Flusskreuzfahrt in Russland In elf Tagen von Moskau nach St.Petersburg

Der Weg wird zum Ziel: Die Flusskreuzfahrt auf der Wolga, Swir und Newa führt Reisende in elf Tagen von Moskau nach St.Petersburg – quer durch die Naturwunder Russlands, vorbei an den Kulturschätzen des Landes.

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Fahrt durch Russlands Hochkultur: Die MS Excellence Katharina vor der Insel Kischi und der 37 Meter hohen Verklärungskirche.

Christian Bauer

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Die Satellitenpeilung ist ausgeschaltet. Stattdessen schaut Kapitän Juri Kowtunow (57) in seinem Buch auf die gedruckten Flusskarten. Die Fahrrinne ist hier ein roter Strich auf blauem Grund. Kowtunow steuert die MS Excellence Katharina sicher durch den schmalen Moskau-Wolga-Kanal, dieser ist kaum breiter als sein Schiff. «Satelliten brauche ich hier nicht», sagt der Routinier. Die Karten passen zum Interieur: Die Kommandobrücke umweht die Nostalgie alter Zeiten – im Kontrast zum Passagierbereich. Dort herrscht moderne Eleganz.

MS Excellence Katharina: Unterwegs auf der Wolga, Swir und Newa

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Die Reiseroute.

Wir sind unterwegs von der russischen Hauptstadt Moskau nach St.Petersburg, auf den Flüssen Wolga, Swir und Newa. Auf dem Weg queren wir mehrere Kanäle und Seen. Eine Reise, die in elf Tagen die zwei wichtigsten Städte des riesigen Reiches verbindet. Eine Reise mit vielen Natur- und Kulturwundern. Eine Reise voller Staunen.

Die Excellence Katharina ist der neuste Zuwachs des Schweizer Flussreise-Spezialisten Mittelthurgau. Während andere Anbieter ihre Flussschiffe chartern, hat das Unternehmen mit seiner Excellence-Reihe eine eigene Produktlinie lanciert. Unser schwimmendes Hotel ist allerdings kein Neubau, sondern ein von Grund auf erneuertes Flussfahrtschiff, das schon seit 1989 auf russischen Gewässern unterwegs ist. «Wir haben die ehemalige MS Lavrinenkov komplett entkernt und das Schiff nach unseren Massstäben umgebaut», sagt Stefan Frei (48), Geschäftsführer der Mittelthurgau AG.

Unterschied zwischen Meerkreuzfahrt und Flusskreuzfahrt

Die Erweiterung der Flotte kommt nicht von ungefähr. Denn Kreuzfahrten boomen. 60 Prozent Wachstum in zehn Jahren – kein anderes Reisesegment ist derart schnell gewachsen. Nicht minder beeindruckend: 1,3 Millionen Passagiere machten 2015 auf einem Fluss Ferien (weitere Details siehe Box). Einen grossen Unterschied zwischen Meer- und Flusskreuzfahrten gibt es allerdings: Während die Ozeanriesen möglichst viel Fun und Entertainment versprechen, wollen uns Flusskreuzfahrten Land und Leute näherbringen. Deshalb steht am Anfang unserer Schiffsreise in Moskau auch erst ein beachtliches Ausflugsprogramm.

Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz

Mehr als 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion liegt noch immer ein Hauch (N)Ostalgie über der Stadt: gigantische Hochhäuser aus Stalins Zeiten, heroische Soldatendenkmäler und immer wieder Strassenhändler, die mit Sowjet-Memorabilia ein paar Rubel verdienen wollen. Eindrücklichstes Symbol des vergangenen Glanzes ist der Rote Platz zu Füssen des Kremls. Die Bilder der Militärparaden, mit denen Russland während des Kalten Krieges auf dem Platz seine Macht demonstrierte, wirken bis heute nach – und vermitteln Touristen ein befreit-bewegendes Gefühl, wenn sie darauf herumschlendern.

Auf dem Roten Platz befindet sich die wohl eigentümlichste Attraktion Moskaus: das Lenin-Mausoleum. In dem pyramidenartigen Bau ist der Begründer der kommunistischen Sowjetunion seit 92 Jahren wie eine gelbe Wachsfigur aufgebahrt, bewacht von Soldaten, die so ernst dreinblicken wie in drittklassigen Agentenfilmen. Ein makabres Must-see, nicht nur für Hobby-Historiker.

