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Wir tragen Schwimmwesten. Die Sirenen heulen auf. Uns wird erklärt, wie wir am besten von Deck springen sollten. Am liebsten würde ich gleich wieder ausschiffen. Gut, dass ich es nicht mache, obwohl die Notfall-Demonstration auf einem Kreuzfahrt-Schiff eindeutig beeindruckender ist als die an Bord eines Flugzeugs. Dieser Kreuzer jedoch ist nicht irgendein Kreuzer, sondern die Queen Mary 2. Hier schifft man nicht einfach aus.
Mit 345 Metern ist sie das zweitlängste Passagierschiff der Welt, länger als vier hintereinandergestellte Jumbo-Jets. Im englischen Southampton hat sie ihr eigenes «Ocean Terminal». Man checkt ein wie am Flughafen; Fliessbänder befördern das Gepäck in den Schiffsrumpf.
In sieben Tagen überquert der Ocean Liner der britischen Reederei
Cunard – berühmt auch für ihre Schiffe Queen Victoria und Queen Elizabeth – den Atlantik. Fast 2600 Passagiere und 1250 Crew-Mitglieder erleben, vorbeigleitend an der Freiheitsstatue, am Ende der Reise eine Bilderbuch-Ankunft im Hafen New Yorks.
Amerika gabs für mich zwar nicht, doch ein kurzer See-Abstecher war mir gegönnt.
Zwei Tage und eine Nacht an Bord reichten jedoch nicht annähernd aus, um die Weiten des Kreuzers zu erkunden.
Endlose Gänge verbinden die zwölf Decks. Um am Abend in High Heels vom Club «G32» zurück in die Kabine zu gelangen, reicht eine halbe Stunde nicht. Die unbequemen Schuhe zieh ich kurzerhand ab. Auf weichen Teppichen schlendere ich vorbei an edlem Interieur, imposanten Kronenleuchtern, Treppenaufgängen und Wandmalereien. So kann ich diesem Prunk auch mehr Beachtung schenken.
Tagsüber halten mich nicht nur die Distanzen auf Trab. Vierzehn Bars und Lounges, neun Restaurants, fünf Pools, ein Casino, Spa, Theater, eine Kids- und eine Haustier-Zone locken die Besucher.
Spielte ich Schiffe-Quartett, würde das fast eine Milliarde Franken teure Schiff der Superlative alle anderen ausstechen. Seine Trümpfe sind: die am meisten Bücher umfassende Bibliothek, die längste Jogging-Bahn, der grösste Ballsaal und Weinkeller sowie das einzige Planetarium auf See.
Bei diesem Überangebot ist das Dolcefarniente für die Passagiere fast unmöglich. Während einer Atlantiküberquerung bleibt wenigstens genügend Zeit zu entspannen. Für Blicke über den Atlantik und für Fahrtwind in den Haaren.