Dank Hase, Spargel und Ei Ostern ist das Fest der Triebe

  • Publiziert: 09.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Christoph Hotz und Thomas Ley

Wenn es uns an Ostern überkommt, können wir gar nicht anders. Das zeigt ein Blick in die Natur – und in die Kultur.

Früher herrschte schweizweites Tanzverbot an Ostern. Heute immerhin noch in einzelnen Kantonen. Doch in Wahrheit hatten die braven Christenmenschen wohl schon immer anderes im Sinn.

Denn an Ostern treiben uns derart viele Aphrodisiaka und Wetterphänomene an, dass die braven Kirchenväter lieber etwas anderes verboten hätten als das Tanzen.

Nicht nur, weil manche Forscher das Wort «Ostern» von der germanischen Ostara oder Astarte ableiten, der Fruchtbarkeitsgöttin, deren Fest in vorchristlicher Zeit im Frühjahr gefeiert wurde.

Doch das Wappentier der verborgenen erotischen Macht von Ostern ist immer noch aktuell: Es ist kein Geringerer als der Osterhase.

Er galt seit jeher als Symbol für Fruchtbarkeit. Die Kopulationsfreudigkeit des «Rammlers» ist schliesslich sprichwörtlich. Ausserdem: «Das ganze Tier samt seinen Ausscheidungen, insbesondere aber Hasenhoden, gelten als Liebesmittel», steht im «Lexikon der Liebesmittel» des Ethnopharmakologen Christian Rätsch und der Ethnologin Claudia Müller-Ebeling.

Manche Leute essen aber an Ostern keine Hasen, sondern «Gitzi», Zicklein. Und was ist die Ziege? Genau, ein Sexualsymbol. Aus ihrem Fleisch und dem Schmalz werden Liebesmittel hergestellt. Sagt das Lexikon von Rätsch und Müller.

Ostern, das Fest der Liebesmittel: Denn Hasen werden tatsächlich massenhaft gegessen – aus Schokolade. Und was ist Kakao? Ein Aphrodisiakum erster Güte. Und noch lange nicht das einzige.

Im Wald treibt der Bärlauch, in den Gärten spriesst der Spargel. Beides weitere zwei Liebesmittel.

Und dann erst das Ei. Weltweit ein Sinnbild für werdendes Leben und weibliche Fruchtbarkeit. Rätsch und Müller sind deutlich: Der österliche Brauch des Ausblasens von Eiern habe schliesslich ebenfalls eine «sexuelle Doppelbedeutung».

Eier enthalten zudem die Aminosäuren Arginin und Ornithin, welche die Potenz fördern. Prompt kommen diese Verbindungen auch im Fisch vor. Die Aufregung beginnt also schon am Karfreitag.

Ostern, das wahre Fest der Liebe. Und das Fest der ersten lauen und hellen Nächte. Denn gemäss christlichem Kalender wird das Osterfest am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Es muss also nicht im Dunkeln gemunkelt werden.

Da haben wir’s: Mythologische Vergangenheit, traditionelles Essen, die Kraft des Frühlings – an Ostern kommen so viele Kräfte zusammen, dass auch die Frommsten schwach werden.

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