Kommen Sie mal längs – in Hamburg

Wer bei Hamburg an Seefahrerromantik denkt, träumt von alten Zeiten, denn die Stadt ist im Wandel begriffen – mehr denn je. Dennoch hat sie nichts von ihrem weltmännischen Charme eingebüsst und ist überschaubar geblieben. Genau das schätzt auch der Wahl-Hamburger und Sänger Roger Cicero.

  • Publiziert: 07.07.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Inge Jucker (Text) & Michael Wildi (Fotos)

Während im ersten fertigen Teil der neuen HafenCity der Tag nur langsam in die Gänge kommt, herrscht bei den Landungsbrücken schon reges Treiben. Besucher flanieren, Einheimische gehen zur Arbeit und die Luft ist berauschend erfüllt vom Tuckern der Barkassen, die an- und ablegen, vom metallisch klingenden Geräuschteppich, der vom Industriehafen herüberweht und von Rundfahrtenanbietern, die in breitestem Hamburgerisch ins Gewusel krakeelen. Ständig meine ich, die Luft müsse nach Meer riechen. Aber das liegt über 100 Kilometer entfernt.

Auch Seemannsgarn wird höchstens noch zur Freude der Touristen auf den Rundfahrtschiffen gesponnen. Dennoch ist das Gebiet vom legendären Fischmarkt bis zur Speicherstadt der vielleicht clichéhafteste Teil und ganz sicher das Herz von Hamburg.

Diese Reise ermöglichten: Deutsche Zentrale für Tourismus, Hamburg-Tourismus, Air Berlin und das Mövenpick Hotel Wasserturm.

Reise-Infos

ANREISE
Air Berlin (www.airberlin.com) bietet ab Zürich tägl. bis zu 3 Direktflüge sowie 2 Flüge via Düsseldorf an. Zudem fliegen Swiss und United ab Zürich, EasyJet ab Basel. Per Bahn samt Auto geht es mit CityNightLine ab Lörrach nach Hamburg. Spezialtarife nutzen! (www.dbautozug.ch)

BESTE REISEZEIT
Hamburg ist eine Ganzjahresdestination.

UNTERKUNFT
Mövenpick Hotel Wasserturm
Sternschanze
Tel. +49/40/280 577 692
www.moevenpick.com
Edles, komfortables, gut gelegenes Hotel im historischen Wsserturm. U-Bahn fast vor der Haustüre (ca. 144 Euro/215
Franken pro Pers. im DZ, o. F.)

RESTAURANTS/BARS
Feuerschiff
City Sporthafen
Tel. +49/40/362 553,
www.das-feuerschiff.de

Unter den Linden
Juliusstr. 16
www.cafe-unter-den-linden.net

Restaurant Mövenpick Wsserturm
www.moevenpick.com

Au Quai La Nuit
Grosse Elbstrasse 145d

Kaiserperle
Hochallee 120 (am Kaiserkai)

Tide Treibholz & Feinkost
Rothestrasse 53
Tel. +49/40/41 111 499
www.tide.dk;

Bar 20up
Im Empire Riverside
Hotel
Bernhard-Nocht-Str. 97
Tel. +49/40/31 11 90
www.empire-riverside.de

Gopalam
Grindelallee 159

Elbgold Café
Mühlenkamp 6a
www.elbgoldkaffee.de

Le Marrakech
Kellerbleek 10
Tel. +49 40 571 453 01

SHOPPING
Anna Fuchs
Karolinenstr. 27,
www.annafuchs.de

Kaufrausch
Isestr. 74
www.kaufrausch-hamburg.de

St.-Pauli-Fischmarkt
(sonntags, 5–9.30 Uhr, imWinter ab 7 Uhr).

WEITERE ADRESSEN
HafenCity InfoCenter
Kesselhaus
Am Sandtorkai 30,
www.hafencity.com

Elbphilharmonie
www.elbphilharmonie.de;

Bobby Reich
Fernsicht 2
Tel. +49/40/48 78 24
www.bobbyreich.de

Neues Metropol Musicaltheater
Tel. +49/1805/11 41 13
Zur Show «König der Löwen» gehts mit dem Schiff ab den Landungsbrücken!

