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Jersey hat erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit der Schweiz: klein (116 km2), nicht Mitglied der EU und vom Agrarstaat zum Finanzplatz mutiert.
Doch Jersey ist im Vergleich zur Schweiz eine wahre Insel, die der Schriftsteller Victor Hugo einst als «Stücke von Frankreich, die ins Meer fielen und von den Engländern aufgelesen wurden» bezeichnet hat.
Die Motoren sind verstummt, und wir steigen aus dem Propellerflugzeug. Kaum die Koffer in der Hand, befinden wir uns schon im Kleinbus. Und eh wir uns versehen, sitzen wir in kleinen Wägelchen am Strand: Trockensurfen. Segel 90° zum Wind stellen – und los. Es nennt sich Blo-Kart-Fahren und macht so viel Spass, dass wir den Regen kaum wahrnehmen. Die Queen wäre not amused, wenn wir danach so zerzaust zum High Tea erscheinen würden, aber die reizende Belegschaft des Atlantic Hotel serviert uns ohne mit der Wimper zu zucken Sandwiches und typisch britische Scones.
Der Wind beflügelt am nächsten Tag auch die Reiseleiterin. Sie fährt uns kreuz und quer über die Insel. Jersey erscheint immer grösser: im morgendlichen Dunst der Leuchtturm La Corbière, die Fisherman’s Chapel von St Brelade mit ihren mittelalterlichen Fresken – und im Hafen von St Helier offeriert die sympathische Fischersfrau frische Krabben.
Dann taucht vor uns ein Hügel auf: oben eine Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, unter der sich eines der ältesten Ganggräber Europas befindet, La Hougue Bie. So viel Geschichte auf so wenig Raum – und Grün, so weit das Auge reicht. Aber dieses Grün darf nicht frei wuchern. Traditionellerweise vermessen im September ein paar Männer sorgfältig die Höhe und den Abstand von Zweigen über den Strassen. Und wehe, die Vorschrift wird nicht eingehalten, dann gibts eine Busse.
Nach einem Abstecher zum Schloss Mont Orgueil, das lange als Verteidigungspunkt diente, braucht die Seele etwas Musse. Zum Schutz ruhiger Landsträsschen und Feldwege ist die Geschwindigkeit auf den «Green Lanes» auf 24 Kilometer pro Stunde limitiert, da könnte es mit dem Velo bei diesem Wind schnell einmal heikel werden. Wir gehen lieber an der St Quen’s Bay spazieren, während über uns am Himmel ein paar Paraglider lautlos ihre Kreise ziehen – Idylle pur. Und zum Schluss noch mehr Geschichte: Zum Glück hat Victor Hugo Napoleon III. «den Kleinen» genannt. Sonst wäre er «zur Strafe» nicht auf diese schöne Insel verbannt worden.