Unterwegs in Indien Im Land der Märchen

Rajasthan ist Indiens farbenfrohester Bundesstaat. Eine Reise in ein Land, so wundersam wie ein orientalisches Märchen. Zu luxuriösen Palästen, bunten Städten, drolligen Kamelen und heiligen Kühen. Und zu stolzen und herzensguten Menschen.

Wie im Märchen: Kamele in der Wüste Thar. play

Wie im Märchen: Kamele in der Wüste Thar.

Christian Bauer

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Indien ist bunt – knallbunt. Es scheint, als hätte die Farbpalette in Indien einige Schattierungen mehr im Sortiment. Häuser, Lastwagen und selbst Kühe, Elefanten und Ziegen sind grell verziert. Doch die schönsten Farbtupfer im Alltag sind die Frauen, die sogar eintönige Wüstenlandschaften zum Leuchten bringen. Orange, rot, blau, gelb, rosa schimmern die bunten Saris, die typischen Wickeltücher – manchmal erscheint das Leben hier wie ein Malkasten.

Der Bundesstaat Rajasthan ist achtmal grösser als die Schweiz. play

Der Bundesstaat Rajasthan ist achtmal grösser als die Schweiz.

Christian Bauer

Wir sind im Bundesstaat Rajasthan unterwegs, der farbenfrohesten Region Indiens und dem touristischen Topziel des Subkontinents. Der Staat im Nordwesten des Landes bietet märchenhafte Palastanlagen, lebendige Geschichte, vibrierende Feste und eine unglaublich vielfältige Natur, zu der Dschungellandschaften zählen ebenso wie die Sanddünen der Wüste Thar.

Farbig sind hier nicht nur die Bewohner, selbst die Städte leuchten in unterschiedlichen Tönen. Die Altstadt von Jaipur etwa schimmert lachsfarben, der Wüstenort Jaisalmer golden und die Karawanenstadt Bikaner dunkelrot. Das Pop-Art- Highlight allerdings ist die Stadt Jodhpur. Beim Blick vom Mehrangarh Fort meint man, das Meer brande an den Burgberg. Eine Unzahl blauer Häuser schwimmt im einheitlichen Rot der Landschaft.

Und – typisch Indien – selbst in den farbigen Städten gibt es noch eine Steigerung des Farbrauschs: im Basar, dem in sich geschlossenen Kosmos an Farben, Gerüchen und Geräuschen. Ein Mann färbt Stoffe auf Bestellung, daneben verkauft ein Junge Obst sowie Gemüse, andernorts werden Nähmaschinen repariert und Haare geschnitten. Manche Läden bieten bonbonfarbene Pasta an, andere Gewürze oder Plastikspielzeug, dazwischen gibts Schneidereien so breit wie eine Haustür.

In den schmalen Gassen drängen sich Hausfrauen, Lastenträger, Rikschas und Mopeds. Und natürlich dösen Kühe mitten im Chaos – schliesslich sind sie heilig, und das ganze Leben schlängelt sich um sie herum. Es riecht säuerlich, herb, nach Kuhscheisse und gleichzeitig verführerisch honigsüss. Einfach herrlich!

 

Rajasthan ist Hochleistungssport für die Sinne – vor allem für die Ohren. Hier ist die Hupe die Verlängerung des Gaspedals. Und jeder macht nach Herzenslust davon Gebrauch. Ebenso laut geht es in den hinduistischen Tempeln und bei den unzähligen religiösen Festen zu. Da scheppert Musik aus Karren, und dahinter tanzt eine Menschenmenge durch die Strassen. Das ist Zürcher Street Parade im Kleinformat. Doch hier geht es nicht um Party, sondern um die Verehrung eines Gottes. In Jodhpur erleben wir das Fest für den Heldengott Rama – eine von unglaublichen 33 Millionen Gottheiten des hinduistischen Kosmos. Zu seinen Ehren werden auf einem Feld gigantische Pappfiguren verbrannt.

Man lotst uns zu den wenigen Stühlen im VIP-Bereich, ein riesiges Privileg für die einzigen Touristen in der bebenden Masse Zehntausender Inder. Doch nicht für jeden der Honoratioren gibt es einen Platz, schon bald drängen sich mehrere Menschen auf einem Stuhl. Und ehe wir uns versehen, setzt uns eine indische Mutter ihr Baby auf den Schoss.