MiniaturWunderland
Kehrwieder 2
Tel. +49 40 360 911 57,
www.miniatur-wunderland.de

Tierpark Hagenbeck
Tel. +49/40/ 53 00 33-0,
www.hagenbeck-tierpark.de

Internationales Maritimes Museum
Hamburg
Montags geschlossen
Kaispeicher B
Koreastrasse 1
www.internationales-maritimesmuseum.
de

INFOS
Deutsche Zentrale für Tourismus
Zürich: Tel. 044 213 22 00,
www.deutschland-tourismus.de

Hamburg Tourismus
www.hamburg-tourism.de

VISIONEN AM WASSER

Norderelbe-aufwärts ragen die Krane der prestigeträchtigsten Baustellen der Stadt in den Himmel: die Elbphilharmonie und die HafenCity. Letztere wird dereinst Hamburg um 40 Prozent vergrössern! Erste Eindrücke von der neuen Stadt am Hafen bekommt man bereits heute: am Kaiserkai reihen sich moderne Bauten aneinander – im Erdgeschoss Restaurants und Läden, darüber Appartements, in denen die Bewohner eine Hafensicht sondergleichen geniessen. Doch die hat natürlich ihren Preis: HafenCity ist das teuerste Pflaster der ganzen Stadt. Die mit Sonnenschirmen, Liegen und Pflanzen eingerichteten Balkone beweisen jedoch, dass sich so mancher Hamburger das exklusive «Wohnen am Wasser» leisten kann. Derzeit steht erst knapp die Hälfte des Jahrhundertbauwerks, und erst wenn in etwa 16 Jahren die Baukrane verschwunden sind, wird die endgültige Atmosphäre zu spüren sein, werden 40000 Menschen in der HafenCity arbeiten und 12000 ihre Wohnungen am Fluss geniessen.

ZUKUNFTSMUSIK

Ganz anderer Natur ist die Baustelle am Kaiserspeicher A. Da wird aus einer flachen Flunder eine klingende Welle.
Denn aus einem alten Backsteingebäude der Speicherstadt entsteht ein Konzerthaus mit Hotel und soll das neue Wahrzeichen der Stadt werden. Mit Glasfassade und Wellendach. Bestimmt wird auch Roger Cicero (s. Interview) einmal ein Konzert in der Elbphilharmonie geben, doch bis zur Einweihung dauert es noch bis Herbst 2011. Dann wird aber bei den Basler Architekten Herzog & de Meuron wie auch bei den Hamburgern Freude herrschen – und Stolz. Einen Eindruck des Prachtbaus – als Modell im 1:10-Verhältnis – bekommt man vorläufig in der Ausstellung im Pavillon auf den Magellan-Terrassen.

LAUFSTEG DER LEDIGEN

ur einen Katzensprung von der Hafen City entfernt, bewundern wir mitten im «alten Hamburg» die schnuckeligen und schiefen Häuschen an der Deichstrasse, ein paar Schritte weiter die Schnörkelfassade des Rathauses. Unter den Alsterarkaden, an schicken Läden und Restaurants vorbei, steuern wir die älteste Strasse der Stadt an: den Jungfernstieg am Ufer der Binnenalster, wo die Familien früher ihre unverheirateten Töchter spazieren führten. Auf der Flaniermeile wandelte einst auch Dichter und Journalist Heinrich Heine, denn er arbeitete in der Bank seines Onkels und wohnte am Jungfernstieg Nr. 34. Vielleicht hat der schreibende Heine wie wir im Alsterpavillon gesessen, geklönschnakt (Hamburger Dialekt für plaudern) und zu einem Kaffee den Ausblick auf den Alstersee genossen? Was Heine aber ganz sicher nicht tat: sich vor rasenden Velofahrern in Acht nehmen! Wehe, man gerät zwei Fuss breit auf den Veloweg, der sich lediglich durch eine andere Pflästerung vom Fussgängerbereich unterscheidet. Dann wird man schon mal gehässig «angeklingelt» – oder es haut Frau die Handtasche um die Ohren… Nun, nach zwei Tagen hat man es gelernt, stets darauf zu achten, auf dem richtigen Pflaster zu gehen.

