Eisklettern in Pontresina GR Wo gefrorene Wasserfälle locken

Die Pontresiner Schlucht ist bei Eiskletterern beliebt. Unter fachkundiger Anweisung von Profis können auch Einsteiger die gefrorenen Wasserfälle hochkraxeln und so die Faszination des gefährlichen Alpinsports hautnah erleben.

Eisklettern in der Schweiz: Die besten Hotspots der Eiskletterei play

Sport in eisiger Schönheit: In Pontresina GR können Anfänger das Eisklettern üben.

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Weit unter mir plätschert der Bernina-Bach zwischen den Felswänden hindurch. Ansonsten bewegt sich nichts in der Pontresiner Schlucht. Die Wasserfälle, die sich hier im Sommer über die Felswände nach unten stürzen, sind zu skurrilen Eisfällen gefroren. In einem von ihnen hänge ich: mit klauenartigen Steigeisen und scharf gezackten Eispickeln. Ich mache meine ersten Versuche als Eiskletterer.

Viele Angebote für Einsteiger

Eisklettern fristet als junge Extremdisziplin ein Randsport-Dasein in schattigen Alpentälern. Das könnte sich aber ändern. Denn Angebote für Einsteiger spriessen allerorts wie Eiskristalle an winterlichen Fenstern. Kaum eine Schweizer Region, die nicht den eisigen Sport als Touristenattraktion entdeckt hat. Von Adelboden bis Schänis, von Interlaken bis Saas Fee, von Engelberg bis ins Urnerland: Überall begleiten Bergführer urbane Adrenalinjunkies und experimentierfreudige Gipfelstürmer zu Schnupperzwecken ins vertikale Eis (siehe unsere Liste). Dennoch: Zum Massensport eignet sich das Klettern im Eis nicht.

«Wir klettern im Schatten, in der Kälte, müssen aufpassen, dass uns ‹kei Züüg ufd Büchs› fällt. Da kommen nur Hartgesottene auf den Geschmack», sagt Marcel Schenk von der Bergsteigerschule in Pontresina. Aber für Wintersportfans, die eine herausfordernde Alternative zu Snowboard und Co. suchen, ist das Eisklettern perfekt: Ohne grosse Vorkenntnisse fühlt man sich wie Extremsportler und lotet nebenbei seine eigenen Grenzen aus.

Einer der Hotspots der Eiskletterei ist Pontresina im Engadin. «Eisklettern, das ist wie Turnen an gefrorenen Kunstwerken», schwärmt Bergführer und Eiskletter-Enthusiast Marcel Schenk. Die fantastischen Ausblicke von den eisigen Wänden und das schneeweisse Lächeln des Bündner Kletterprofis täuschen zwar leicht darüber hinweg. Doch Eisklettern ist trotz modernster technischer Hilfsgeräte ein gefährlicher Sport. Daraus macht Marcel Schenk keinen Hehl. «Wir klettern an gefrorenen Wasserfällen. Da ist es extrem wichtig, dass man zuvor die Bedingungen genau kontrolliert und kein unnötiges Risiko eingeht.» 

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Gut gesichert: Unter dem wachsamen Auge eines Bergführers gehts ins Eis.

 

An diesem Februarabend in der Pontresiner Schlucht sind die Bedingungen allerdings ideal. Ich haue die beiden Pickel über meinem Kopf ins Eis, hacke die aufgeschnallten Metallklauen meiner Bergschuhe in die Wand und ziehe mich hoch. Wieder einen halben Meter höher, wieder einen kleinen Kraftakt näher am Ziel. Marcel Schenk sichert mich mit einem Seil vom Schluchtboden aus. Falls ich ausrutsche, hält er mich sofort fest. Passieren kann kaum etwas. Dennoch zittern mir die Knie, als ich über die Schultern nach unten schaue. Das Unheimliche: Die einzige Verbindung zwischen mir und dem Eisfall sind ein paar Metallkrallen an meinen Schuhen und die vordersten Zentimeter meiner Eispickel.

Ziel: Eisklettern ab 2022 olympisch

Eiskletterer sind die Cyborgs des Alpinsports – Mischwesen aus Maschine und Mensch, hochgerüstete Sportler, bis auf die Zehen bestückt mit technischen Hilfsgeräten. Ohne ihre metallenen Mitbringsel hätten sie keine Chance, sich auch nur eine Sekunde an der Wand zu halten. Das ist faszinierend – und unheimlich. Ursprünglich war das Eisklettern nur eine Trainingsdisziplin für Bergsteiger, die Kletterprojekte an schattigen Nordwänden ins Auge fassten. Erst seit rund 20 Jahren behauptet sich die Disziplin als eigenständige Sportart. Es gibt offizielle Weltmeisterschaften, Wettkämpfe an Kunsteiswänden und 2022 soll das Eisklettern – wenn es nach dem Willen der Kletterszene geht – gar olympisch werden.

Mich hat der eisige Sport gepackt, als ich mich gut 30 Meter über dem Abgrund vorsichtig durch das wunderschöne Eisgewirr dem Ziel entgegenhacke. Als ich zuoberst am gefrorenen Wasserfall ankomme und die Pickel zum letzten Mal ins Eis schlage, sind die brennenden Unterarme und die schmerzenden Zehen vergessen. Voller Adrenalin jauchze ich in die Schlucht und bin mit all den Szene-Bloggern einig: Eisklettern ist die coolste Wassersportart der Welt!

Gut zu wissen

Die Bergsteigerschule Pontresina bietet von Dezember bis Ende März jeden Montag, Donnerstag und Samstag Eiskletter-Schnupperkurse mit Profikletterern an. Gruppengrösse: 3 bis 6 Personen. In den Kurskosten von 90 Franken ist die Materialmiete (Helm, Stirnlampe, Klettergurt, Steigeisen, Pickel) bereits enthalten. Mitbringen: Winterkleider (Skianzug, Kappe und Handschuhe), Neugier, Schwindelfreiheit und ein bisschen Grundfitness. Klettererfahrung ist nicht nötig. Informationen und Anmeldung:   www.bergsteiger-pontresina.ch

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Publiziert am 03.03.2016 | Aktualisiert um 17:06 Uhr
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