Abstecher nach Istanbul Hip im Orient

41˚02’ Nord und 28˚97’ Ost: So lauten die Koordinaten für die trendigste Location an den Ufern des Mittelmeers, dem Hafenquartier Karaköy in Istanbul. Hierher kommt, wer die Geburtsfreuden eines neuen In-Viertels erleben möchte.

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Istanbul – ein Name, der nach Abenteuer klingt, nach Geheimnissen und orientalischen Sinnesfreuden. Zwölf Millionen Besucher pilgern jedes Jahr an den Bosporus, jene schmale Furche zwischen Europa und Asien. Und allesamt erliegen sie den wollüstigen Geschichten aus den Harems der Sultane, den unsagbaren Schönheiten der osmanischen Moscheen und dem psychedelischen Chaos des Grossen Basars.

Die traditionellen Top-Spots in Istanbul

Die traditionellen Top-Spots wie die Blaue Moschee oder der Basar sind natürlich ein Must für all jene, die zum ersten Mal in der 13-Mil­lionen-Metropole sind. Doch es gibt neben dem touristisch-osmanischen auch ein anderes Istanbul – und das findet sich zwischen Fähranlegern, Werkstätten und leer stehenden Häusern.

Karaköy - In-Viertel der Stadt

«Geh nach Karaköy!», raunen Designer, Architekten und Simitverkäufer auf meine Frage, was man in Istanbul unbedingt sehen muss. Halbmondförmig ­unterhalb des Galata-Turms am Bosporus liegt das neue Trendviertel. Ich mache mich auf den Weg, noch mit den ­Eindrücken der osmanischen Pracht im ­Gepäck.

Doch was mich hier erwartet, ist eine andere Welt, ein knisternder Mix aus Verfall und Auferstehung. Aus dem einst verruchten Quartier für malochende Hafenarbeiter mit seinen schmutzigen Werkstätten und Bordellen ist ein Ort der Hippen und Schönen geworden, die den altgedienten Vergnügungsorten Beyoğlu und Cihangir überdrüssig geworden sind.

Das Face- und Imagelifting verdankt der Istanbuler Stadtteil der inspirierenden Power junger Kreativer, welche verlassene Handwerksbetriebe in gestylte Cafés verwandeln. Wo einst Hämmer dröhnten, erklingen heute jazzige Saxophon- und Chill-out-Töne und verpassen dem Quartier seinen ganz eigenen Herzschlag.

Dennoch: Karaköy ist noch nicht zu Tode designt, besitzt nach wie vor einen rauen Arbeitercharme. Zwischen den Cafés und abbruchreifen Häusern wird Bootszubehör verkauft, während selbständige Handwerker ihrem Gewerbe nachgehen. «An manchen Stellen ist ­Istanbul völlig runtergekommen», sagt Architekt Erdoğan Altındiş. «Das fördert kreatives Potenzial. Hier kann man sich vom westlichen Ordnungswahn befreien.» Stimmt, der Cocktail aus Trend und Trödel ist herrlich erfrischend.

Zum Beispiel im Café Karabatak unweit des Bosporus: Zwischen grobem Industriechic und urbaner Loungekultur nippt man hier Iced Americano und schnabuliert leichten Ruccola-Salat. Die unverputzten Wände sind aufgepeppt mit farbenfrohen Details und eleganten Holzmöbeln. Vor der Theke steht ein gelber Traktor – Spielereien kreativer Köpfe. Personal und Kundschaft sind jung, teilweise extravagant und definitiv chic.

Ausgehen in Istanbul

Wer in Istanbul ausgeht, zeigt sich in seinen besten und hipsten Klamotten. Stundenlang verbringen die Istanbuler in den neuen Cafés ihre Freizeit. Keyif nennen sie das, genüssliches Relaxen mit guten Freunden bei Caffè Latte und Co. Traditionellerweise wäre Çay, der süsse Schwarztee, das klassische ­Keyif-Getränk. Doch der neue Hype der jungen Hipster ist Kaffee in allen erdenklichen Variationen. Nicht türkischer Kaffee, diese schlammig-schwarze Masse, welche die Kehle wie Hustensaft herunterrinnt, sondern Kaffeekreationen à la Starbucks.