Wir verlassen das Brummen und Tosen des Verkehrsknotenpunkts und spazieren zum Park
«Planten un Bloomen», eine der vielen «grünen Lungen» Hamburgs. Der Park ist eine Oase der Ruhe mitten im Rummel. Pflanzenfreunde kommen auf ihre Kosten – beispielsweise im japanischen
Garten –, aber auch Kinder, die begeistert mit fest installierten Wasserspritzen «Fussball»
spielen, oder Studenten, die im Schatten der Bäume büffeln. Ein Paradies, friedlich, aufgeräumt
– und ab 23 Uhr geschlossen.

AUFMÜPFIG UND LIEBENSWERT

Nördlich schliesst eine weitere Oase an: der Sternschanzenpark. Das Publikum ist ein völlig anderes :Der Park ist in fester Hand der «Alternativen» des Schanzenviertels. Aber auch sportliche Gäste des Mövenpick Wasserturm ziehen
hier ihre Jogging-Runden. Zwar ist den Schanzenviertlern das Hotel wie auch seine «Schickimicki-Gäste» ein Dorn im Auge. Doch die sind nicht aus dem Schanzenviertel fernzuhalten. Zu reizvoll ist das quirlige, kunterbunte Miteinander des aufmüpfigen Quartiers. Und wo liesse sich ein Macchiato unterhaltsamer geniessen als an der «Schanzenpiazza»? Wo könnte man ein Fussballspiel emotionaler mitverfolgen als gemeinsam mit Gästen einer portugiesischen Eckkneipe?
Und wundern Sie sich nicht, wenn Sie abends mit «Moin, moin» begrüsst werden. Das sagen die Hamburger den ganzen Tag und meinen damit so viel wie «Hallo!».

«MOTTENBURG»

Vom Bahnhof Altona gelangen wir westwärts durch die Fussgängerzone nach Ottensen. Ein szeniges Viertel,
farbenfroh, mit romantischen Hinterhöfen und dänischen Flaggen, denn es gehörte einst, wie Altona, zu Dänemark. Früher zogen viele Handwerker und Kleinbetriebe nach Ottensen, und sie bilden noch heute die Basis des Quartiers mit Kleinstlokalen und Tante-Emma-Läden. Mottenburg ist übrigens der Spitzname des Viertels und spielt auf die früher
verbreitete Krankheit TBC an: Man könne sich in Ottensen «die Motten holen», sich mit TBC anstecken… Aber das war einmal.

Mit St. Pauli schliesst sich unser «Rundgang mit Lücken». Abends geht an der Reeperbahn natürlich die Post ab. Doch auch tagsüber hat das Quartier seine Reize. Ein Spaziergang durch die Gassen um die Grosse Freiheit Richtung Schanzenviertel zeigt ein ganz anderes St. Pauli, ein ruhiges, beschauliches, mal reinliches, mal schmuddeliges. So ist die Reeperbahn bei Tage nicht gerade spektakulär. Und der legendäre Golden Pudel Club am Elbufer wirkt ebenfalls wenig szenig. Strandatmosphäre findet man im Strand Pauli – momentan der einzige Beach Club – den ganzen Tag über. Doch abends ist der Club viel romantischer. Ein paar Schritte dem Elbufer entlang zur U-Bahn an den Landungsbrücken, ein letzter Blick auf den Hafen, ein Schnuppern (nein, immer noch kein Meergeruch)… und der Rundfahrtenverkäufer – wäre er nicht schon nach Hause gegangen – würde krakeelen: «Wann kommen Sie mal wieder längs?»
play Reiseblick besuchte Mr. Swing Roger Cicero in Hamburg. Lesen Sie das Interview. (Michael Wildi)

Top 3

1 Ausflugs-Tipp Ein Wochenende im Zeichen des Tessiner Merlotsbullet
2 Romantik-Wochenende Gutschein im Wert von 1000 Franken zu gewinnen!bullet
3 EM-Stadt Kiew Eine Metropole im Aufbruchbullet

Reisen