Gipfelstürmerin zeigt ihre Lieblings-Wanderung

  • Publiziert: 18.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Ana Maria Haldimann (Text) und Peter Gerber (Fotos)

Eine Gipfelstürmerin aus Leidenschaft: Margareth Voide-Bumann (54) hat alle Viertausender im Alpenraum bestiegen — und zeigt BLICK ihre Lieblings-Wanderung.

Saas-Fee, sechs Uhr morgens: Die meisten der 1650 Einwohner des Walliser Bergdorfes schlafen noch tief und fest. Anders Margareth Voide-Bumann: Die passionierte Berggängerin startet nämlich immer früh zu ihren Trainings-Touren. Normalerweise schon zwei Stunden früher.

«Am liebsten bin ich bei Sonnenaufgang auf dem Berg», sagt die 54-Jährige. Doch für die Gäste aus dem Unterland schlägt sie eine gemütlichere Gangart ein. Und auch um sechs Uhr können die Wanderer noch die ruhige Morgenstimmung geniessen.

Margareth Voide-Bumann liebt die Natur und die Berge über alles. «Das Bergsteigen liegt mir im Blut», sagt sie. Schon einige ihrer Vorfahren waren berühmte Bergführer. Und Mutter Erika Bumann kraxelt auch mit 79 Jahren noch auf Walliser Gipfel. Voide selber wagt sich – nur so als leidenschaftliches Hobby – auf Viertausender. Im August 2008 stürmte sie den 82. Gipfel und ist damit eine der wenigen Frauen, die alle Viertausender im Alpenraum bestiegen haben.

Was für die Familie aus Saas-Fee eine Art Meditation ist, bedeutet für den Unterländer ein hartes Stück Arbeit. Nach 1½ Stunden steilen Anstiegs erreichen wir die Trift auf 2210 Metern und legen eine Verschnaufpause ein.
«Man sollte beim Wandern regelmässig trinken, auch wenn man gar nicht Durst hat», rät der Berg-Profi. Noch schlimmer: die vielen Wanderer, die mit ungeeignetem Schuhwerk unterwegs sind. Knöchelhoch muss es mindestens sein.

Ein Biss vom Energie-Riegel und weiter gehts. Der Bergbach rauscht. Plötzlich stoppt die Walliserin, geniesst den Ausblick und atmet hörbar durch. Genau hier, mitten auf der Brücke, ist einer ihrer Lieblingsplätze. Wenn sie hier steht und auf Grunderberg, Sonnighorn und Almagellerhorn schaut, ist der Stress als Hotelier und Wirtin weit weg.

Kurz nach neun Uhr sind wir am Ziel: Im Bergrestaurant Hannig auf 2350 Metern stärken wir uns mit Pfefferminztee und Hobelkäse. Es hat sich gelohnt, früh aufzustehen. Die Steinböcke, die wir beim Aufstieg gesehen haben, wären jetzt nämlich schon wieder weg. Ja, auch der Unterländer spürt nun ein Glücksgefühl und kann nachvollziehen, weshalb es Voide-Bumann wöchentlich auf eine Trainingstour zieht.

«Das Kraxeln ist doch wie ein Wellness-Programm», lacht Margareth Voide-Bumann. Und ganz offensichtlich hält es auch noch richtig jung.

