Roger Cicero: «Hamburg ist für mich artgerecht»

  • Publiziert: 07.07.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Inge Jucker (Text) und Michael Wildi (Fotos)

Hamburg ist seine Wahl-Heimat. Musikalisch fühlt sich der Sänger im Jazz, Soul und Funk zu Hause. Doch mit Bigband-Sound wurde er berühmt. Wir haben Mr. Swing in Hamburg besucht.

Gut gelaunt und mit Swing in den Beinen kommt Roger Cicero zum Interview. Es scheint, als ginge ihm ständig eine Melodie durch den Kopf, manchmal pfeift er sie auch vor sich hin. Später schwingt er sich hinters Steuer seines schnittigen Mercedes, um mit uns zum Hafen zu fahren. In Kenntnis von Rogers Song «Hinterm Steuer» schwant mir Schlimmes. Doch er ist kein Ungeheuer am Steuer! Er fährt ganz einfach so, wie seine Musik klingt: rassig und raumfüllend…

ReiseBlick: Sie sind Wahl-Hamburger.
Von wo sind Sie zugezogen?

Roger Cicero: Ich bin gebürtiger Berliner und auch dort aufgewachsen. Aber ich bin nicht von Berlin weggegangen, mit dem Ziel nach Hamburg zu ziehen, sondern es war eine Odyssee, die sich über zehn Jahre erstreckt hat.

Wieso ausgerechnet Hamburg?
Als ich Berlin verlassen hatte, ist meine Mutter von Berlin nach Hamburg gezogen. Damit waren die Weichen schon gestellt.

Was war schliesslich der Grund, hier hängenzubleiben?
Ich habe ja in Holland studiert und danach drei Jahre in Amsterdam gewohnt und gearbeitet. Bereits in dieser Zeit, eigentlich auch während des Studiums, habe ich ab und zu in Hamburg in Clubs gesungen, vor allem in Angies Nightclub. Und so hat sich ein Bezug ergeben.

hat Hamburg, das andere Städte nicht haben?
Ich bin ja einer, der viel reist und unterwegs ist, und für mich ist Hamburg sozusagen artgerecht, einfach die perfekte Symbiose aus Ruhepol und doch nicht zu kleiner Stadt. Es hat Grossstadt-Flair, ist aber überschaubar.

Was macht den Hamburger aus?
Die Berliner haben ja die berühmte Berliner Schnauze. Die sind verglichen mit den Hamburgern sehr extravertiert. Die Hamburger sind zurückhaltender, der Humor ist vielleicht etwas trockener und das ist halt eine Sache, die mir sehr gut gefällt.

Was unternehmen Sie an einem Sonntagmorgen mit Ihrem Sohn?
Die Tage beginnen eigentlich immer gleich. Wenn ich aufstehe, wird erst mal Kaffee gekocht für Kathrin und mich. Für Louis ist es dann Zeit fürs zweite Frühstück. Danach beginnt der Tag, und wer gerade nichts zu tun hat, der spielt mit dem Sohn. Das geschieht dann eben abwechselnd.

Sie engagieren sich für die Kinderhilfsorganisation ‹Save the Children›. Welche Projekte liegen Ihnen
besonders am Herzen?

Ich habe die rumänischen Projekte unter meine Fittiche genommen, weil ich rumänische Wurzeln habe. Die Organisation ist aber weltweit tätig, und ich finde alles, was die machen, aussergewöhnlich!

Was wird in Rumänien unterstützt?
Da wird beispielsweise Kindern ermöglicht, den Kindergarten zu besuchen, um ihnen den Weg zu ebnen, dass sie später auf eine Schule gehen können. Das Prinzip ‹Hilfe zur Selbsthilfe› finde ich das Sinnvollste, das man überhaupt machen kann.

Sie haben auch ein Herz für Tiere: Auf dem CD-Cover sind Sie mit Gockel und Papagei zu sehen. Wie kommt das denn? Haben Sie eine spezielle Beziehung zu Federvieh?
(Lacht herzhaft) Nein… Das ist, ehrlich gesagt, nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern war die Idee des Fotografen. Er hat sich natürlich vom Albumtitel ‹artgerecht› inspirieren lassen und dachte, man könnte ein paar Fotos mit Tieren machen. Ich dachte, dass er Fotos mit mir macht wie immer und dann die Tierbilder am Computer dazu montiert. Als ich dann aber erfahren habe, dass die Fotos mit den Tieren gleichzeitig geschossen werden, wurde ich doch sehr skeptisch. Ich muss aber sagen, dass sich Hermann, so heisst der Hahn, auf meinem Arm sehr wohl gefühlt hat und sogar nach einer halben Stunde immer eingeschlafen ist.

Sie sind stets perfekt gekleidet, da nimmt man Ihnen den Song ‹Boutique› gar nicht ab. . .
Shopping mit Frau ist eben was ganz anderes! Aber ich muss zugeben: Selber in Läden gehen, stundenlang Sachen anprobieren, umziehen… tausendmal… ich hasse das wirklich wie die Pest! Ich habe aber das Glück, eine wunderbare Stylistin zu haben, welche die Vorauswahl für mich trifft, die Sachen zu mir nach Hause bringt und mein Wohnzimmer in einen Klamottenladen verwandelt.

