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Auf der Themse: Mit Heinrich VIII. vom Schloss zum Tower schippern. (HRP/newsteam.co.uk)
Da steht er. Fett, in vollem Ornat im Schlosshof des Hampton Court Palace: König Heinrich VIII. (1491–1547) mit seiner letzten Frau Kateryn Parr. Und beantwortet den Touristen Fragen. Etwa die: «Warum haben Sie Ihre Ehefrauen köpfen lassen?» Der König lacht, kennt die Antworten nicht. Wie auch? Drei Schauspieler spielen seine Rolle abwechselnd anlässlich des 500. Jahrestags der Thronbesteigung von Heinrich VIII.
Hampton Court Palace liegt direkt an der Themse. 1000 Zimmer hatte das Tudor-Schloss und 600 Hofschranzen. Die Küche – ein gewaltiger Raum. Neben dutzenden Ochsen haben hier pro Jahr 8200 Schafe, 760 Kälber, 2330 Hirsche, 1870 Schweine gebrutzelt. Speise-Archäologe Mark Meltonville erklärt diese Nahrungsfabrik: wie Bauern das Frischfleisch bei den 250 Köchen in einem schmalen Gang – dem «Eisschrank» – ablieferten, in den nie Sonne fiel.
Überhaupt: Zu Heinrich VIII. haben sich die Briten für ihre Besucher einiges einfallen lassen. Sie zeigen «Young Henry» im Hampton Court als sportlichen Athleten: 1.85 Meter gross und wuchtig. Erst in der Ausstellung «Heinrichs Frauen», wirds mörderisch: seine bigotte erste Frau Katherine of Aragon; Anne Boleyn, die wegen «Untreue» geköpft wurde; die verstossene Jane Seymour; die geschiedene Anne of Cleves und die hingerichtete Catherine Howard. Und seine letzte Gattin Kateryn Parr.
Heinrich verstand es zu leben. Er leerte die Staatskasse, liess sündhaft teure flämische Wandteppiche knüpfen. Er zog, wenn es in der Gegend keine Äpfel mehr gab, in eins seiner weiteren 60 Schlösser.
Der Tourist heute hat es da leichter: Entweder er nimmt ein Schiff, das ihn vom Schloss zum Tower schippert – oder die niedliche Bahn. Auf Kufen, wie einst Heinrich VIII. auf der zugefrorenen Themse die Distanz schlitterte, geht nicht mehr. Der Fluss will nicht mehr zufrieren.
Übrigens: Heinrich VIII. hatte nur vor einem Angst – vor dem «Spuk-Korridor» im Hampton-Palace, in dem der Geist von Ehefrau Nr. 5 sein Unwesen treiben soll. Bis heute.