Unterwegs in Polen Breslau, das Venedig des Ostens

Architektonisches Juwel, ein Hauch Dolcefarniente und eine Geschichte mit Symbolkraft: Das polnische Breslau ist zu Recht europäische Kulturhauptstadt 2016.

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Breslaus Altstadt wurde geschmackvoll restauriert.

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Die Wahl Breslaus zur Kulturhauptstadt 2016 (zusammen mit Donostia-San Sebastián in Spanien) könnte passender nicht sein – dabei war die Symbolkraft so nicht beabsichtigt. Als vor vier Jahren die Kulturhauptstadt-Kommission Breslau nominierte, konnte niemand die aktuellen politischen Entwicklungen in Europa erahnen: Flüchtlingskrise und Abschottung. Wie kaum eine andere Stadt Europas steht Breslau, das polnische Wroclaw, seit Jahrzehnten für das Leid und die Hoffnungen von Flüchtlingsströmen.

Symbol für die Flüchtlingskrise

Am Ende des Zweiten Weltkriegs, als das deutsche Breslau und Teile Schlesiens an Polen angegliedert wurden, mussten Hunderttaussende Deutsche die Stadt verlassen. Angesiedelt wurden (teilweise unter Zwang) stattdessen ostpolnische Flüchtlinge aus russisch besetzten Gebieten. In kürzester Zeit wurde die Bevölkerungsstruktur Breslaus komplett verändert. Klar, dass diese Ereignisse das Selbstbewusstsein und die Geschichtswahrnehmung der Stadt bis heute wesentlich prägen. Daher soll das Programm im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres auch dazu beitragen, die bewegte Geschichte aufzuarbeiten und Impulse zu einem vertiefenden Ost-West-Dialog liefern: «Breslau hat polnische, deutsche und jüdische Wurzeln, und die Zeiten sind vorbei, in denen das eine gegen das andere ausgespielt wurde», erläutert Magdalena Babiszweska, Sprecherin der Kulturhauptstadt.

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Das Herz der Stadt: der Marktplatz Rynek.

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Hoffnung auf Tourismus-Boom

Doch damit nicht genug: Mit der Ernennung zur Kulturhauptstadt hofft die 630'000-Seelen-Metropole, den City-Tourismus anzukurbeln. Die Voraussetzungen sind gut, denn Breslau ist ein verkanntes Juwel, das sich perfekt für einen Städte-Trip lohnt. Trotz grosser Kriegsschäden überzeugt die Stadt an der Oder mit einem reizvollen Mix aus Mittelalter, Barock und Moderne. Für das Jubeljahr wurde die schlesische Hauptstadt zusätzlich herausgeputzt und neue Museen eröffnet. Gebaut auf zwölf Inseln und mit vielen Brücken verbunden, darf sich Breslau gar mit dem Titel «Venedig des Ostens» schmücken – einen Hauch Dolcefarniente auf den schmucken Plätzen und vielen Cafés inklusive. Zusätzlich sorgen etwa 130'000 Studenten für einen frischen Vibe und natürlich einer spritzigen Kultur- und Party-Szene. Diese Stadt ist wahrhaft eine Reise wert.

Das dürfen Sie nicht verpassen

Rynek
Das Herz Breslaus ist der alte Marktplatz Rynek (grosser Ring) mit seinem farbenfrohen und eindrücklichen Ensemble historischer Bürgerhäuser aus unterschiedlichen Kulturepochen. Highlights sind das Alte Rathaus und das Jugendstilgebäude «Unterm Engel».

Elisabethkirche
Vom Turm der gotischen Elisabethkirche hat man den besten Blick auf die Stadt und das Umland. Die 250 Stufen lohnen sich!

Breslauer Zwerge
Breslaus wahrscheinlich berühmteste Sehenswürdigkeit kommt im Mini-Format daher: Fast 300 bronzene Zwerge, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, erinnern an den Widerstand gegen das sozialistische Regime in den 80er-Jahren. Herzig und zugleich spannend und geschichtsträchtig.

Aula Leopoldina
Die «Aula Leopoldina» der Breslauer Universität zählt zu den schönsten Hörsälen Europas. Sie stammt aus der Barockzeit und gleicht einem prunkvollen Schlosssaal.

Markthalle
Besonders für Architektur-Fans ist die Markthalle an der heutigen Ulica Piaskowa aus dem Jahr 1908 ein Muss. Ihre kühnen Stahlbetonkonstruktionen zählen zu den ersten ihrer Art in der Baugeschichte.

Stadtschloss
Im renovierten Schloss der historischen Stadt befindet sich heute das Stadtmuseum Breslaus. Ein Fokus der Dauerausstellung liegt auf der Zeit der Vertreibungen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Jahrhunderthalle
Der Monumentalbau, der noch heute als Veranstaltungssaal genutzt wird, stammt aus dem Jahr 1913. Die Jahrhunderthalle bildet das Zentrum des Breslauslauer Messegeländes, zu welchem u. a. auch der Vier-Kuppel-Pavillon und eine Pergola gehören. 2006 wurde der aussergewöhnliche Bau zum Weltkulturerbe der Unseco erhoben. Auf dem Gelände eröffnete zudem ein neues Museum für zeitgenössische Kunst.

Nationales Musikforum
Neuzugang in der Kultur- und Musikszene Breslaus ist das nationale Musikforum aus dem Jahr 2015. In vier Konzertsälen wird hier Hörgenuss geboten. www.nfm.wroclaw.pl

 

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Publiziert am 28.04.2016 | Aktualisiert am 03.01.2017
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