Moskauer Metro und idyllische Natur

Ein anderes Muss ist die Besichtigung der Moskauer Metro aus den 1930er-Jahren. Die Stationen zählen zu den schönsten der Welt: Darin finden sich Skulpturen, Stuckaturen und Mosaike – viele glorifizieren in bester Kommunismus-Tradition die Helden der Arbeit. Eine Reise in die Vergangenheit.

Überhaupt bietet die vor uns liegende Flusskreuzfahrt Einblick in die Seele Russlands. Schon kurz nach dem Ablegen zeigen sich die Kontraste des riesigen Landes. Die Excellence Katharina zieht vorbei an schrottreifen Lastkränen und vergammelten Transportschiffen – Russland muss derzeit eine wirtschaftliche Flaute meistern. Moderne Plattenbauten strecken sich himmelwärts, die Wohnblocks sind eine Beleidigung für jedes ästhetische Empfinden, zeugen aber beispielhaft von der Erneuerungswut vergangener Jahrzehnte. Kapitän Kowtunow gibt Gas.

Kaum haben wir aber die Ausläufer der 12-Millionen-Metropole hinter uns gelassen, begrüsst uns Russland mit idyllischer Natur: Felder und Wiesen bis an den Horizont, scheinbar endlose Wälder, nur hie und da eine Datscha, ein kleines Holzhäuschen. Die Landschaft zieht an den Gästen vorbei wie ein Meditations-Mandala. Mitunter fühlen sie sich an Bord wie Statisten im Schmachtschinken «Doktor Schiwago».

«Anna Karenina» auf dem Schiffsbalkon lesen oder die Insel Kischi im Onegasee besuchen

Das Leben zwischen den Ufern ist unkompliziert. Relaxen. Lesen auf dem eigenen Balkon (wir empfehlen passend zur Reise Leo Tolstois Klassiker «Anna Karenina»). Sünnele auf dem Sonnendeck. Oder andere Passagiere treffen, etwa in der Bugbar mit ihren grossen Panoramafenstern. Sonst lenkt auf dem Schiff nichts ab. Die Tage fliessen dahin wie die Wolga – dann und wann wird die Fahrt unterbrochen. Für Ausflüge mit deutschsprachiger Reiseleitung. Tägliche Ausflüge auch in Moskau und St.Petersburg sind im Paket-Preis enthalten, weitere können gegen Aufpreis zugebucht werden. Dazwischen bleibt genügend Zeit, sich von den Landgängen zu erholen.

Vor uns liegt ein historisches Bijoux: die alte Kaufmannsstadt Jaroslawl. Am nächsten Tag erreichen wir Goritsy. Von dort aus besuchen wir das 1397 gegründetet Kirillo-Beloserski-Kloster, ein Hotspot des russisch-orthodoxen Glaubens. Genauso sehenswert sind die Holzkirchen auf der Insel Kischi im Onegasee, sie wurden von der Unesco als Weltkulturerbe deklariert. Schon von weitem grüsst die 35 Meter hohe Verklärungs-Kirche mit ihren typischen Zwiebeltürmchen – ohne einen Nagel komplett aus Holz gezimmert.

Vodka und Russisch Crash-Kurs machen uns zu halben Russen

Auch auf dem Schiff können die Gäste Einblick in die russische Kultur nehmen oder diese vertiefen: in Geschichts- und Folklorelektionen. Besonders beliebt ist der Crash-Kurs zur russischen Sprache und zur kyrillischen Schrift, die nur wenig mit unserer gemein hat. Auf dem Programm stehen Aussprache-Übungen und Volksliedsingen. «Wenns nicht klappt, trinken Sie einen Wodka!», rät uns die geduldige Lehrerin. «Danach sind Sie schon ein halber Russe.»