«Das Motto heisst: je exotischer, desto besser», sagt Designerin Özlem Tuna, die im neuen Designviertel Inspiration für ihre Kollektionen findet.

Nebst den unzähligen Cafés  haben sich im neuen Trendquartier auch Gourmetrestaurants mit Blick auf den Bosporus und rhythmus-heisse Clubs angesiedelt. Nachts wummert es in ­Karaköy wie in St-Tropez oder Ibiza. House-Beats wehen durch die labyrinthischen Gassen und mischen sich mit dem allgegenwärtigen Kreischen der Möwen.

Der neuste Star unter den Bar-Club-Hybriden ist Gaspar: hohe Wände, elegantes Loungedesign und Cocktails, die kaum besser sein könnten. Die Tanzfläche ist klein. Doch das macht angesichts des milden Istanbuler Klimas nichts: Hier feiert man drinnen wie draussen. Auf Strassen, deren alte Patina von Graffitikünstlern mit Spraydosen aufgepeppt wurde, Openair-Kunst findet sich allenthalben.

Zeitgenössische Kunst in der antiken Stadt

Überhaupt hat die 3000-jährige Stadt mit ihrem Überfluss an Geschichte ein Faible für zeitgenössische Kunst entdeckt. So gibt es in Karaköy gleich zwei der sehenswertesten Art-Spaces der Stadt. Im mondänen Gebäude der früheren Ottoman Bank zeigt die Kulturinstitution Salt Galata die Werke aufstrebender Künstler. Und das in einer ehemaligen Lagerhalle gelegene Museum für zeitgenössische Kunst, das Istanbul Modern, ist nicht nur Museum, sondern dient auch als Begegnungszentrum, Design-Boutique und – logisch – als Café.

Und da Istanbul seit seiner Gründung im Aufbruch ist, schweben schon jetzt dunkle Wolken über dem kreativen Flair Karaköys: Neue Überbauungs- und Verschönerungsprojekte, die den jetzigen Charme stören würden, werden bei Planern und Politikern heftig diskutiert. Also, nichts wie hin: Jetzt erlebt man noch die zauberhafte Aufbruchstimmung.

Publiziert am 12.03.2015 | Aktualisiert am 28.12.2016

«Istanbul ist ein Glücksfall»

Die Schmuck- und Porzellandesignerin Özlem Tuna über Istanbul als Inspirationsquelle.

Istanbul ist ein Hotspot für ­Designer. Warum?
Für Kreative ist Istanbul ein Glücksfall. Die Stadt ist voller Energie, chaotisch und ständig in Bewegung. Junge Designer holen sich ihre In­spiration aus einer reichen Geschichte und einer Vielfalt verschiedener Kulturen.

Was inspiriert Sie?
Mich faszinieren die grossen Gegensätze Istanbuls, die hier nebeneinander existieren: Natur und Struktur, Sauberkeit und Dreck, Armut und Reichtum, Geschichte und Modernität.

Haben Sie Materialien mit denen Sie speziell gerne arbeiten?
Ja natürlich. Teig und Ton. Aus beiden kann man wichtige und schöne Dinge her­stellen, dabei vermischt sich Funktion und Kunst.

Gibt es einen neuen Design-Trend in Istanbul?
Da einige populäre TV-Serien in der osmanischen Ära spielen, sind vor allem beim Schmuck- und Homeware-Design Anklänge an die osmanische Formensprache, Elemente aus der Kaligraphie und den reichen Pflanzenmustern sehr trendy. Dies wird dann frech gemixt mit mitteleuropäischen Stilmitteln, zum Beispiel mit einer klaren und reduzierten Linienführung.

Wo kann man geschmackvollen Schmuck und Kleider kaufen?
Ich bewundere die Schmuckdesignerin Selda Okutan in Karaköy, die einen ausgeprägten, eigenen Stil hat. Kleidung kaufe ich gerne bei Derishow, die aus­gefallene, aber stilvolle Kollektionen haben.

www.derishow.com.tr
www.seldaokutan.com
www.ozlemtuna.com

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Istanbul: Kurz und knapp

Reisezeit
Die türkische Metropole ist dank ihrer zahlreichen Attraktionen eine Ganzjahresdestination. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen am angenehmsten. Im Sommer kann es sehr heiss werden, zudem quillt Istanbul dann vor Touristen über. Der Winter ist kalt und touristenfrei.

