Drei-Seen-Wanderung im Appenzellerland Hier ist für Abkühlung gesorgt

Wanderschuhe anziehen, Badehose einpacken. Denn die Drei-Seen-Tour im Alpstein im Appenzellerland bietet (kühlen) Badespass und Bergfreuden in einem.

Der erste «choschtlig Edelstee», der am Wegesrand liegt: der Seealpsee. play

Der erste «choschtlig Edelstee», der am Wegesrand liegt: der Seealpsee.

Christof Sonderegger/prismaonline.ch

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Eigentlich hat der altbekannte Sommer-Slogan «Pack die Badehose ein!» ausgedient. Stattdessen heisst es «Schnür die Wanderstiefel!»

Wandern hat sich in der Schweiz zur beliebtesten Freizeitaktivität gemausert. Laut einer Studie des Dachverbandes «Schweizer Wanderwege» gehen 44 Prozent der Schweizer regelmässig wandern. Vorbei sind allerdings die Zeiten, da Wandern ein Rentner-Sport war – nun zieht es auch die Jungen in die Berge. Jede dritte Schweizerin unter 29 Jahren ist regelmässig auf Schusters Rappen unterwegs, bei den Jungs ist es etwa jeder Fünfte. Gesundheitsaspekte sind dabei ebenso wichtig wie die Freunde an der Schönheit der Schweizer Bergwelt.

Auch wir haben die Wanderstiefel aus dem Keller geholt und erkunden ein unbekanntes Wandergebiet: den Alpstein in der Ostschweiz. Der Alpstein mit seinem Hausberg, dem 2502 Meter hohen Säntis, gilt ausserhalb der Region nicht als Top-Wandergebiet. Dabei bietet das Voralpengebirge vielen schöne Strecken aller Klassen, von leichten Genuss-Spaziergängen bis zu alpinen Klettertouren. All das in einem überschaubaren Gebiet, das leicht mit Bus und Bahn erreicht werden kann. Allein im Appenzellerland, in dem unsere Tour liegt, gibt es 1200 Kilometer Wanderwege.

Seealpsee & Meglisalp

Aus dem grossen Strecken-Angebot wählen wir die Drei-Seen-Tour, die von allem etwas zu bieten hat: Weitsichten, typisches Älplerleben und sogar einen Hauch alpiner Höhenluft. Und natürlich dürfen weisse Geissen, Kuhglocken-Konzerte und knorrige Sennen nicht fehlen. Bilderbuch-Highlight der Wanderung sind die drei namengebenden Bergseen, die der Appenzeller Volksmund «choschtlig Edelstee» nennt, kostbare Edelsteine.

Das erste jadegrüne Juwel nach dem Start im Weiler Wasserauen (868 Meter) ist der Seealpsee - einer der schönsten Bergseen der Schweiz und ein beliebter Naherholungsort für die Ostschweizer. Manchen kommt das Panorama am Ende des Tals mit Säntis und der schrägen Agateplatte bekannt vor: Eine Appenzeller Malerei dieser Szenerie ziert das «Quöllfrisch»-Bier der lokalen Brauerei Locher.

 

War die erste Stunde bergauf von Wasserauen ein Spaziergang zum Warmwerden, rächt sich auf dem weiteren Weg allfällige Faulheit: Der Aufstieg zum Sennedörfchen Meglisalp (1517 Meter) fordert Kondition und Schwindelfreiheit. Ein steiler Weg windet sich entlang der senkrechten Bergwand (rot-weisse-rote Markierung, ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert) und bietet schöne Aussichten auf Seealpsee und Appenzellerland. Überraschenderweise öffnet sich der schmale Pfad zu einem flachen Hochtal, in der sich ein kleines Dorf versteckt, inklusive Gasthaus, Kirche und grasender Kühe.