Erste Erfolge erzielen wir in St.Petersburg, dem Endpunkt unserer Reise. Gewappnet mit einer Zeichentabelle versuchen wir uns an einzelnen Wörtern. Wir entziffern stolz das Wort «ммммммммммм» und lesen «McDonald’s.» Zugegeben: Das gelbe M hat uns entscheidend geholfen. Acht Tage sind mittlerweile vergangen – nun weist uns die Newa den Weg, sie führt uns nach St.Petersburg, zum kulturellen Highlight der Reise.

 
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Klein, aber unerreicht: Bernsteinzimmer im Katharinenpalast.

Getty Images

St.Petersburg – die Stadt aus dem Sumpf

Eigentlich dürfte es die Stadt gar nicht geben. Das sumpfige Gebiet im Delta war einst für eine Stadtgründung denkbar ungeeignet. Dann aber kam Anfang des 18. Jahrhunderts Peter der Grosse und brachte seinen Traum mit – Zehntausende Leibeigene mussten auf sein Geheiss die Sümpfe trockenlegen und Kanäle bauen. Viele starben dabei. Ein trauriger Start in glanzvolle Zeiten. Wir schreiten trockenen Fusses über die Reling an Land. Und stehen alsbald wieder am Wasser.

St.Petersburg mit seinen vielen Kanälen erinnert an Venedig – seine Boulevards an Paris. Der Reichtum der Zaren hat sichtbar Spuren hinterlassen – die grün getünchte Eremitage mit ihren Kunstschätzen, der Katharinenpalast draussen am Stadtrand. Erbstücke der Monarchie.

Die Reise endet im Bernsteinzimmer

Insgesamt 2300 Prachtbauten prangen allein im Kern von St.Petersburg – vor ihren Fassaden aber regiert die Moderne. Die Stadt ist jung, im Auf- und Umbruch, voller Studenten, und steht doch noch immer zwischen den Zeiten. Wir schauen ein letztes Mal zurück zu Kapitän Kowtunow, zur MS Excellence Katharina. Sie liegt verlassen im Hafen. Für Wehmut bleibt keine Zeit: Das Bernsteinzimmer wartet auf uns – ein passender Abschluss.

Das müssen Sie zur Flusskreuzfahrt Moskau - St.Petersburg wissen

Kosten

Die elftägige Reise von Moskau nach St.Petersburg gibts ab 2495 Franken. Der Preis hängt von der Kabinenklasse und dem Reisedatum ab. Inbegriffen sind Vollpension, viele Sonderleistungen und die Flüge.

Ausstattung

Die Excellence Katharina umfasst 91 Aussenkabinen zwischen 14 und 30 Quadratmetern, die meisten verfügen über einen privaten Balkon. Mit an Bord: ein Restaurant, zwei Bars und ein Sonnendeck.

Dresscode

Auf den Excellence-Schiffen gibts keinen expliziten Dresscode. Dennoch: Auf sportlich-elegante Kleidung wird Wert gelegt – und für manche Anlässe auf festliche Garderobe.

Excellence Flussschiffe

Der Schweizer Flusskreuzfahrtspezialist Reisebüro Mittelthurgau ist Teil der familiengeführten Twerenbold Reisen Gruppe. Mit der Excellence Schiffsserie hat Twerenbold eine eigene luxuriöse Schiffskategorie lanciert. Die Inhaber werben mit dem Slogan «Schweizer Grandhotels» um Gäste, die auf den Luxus eines Viersternehotels Wert legen.
Infos: www.excellence.ch / www.mittelthurgau.ch

Begehrt: die Flussfahrt von Mandalay nach Bagan in Myanmar. Getty Images
Flussfahrten

Flusskreuzfahrten: Im Schiff über Land

Der Allrounder: Strassburg - Passau

Die Route von Strassburg bis nach Passau verbindet die drei Flüsse Rhein, Main und Donau. Zu besichtigen gibts die Finanzmetropole Frankfurt, das romantische Würzburg, die Bierstadt Bamberg und Regensburg.

Die Exotische: Myanmar - Bagan

Myanmar erlebt derzeit einen Touristenboom – die zweitägige Flussfahrt von Mandalay nach Bagan (manchmal auch bis nach Rangun) führt vorbei an Pagoden, Tempeln und kleinen Dörfern. Malerisch!