«Where are you from?» Gefühlte tausend Mal müssen wir diese Frage beantworten. Und ebenso oft für ein Handyfoto posieren. Plötzlich macht das Chaos eine ehrerbietige Pause: Der Maharadscha von Jodhpur verlässt die Menge. Maharadschas sind Regionalfürsten, die bis in die 1950er-Jahre über ihre Territorien wie Märchenkönige herrschten. Nach der Gründung des indischen Staats 1949 verloren sie zusehends ihre Macht. Vom Volk werden sie aber weiterhin innig verehrt.

Ein Palastmusiker in Jodhpur spielt eine traditionelle Flöte. play

Ein Palastmusiker in Jodhpur spielt eine traditionelle Flöte.

Christian Bauer

Die Burgen und Paläste der Maharadschas sind Publikumsmagnete für ausländische Touristen, aber auch für indische Besucher. Kein Wunder, heisst doch Rajasthan «Land der Könige». Hier sind die Zeiten von Luxus, Harems, festlichen Gelagen und unbeugsamem Stolz noch lebendig. In den Palastmuseen werden die Überbleibsel einer vergangenen Ära ausgestellt: golddurchwirkte Gewänder, silberne Sänften, edelsteinbesetzte Waffen und Oldtimer aus den 1920er-Jahren.

Letztere kurven zum Glück heute nicht mehr auf Indiens Strassen herum. Ein Adrenalinkick ist Autofahren in Indien aber allemal. Denn hier ist die Autobahn nicht nur für Autos da: So trottet etwa ein Bauer mit seiner Wasserbüffelherde seelenruhig auf der Überholspur. Ziegenherden, Kamelkarren, Frauen mit Wasserkrügen, Tuktuks – alle teilen sich den Platz.

Und wenn mal Stau ist, dann fährt man als Geisterfahrer auf dem Pannenstreifen der Gegenfahrbahn. «Ist das nicht gefährlich?», will ich von Rakesh, dem Fahrer, wissen. «Weisst du», erklärt er in hinduistischer Gelassenheit, «in Indien braucht man drei Dinge beim Autofahren: eine gute Bremse, eine gute Hupe und Glück.»

Eine gehörige Portion Glück benötigen wir denn auch, als uns Najuk, unser Tuktuk-Fahrer, durch das Verkehrschaos von Jaipur chauffiert. Kaum fährt er los, schaltet er die blinkende Partybeleuchtung ein und dreht die Musik auf. Wir rasen durch die Nacht, und der amerikanische Rapper Macklemore dröhnt: «This is fucking awesome.»

Stimmt, Rajasthan ist verdammt toll.

Gut zu wissen

Hinkommen
Mit der Swiss täglich von Zürich direkt nach Delhi. www.swiss.com

Einreise
Für Indien braucht es ein Visum. Dazu muss man einen Antrag online ausfüllen und ausgedruckt mit Pass und zwei Passfotos zur Botschaft nach Bern schicken. Nach der Überweisung der Bearbeitungsgebühr sollte man mindestens eine Woche für die Bearbeitung einplanen. http://in.vfsglobal.ch

Gesundheit
Sechs Wochen vor der Reise sollte man zum Arzt gehen. Je nach Region und Reiseart sind eventuell Impfungen notwendig. Vorsicht beim Essen! Es gilt: Nur in guten Restaurants essen, Obst schälen und nur abgepacktes Wasser trinken.

Reisen im Land
Wer Indien mit Bus und Bahn bereisen will, sollte Erfahrung mit Individualreisen in Asien haben. Einfacher kommt man mit einem Veranstalter herum, der ein Auto mit Fahrer bereitstellt.

Reisezeit
Der Sommer in Rajasthan ist kochend heiss. Ideale Reisezeit ist der Winter. Dann ist es angenehme 30 Grad warm.

Geld
In Indien bezahlt man mit Rupien. Für einen Franken erhält man etwa 64 Rupien. In den Hotels können Franken gewechselt werden. An den Geldautomaten erhält man Bargeld. Kreditkarten werden weitläufig akzeptiert.

 

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Publiziert am 26.01.2016 | Aktualisiert am 26.01.2016
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1 Kommentare
  • Harald  Maude aus Zürich
    26.01.2016
    "Im Land der Märchen"? Ja, aber leider der Schauermärchen! Was ist mit den unzähligen Vergewaltigungen, Diskriminierung der Kasten, noch 3 Wochen nach der Rückkehr in die Heimat immer noch mit Durchfall zu kämpfen, mittelalterliche Justiz und Rechtssprechung, nichtvorhandene Rechtssicherheit, usw. usw.! Als langjähriger "Indien-Kenner" muss ich leider erwähnen, dass die negativen Punkte die positiven bei weitem übertreffen und jeder sich eine Reise nach Indien nicht nur 2x, sonder 5x überlegt!