Kühe hier oben? Haben die sich auch diesen schmalen Pfad hochgequält? «Sind die Kühe auch auf diesem Weg hochgekommen?», fragen wir einen Senn, der vor seiner Käserei herumwerkelt. «Nein, über den Schrennenweg», murmelt er mit seinem Stumpen im Mund und fuchtelt mit seiner Hand in die Ferne. Und bevor wir unseren journalistischen Fragekatalog auspacken können, ist er wieder verschwunden. Wahrscheinlich hat er schon lange nicht mehr so eine dämliche Frage gehört.

Sämtisersee & Fälensee

Eine weitere Stunde geht es noch bergauf (Stärkung im Berggasthaus Meglisalp nicht vergessen!)  bis zum Bötzelsattel, mit 1865 Metern der höchste Punkt der Tour. Dank Geröllfelder, Schneeresten und zackigen Gipfeln fühlen wir uns hier wie im Hochgebirge. Passenderweise trottet just eine Herde Gämsen durchs Bild.

Ein letzter Sattel ist zu erklimmen, bevor es die 1000 Höhenmeter, die uns in den Beinen stecken, wieder abwärts geht. Der Blick weitet sich auf den fernen Sämtisersee, den Hohen Kasten und die drei Felszacken der «Dreifaltigkeit». Die Hälfte der 18 Kilometer langen Wanderung ist nun geschafft. Immerhin.

Hinter ihm liegt das Ziel: Sämtisersee unter dem Hohen Kasten. play

Hinter ihm liegt das Ziel: Sämtisersee unter dem Hohen Kasten.

Christof Sonderegger/prismaonline.ch

 

Zwei Stopps liegen noch auf unserem Weg: Die herzige Widderalp, auf deren Terrasse man herrlich entspannen und die vorwitzigen Schweine in ihrem Stall beobachten kann, und das Berggasthaus Bollenwees am Fälensee. Wer die Drei-Seen-Wanderung auf zwei Tage aufteilen möchte, sollte hier das Nachtlager aufschlagen. Das Setting des Fälensees zwischen steilen Berghängen ist spektakulär. Und wenn die Tagesgäste gegangen sind, legt sich eine majestätische Ruhe über die Bergwelt. Schweiz, wie sie schöner kaum sein kann.

Nach neun Stunden hundemüde am Ziel in Brülisau

Nach neun Stunden (mit Pausen) erreichen wir hundemüde, aber glücklich unseren Zielort Brülisau (922 Meter). Ja, Wandern ist wirklich eine der schönsten Sommeraktivitäten!  Doch die Badehose gehört bei der Drei-Seen-Wanderung auch unbedingt in den Rucksack.

Gut zu wissen

Anforderungen

18 Kilometer, Aufstieg und Abstieg je 1000 Höhenmeter. Die Wanderzeit beträgt zwischen 6 und 7 Stunden, eine gute Kondition ist Voraussetzung. Manche Wegstrecken sind ausgesetzt, diese erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ansonsten stellt der Weg keine grösseren Anforderungen dar.

Beschilderung

Die Tour ist nicht als «Drei-Seen-Wanderung» ausgeschildert. Folgen Sie den Wegweisern: Seealpsee-Meglisalp-Bollenwees-Brülisau.

Anfahrt

Die beschriebene Route startet in Wasserauen und endet in Brülisau (auch umgekehrt machbar). Beide Orte sind mit Bahn und Bus erreichbar. Auf Abfahrtzeiten in Brülisau achten!

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten

Am Seealpsee gibt es die Gasthäuser «Forelle» und «Seealpsee»; auf der Meglisalp gibt es ein Berggasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit. Auf der Widderalp kann man im Matratzenlager übernachten. Empfehlenswert für eine Übernachtung ist das Berggasthaus Bollenwees. www.gasthausforelle.ch / www.seealpsee.ch / www.meglisalp.ch / www.bollenwees.ch

Informationen

www.appenzell.ch

 

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Publiziert am 15.08.2016 | Aktualisiert um 15:04 Uhr
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