Die Weinselige: Von Porto zu Weingütern

Die Region um den portugiesischen Douro ist eine prima Weingegend. Und hier lässt es sich auch herrlich flusskreuzfahren. Los geht es in der Stadt Porto (Brücke von Gustave Eiffel) hin zu vielen Weingütern.

Die Königliche: Reisen auf der Loire, Rhône und Saône ins Burgund und in die Camarque

Frankreich hat viele schöne Flüsse für Kreuzfahrten. Etwa die Loire, deren Natur und Kultur Weltkulturerbe sind. Oder die Rhône und Saône. Per Schiff lassen sich aber auch das Burgund oder die Camargue bereisen.

Die Festliche: Flusskreuzfahrten an die schönsten Weihnachtsmärkte

Selbst romantische Weihnachtsmärkte in Frankreich und Deutschland steuern Kreuzfahrer an. Entsprechende Reisen führen etwa nach Colmar, Strassburg, Lyon, Nürnberg, Mainz oder nach Heidelberg.

Diese Flussreisen finden bei:
www.rivage-flussreisen.ch
www.thurgautravel.ch
www.a-rosa.de
www.mittelthurgau.ch

Grösser und schneller: Kreuzfahrtrekorde

  • 28 Knoten (rund 52 km/h) beträgt die Höchstgeschwindigkeit der Chinese Taishan, eines der schnellsten Kreuzfahrtschiffe der Welt.
     
  • Im Jahr 1900 sticht in Hamburg das erste Schiff in See, das ausschliesslich für Vergnügungsfahrten gedacht ist: die Prinzessin Victoria Luise.
     
  • 165 Eigentums- oder Mietwohnungen bietet The World (Baujahr 2001), die weltweit erste Privatresidenz auf hoher See, an.
     
  • 20'000'000 Kreuzfahrtpassagiere weltweit – diese Limite wurde 2011 erstmals überschritten.
     
  • 50,4 Jahre ist das Durchschnittsalter der Passagiere.
     
  • 70 Prozent des Mülls in den Tiefen des Mittelmeers stammen von Kreuzfahrtschiffen.
     
  • 6780 Passagiere finden Platz auf der MS Harmony of the Seas, dem grössten Kreuzfahrtschiff der Welt.
Kreuzfahrt-Markt

Kreuzfahrt-Markt: Wachstum von 60 Prozent

Kreuzfahrten boomen – kein anderes Reisesegment verzeichnet einen derart grossen Zuwachs. Laut der Cruise Lines International Association, dem internationalen Verband der Kreuzfahrt-Reedereien, verbringen 2016 weltweit mehr als 24 Millionen Menschen ihre Ferien an Bord eines Kreuzers. Vor zehn Jahren waren es erst 15 Millionen – eine Steigerung von 60 Prozent, davon können andere nur träumen.

Auf europäischen Flüssen verbrachten vergangenes Jahr 1,3 Millionen Passagiere ihre Ferien. Mit der Nachfrage wächst auch die Flotte. Aktuell kreuzen weltweit etwa 500 Passagierschiffe in Ozeanen und Flüssen, bis 2020 sollen ca. 55 neue dazukommen. Für Flussfahrten wurden heuer 18 Boote in Betrieb genommen – und die Kapazitäten um zehn Prozent gesteigert.

Überhaupt: In jüngster Vergangenheit wurden die Schiffe zu schwimmenden Resorts ausgebaut. Die Harmony of the Seas setzte unlängst eine neue Rekordmarke – an Bord finden Reisende alles, was sie sich für ihre Erholung wünschen: Shopping, Sport, ein breites kulinarisches Angebot, Wellness. «Das Schiff ist die Destination» heisst der aktuelle Slogan der Cruising-Branche.

Die erste Reederei, die diese Philosophie konsequent umsetzt, ist AIDA Cruises aus Deutschland. Eines ihrer neuen Flaggschiffe startet dieses Jahr ganzjährig ab Hamburg in die Nordsee und geht auf Städtetour – auch im Winter. Damit bricht das Unternehmen eine alte Kreuzfahrtregel: Normalerweise fahren europäische Schiffe im Herbst in wärmere Gefilde.

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Publiziert am 30.08.2016 | Aktualisiert am 04.01.2017
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