place Puy-Paulin lässt das Herz aller Handarbeitsköniginnen höher schlagen. In der Mercerie gibts vom neon-farbenen Schrägband bis zu coolen Strickanleitungen alles zu kaufen.
www.tsimtsum.fr
www.ladroguerie.com