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Schäumende Wellen, die an steilen Felsen brechen, ein Leuchtturm und eine Landzunge: So stelle ich mir Norwegen vor. Doch die Gegend rund um den Leuchtturm Ulvesund Fyr, in der Region Nordfjord, ist anders. Nicht so schroff wie ich gedacht hatte. Mein Blick wandert über eine idyllische Landschaft, das Meer und eine sanfte Küste, die von Heidekraut und Farn bewachsen ist.
Unsere Bleibe – ein ehemaliger Leuchtturm – baute Sølvi Helén Hopland zusammen mit ihrem Schweizer Ehemann Heinz Aemmer zu einem Gästehaus mit drei Zimmern um. Die Aussicht über den Fjord ist in allen Zimmern inbegriffen. Es ist so ruhig hier, dass wir die Hektik des Alltags schnell hinter uns lassen. Mit dem Rauschen der Wellen schlafen wir ein und wachen am Morgen damit wieder auf.
Meinen Wecker stelle ich fast jeden Tag auf halb vier Uhr. Es kostet einiges an Überwindung, aber wer so früh aufsteht, wird belohnt: In weiter Ferne erscheinen Lichter: Das mächtige Postschiff «Hurtigrute» schlängelt sich durch den Fjord.
Tagsüber sitzen wir bei hausgemachtem Heidelbeerkuchen im Leuchtturm-Café und geniesse den Blick aufs Wasser. Fischerboote fahren vorbei. Ihr Gleiten zu beobachten, entspannt. Ein Ausflug bei Regenwetter – für viele unvorstellbar. Nicht für mich. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Klitschnass stehe ich im norwegischen Norden, 428 Kilometer Luftlinie von Oslo entfernt. Von weit her ertönt Motorenlärm – das RIB-Boot, ein Schlauchboot mit festem Rumpf, fährt den Anleger an. Der Regen hört auf, und nur wenige Minuten später sind Jacke und Hose wieder trocken. Für mich dreht der Kapitän noch eine Extrarunde, damit ich Ulvesund Fyr vom Meer aus sehen kann. In diesem Land ist man hilfsbereit und grosszügig.
Einige Tage verwöhnt mich Petrus dann doch mit schönem Wetter: Ein warmer Wind weht, und vor mir erstreckt sich der beinahe weisse Sand des Refviksanden. Er wurde von einer der grössten Zeitungen Norwegens, dem «Dagbladet», zum «schönsten Strand Norwegens» erkoren. Ich wage mich ins kalte Fjordwasser. Aus dem «Sünnele» danach wird nichts. Der starke Wind bläst mir den Sand um die Beine, was sich wie Nadelstiche anfühlt. Norwegen ist nichts für Sonnenanbeter oder Weicheier – Naturliebhaber und Romantiker werden hingegen reich belohnt.