Ferien waren in Ihren Songs noch nie ein Thema. Machen Sie keine Ferien?
Doch! Ich mache Ferien, auf jeden Fall! Und die sind meist harmonisch. Wir sind dann beide gerne in der Rolle der Beobachter und geniessen das Treiben.

Wo verbringen Sie denn Ihre Ferien am liebsten?
Wir waren jetzt ein paar Mal hintereinander auf Teneriffa. Das ist meine Lieblingsinsel unter den Kanaren. Ich würde auch gerne weiter entfernte Ziele anvisieren, aber das haben wir die letzten beiden Jahre zuerst wegen der Schwangerschaft nicht gemacht und dann weil wir Louis keinen Zehn-Stunden-Flug zumuten wollten. Obwohl er super war im Flieger! Er war ganz entspannt, hat die meiste Zeit geschlafen und nicht herumgenörgelt… Da war er echt sehr cool!

Nächstens haben Sie kaum Zeit für Ferien, wegen der Tournee . . .
Die geht ja erst im Herbst los. Aber weil wir im Sommer noch einmal umziehen, wird wohl nichts aus Ferien.

PERSÖNLICH

Roger Cicero wurde als Sohn des 1997 verstorbenen Jazzpianisten Eugen Cicero und der Tänzerin Lili Cziczero am 6. Juli 1970 in Berlin geboren. Bereits als 16-Jähriger hatte Roger seinen ersten Fernsehauftritt: mit dem RIAS-Tanzorchester unter der Leitung von Horst Jankowski. Es folgten die Ausbildung in den Fächern Klavier, Gitarre und Gesang, später studierte er Jazz in Amsterdam. Bevor er sein Roger-Cicero-Quartett gründete, trat er am Montreux Jazz Festival 2003 auf. Mittlerweile sorgt eine Bigband für den Sound, der sich am Swing der 1940er- und 1950er-Jahre orientiert. 2007 vertrat er Deutschland mit «Frauen regier’n die Welt» am Eurovisions Song Contest. Für sein neues Album «artgerecht» (Warner Music) kombiniert er – seiner eigenen Art gerecht – den Bigband-Swing mit Jazz und Soul-Elementen. Die deutsch gesungenen Texte zeichnen sich durch feinen Humor und Wortwitz aus. Roger lebt mit Freundin Kathrin zusammen und seit gut einem Jahr ist er Vater. Sohn Louis ist der Song «Für nen Kerl» gewidmet. Im Rahmen der Tournee tritt Roger Cicero am 7. 11. 2009 im Zürcher Kongresshaus auf. Weitere Infos: www.roger-cicero.de

Hamburg-Tipps von Roger Cicero

Aussicht geniessen in der Bar 20UP: Das ist die Bar mit dem schönsten Ausblick in ganz Hamburg. Es ist absolut beeindruckend! Man kann fast über den ganzen Hafen sehen und auch die Reeperbahn liegt im Blickwinkel. Das ist tagsüber wie auch abends ein irre beeindruckender Ausblick.

Tee trinken im Marrakesch

Diese Mischung aus Einrichtungshaus und Restaurant liegt in einem Industriegebiet in Nedderfeld. Auf dem Weg dorthin denkst du bestimmt sechs-, sieben-, achtmal: «Jetzt habe ich mich komplett verfahren. Das kann unmöglich hier sein!» Und dann muss man immer noch ein Stück weiterfahren und dann kommt es irgendwann. Im absoluten Niemandsland. Der Möbelladen bietet bunte, auffällige, marokkanische Sachen an, während man im Restaurant sehr gute Salate essen kann.Vor allem aber gibt es dort den leckersten Pfefferminztee von Hamburg, genau so süss wie in Marokko. Und dann kann man halt auch so ganz nebenbei ein paar Accessoires kaufen, Tische, Lampen… in allen Grössen ... Das ist echt toll!

Ayurvedisch essen im Gopalam

Das ist in der Tat einer meiner Stammläden. Da gehe ich sehr häufig hin, auch oft mit Kathrin und Louis. Ich bin zwar kein kompletter Vegetarier, ich esse ja Fisch und Huhn, aber beides selten. Das Lokal sieht eher aus wie ein Imbiss, ist also kein supertolles fancy Restaurant. Aber man isst sehr lecker da. Die machen teilweise auch vegetarische Döner aus Seitan. Das schmeckt erstaunlich gut.

Kaffee trinken und kaufen im Elbgold

Das ist erstens ein kleines Café und zweitens eine Kaffeerösterei. Die haben sehr viele Kaffeesorten und natürlich eine Hausmarke. Das ist das bisher mit Abstand Leckerste,was ich an Kaffeebohnen in meine Mühle geschüttet habe! Ich bin zu Hause gut ausgestattet, habe eine gute Mühle, eine sehr gute Espressomaschine – also ein richtig grosses Teil mit Brühkopf. Ich habe viel Zeit investiert, um die Maschine richtig gut bedienen zu können. Inzwischen bin ich schon ein kleiner Hobby-Barista. (lacht) Nur die Milchschaumkunstwerke gelingen mir nicht. Aber ich mache sehr leckeren Cappuccino, der halt ohne Schaummuster kommt. Ist ja auch zweitrangig.

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