Hinkommen
Von Basel, Genf und Zürich täglich mit Turkish Airlines direkt nach Istanbul. www.turkishairlines.com

Einreise
Für die Einreise genügt die Identitätskarte oder der Reisepass.

Geld
Die türkische Währung heisst Lira. Ein Franken entspricht etwa 2,63 Lira. Mit einer EC-Karte kann Geld am Automaten problemlos bezogen werden.

Übernachtung
Istanbul bietet alle erdenklichen Hotelerlebnisse. Von alten Sultanspalästen («Ciragan Palace Kempinski»), über historische Luxusschuppen («Pera Palace Hotel») bis hin zu neuen Designhotels («W Hotel») gibt es in der einzigen Metropole auf zwei Erdteilen alles. Eine besondere Übernachtungserfahrung ermöglicht die Firma Manzara Istanbul, die Appartements mit herrlichen Aussichten auf den Bosporus anbietet. Weitere Vorteile: Bei Manzara spricht man fliessend Deutsch. Zudem werden interessante Touren angeboten, die Istanbul aus der Sicht der Bewohner zeigen. www.manzara-istanbul.com

  laif/Murat Tueremis, laif/Frank Heuer, Christian Bauer, Thinkstock

Top 5: Was Sie am Bosporus keinesfalls verpassen dürfen

Hagia Sophia
Die Hagia ­Sophia ist eines der wichtigsten Bauwerke der christlichen Welt. ­Erbaut im 6. Jahrhundert, war sie lange die bedeutendste und grösste Kirche der Christenheit. Im 15. Jahrhundert wurde der sakrale Bau zu einer ­Moschee umfunktioniert, dementsprechend faszinierend ist heute der Mix aus christlicher und muslimischer Symbolik. Nicht verpassen: die byzantinischen Mosaiken auf der Empore und die weinende Säule, die Wünsche erfüllen soll.

Topkapi-Palast (Bild)
Direkt neben dem einstigen geistigen Zentrum liegt der Wohn- und Regierungssitz der Sultane und das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reichs – einst das grösste Imperium der Welt. Im angegliederten Harem liessen sich die Herrscher von 500 Liebesdienerinnen das ­Leben versüssen. Nicht verpassen: das verwirrende Labyrinth des ­Harems und die heiligen Reliquien des Propheten Mohammed.

Basilika-Zisterne
Im Weltbestseller «Inferno» von Dan Brown spielt sich hier der grosse Showdown ab, und sogar Superagent James Bond paddelte schon durch den unterirdischen Wasserspeicher. Die Basilika-Zisterne gleicht einem versunkenen Palast, getragen von einem Wald haus­hoher Säulen. Nicht verpassen: das seitenverkehrte Medusenhaupt, das als Fundament einer Säule dient, eignet sich als tolles Fotomotiv.

Der Grosse Basar
Istanbuls Basar öffnete 1461 seine Pforten und war damit die erste Mega-Mall der Weltgeschichte. Die Stadt in der Stadt, die durch mächtige Tore abgetrennt ist, umfasst über 4000 Geschäfte auf mehr als 30 000 Quadratmetern. Von Schmuck über Teppiche und Seidenschals bis hin zu Souvenirs gibt es hier alles, was man sich von einem orientalischen Markt erträumt. Nicht verpassen: das Feilschen bei einem Glas Tee über den angemessenen Preis. Aber Achtung, nicht überall, wo Seide drauf steht, ist auch Seide drin!

Eine Bootsfahrt auf dem Bosporus
Keine Wasserstrasse der Welt ist so berühmt wie der Bosporus, der das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbindet und Asien sowie Europa trennt. Eine Bootsfahrt bei türkischem Dinner zwischen Fischerbooten, Fähren und Containerschiffen ist ein Muss. Nicht verpassen: Das Füttern der Möwen macht einen Riesenspass. www.istanbuldinnercruises.com

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1 Kommentare
  • Patrick  Sieger 13.03.2015
    Beste Stadt in Europa! Gerne immer wieder!