Die fünf Tipps vom Berg-Profi

Für Geniesser: Route im WallisVon Saas-Fee Dorf (1800 m) zum Stafelwald, hoch zur Trift (2210 m), hinüber auf den Hannig (2350 m) und mit der Bahn wieder zurück ins Dorf. Die Wanderung ist ausführlich im Artikel links beschrieben. Tipp: Am frühen Morgen ist es am schönsten.Highlight: Hohbalmgletscher und eventuell die Steinböcke.Dauer: etwa 2 ½ Stunden.Für Mutige: Route im WallisMit der Alpin Express nach Morenia (2500 m), via Klettersteig aufs Mittaghorn (3143 m), danach Abstieg nach Plattjen (2570 m); von dort mit der Bahn weiter. Unbedingt ein Klettersteigset mitnehmen.Highlight: Nervenkitzel und Aussicht.Dauer: 4 Stunden.Für Sportliche: Route in AppenzellVon Wasserauen mit der Bahn auf die Ebenalp, dann über den Schäfler auf den Säntis (2505 m) und mit der Bahn runter auf die Schwägalp.Highlight: die Appenzeller Landschaft und der Säntis mit prächtiger Rundsicht.Dauer: etwa 4 ½ Stunden.Für Ausdauernde: Route im WaadtlandEine Etappe der Jurahöhenwege, von Le Pont am Lac de Joux mit dem Bus nach Le Brassus und auf den Col du Marchairuz (1447 m). Von dort zu Fuss zum Mont Tendre (1679 m), dann zurück nach Le Pont zum Ausgangspunkt.Highlight: abwechslungsreich, und man steht auf dem höchsten Jura-Plateau.Dauer: zirka 6 Stunden.Für Familien: Route im WallisAb Saas-Fee (1800 m) zum Berg-Restaurant Spielboden (2448 m). Es fährt auch eine Seilbahn.Highlights: Murmeltiere füttern direkt am Weg, morgens und abends sieht man Gämsen und Steinböcke.Dauer: etwa 2 Stunden.

Wanderkarte wird digital

Navi einschalten statt die Landkarte studieren. Das können nun auch Wanderer. Der BLICK-Test zeigt aber: Die neue Technik ist nichts für Einsteiger.Die ganze Schweiz mit allen wichtigen Wanderrouten auf einem Blatt, das bietet die neue Wanderkarte von Kümmerly+Frey (1:301 000, 19.80 Fr.). Der Nachteil: Sie ist unhandliche 120 mal 80 Zentimeter gross. Und wo genau man sich befindet, verrät die Karte nur, wenn man sie lesen und interpretieren kann. Digi-Gadgets versprechen da mehr Komfort.Tragbare GPS-Geräte: Sie funktionieren wie Auto-Navis, sind aber speziell auf Fussgänger ausgerichtet. Beim Garmin Oregon 300 etwa (Bild oben rechts) kann man auf dem 3-Zoll-Touchscreen direkt durch die Landschaft scrollen. Dank empfindlichem GPS und Höhenmesser bestimmt das robuste Gerät die Position sehr zuverlässig – auch in Wäldern oder Schluchten.Wer eine Tour über Stock und Stein programmieren will, muss sie Schritt für Schritt selber eingeben. Für Einsteiger eine Herausforderung. Einfacher ist es, im Internet gespeicherte Wanderungen herunterzuladen (etwa auf www.gps-tracks.com). Grösster Nachteil ist der Preis: 669 Fr. kostet das Gadget, inklusive einer weltweiten Basiskarte. Mit den genauen topografischen Karten der Schweiz sind sogar 969 Fr. fällig. Handy als Karte: Seit wenigen Wochen sind die gut bekannten Landeskarten (1:25 000) auch für Mobiltelefone erhältlich, etwa für das iPhone (Bild oben links). Das Plus gegenüber der Papierversion: Man kann zoomen, Wegpunkte setzen, Touren planen und weiss dank GPS immer, wo man gerade steht. Allerdings sind keine vorgefertigten Touren importierbar. Die Kosten: 89 Fr. pro Sektor – die Schweiz hat deren acht. Fazit: Eine digitale Karte bietet mehr als die Papierversion. Allerdings ist die Bedienung nichts für Anfänger. So lohnen sich die doch grossen Investition vor allem für leidenschaftliche Outdoor-Sportler und Wanderer. Übrigens: Einzelne Wanderkarten findet man sogar gratis im Internet – etwa auf www.geoportal.ch oder www.alpmove.ch. Gratis-Karten aus einigen Regionen findet man direkt im Internet.Lorenz Keller
play Margareth Voide-Bumann (54) führt mit ihrem Mann seit 1977 das Restaurant La Gorge an der Feeschlucht. Infos: Tel. 027 958 16 80 oder auf www.lagorge.ch. (Peter Gerber)

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