Ausflugs-Tipp Heile Welt im Engadin

Eine Bilderbuchschweiz zum Erleben, Ausspannen und Staunen: Sils-Maria im Oberengadin mit dem eben ausgezeichneten historischen Hotel ist ein Naturparadies für Wanderer.

Macht seinem Namen alle Ehre: das Hotel Waldhaus Sils-Maria mitten im Lärchenwald. play

Macht seinem Namen alle Ehre: das Hotel Waldhaus Sils-Maria mitten im Lärchenwald.

Gian Andri Giovanoli

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Reisen

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Als wäre die Zeit stillgestanden: Auf dem Dorfplatz von Sils-Maria GR parkieren keine Autos. Pferde warten dort auf Gäste, die sich eine Kutsche mieten möchten. Die Fahrt geht ins sechs Kilometer lange Seitental Val Fex.

Eine schmale Strasse führt in einer S-Kurve an einem Märchenschloss vorbei, das hoch über dem Dorf thront: das Hotel Waldhaus. Es steht für seinen Namen, liegt es doch mitten im Lärchenwald. Die Blüte dieses Hauses begann 1908 in der Belle Epoque und dauert bis heute. So wurde es am letzten Freitag mit einem Spezialpreis als bestes historisches Hotel der letzten 20 Jahre gekürt.

Die Besitzerfamilie führt das Fünfsternehaus in der fünften Generation – die sechste ist schon auf der Welt. Die Hoteliers pflegen die Tradition und sind offen für Kultur jeder Art. So trifft man dort etwa den Autor Lukas Hartmann, Gatte von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Im Salon liest er den Gästen aus seinen Werken vor – und die deutsche Schriftstellerin Elke Heidenreich beschreibt liebevoll den Hausgeist, dem sie jeweils auf der Treppe aus weissem Marmor begegnet.

Hinter dem Personalhaus des Hotels beginnt das Paradies für Wanderer, die das Fextal zu Fuss erkunden möchten. Ein romantischer Waldpfad windet sich langsam den Hang hinauf. Ein schwerer Duft von Harz steigt in die Nase und die laute Welt des Alltags verstummt zwischen Lärchen und Arven.

Eine kleine Verschnaufpause lohnt sich auf der Sitzbank beim ersten Aussichtspunkt: Die Sicht über den Silsersee bis nach Maloja ist unvergleichlich. Diese Seenlandschaft ist 20 000 Kindern zu verdanken, die 1946 in zwei Tagen 827 000 Schoggitaler verkauft haben. Daraufhin bekam die Gemeinde 300 000 Franken, damit diese Schönheit für 99 Jahre zum Naturreservat erklärt werden konnte.

Die Rösti aus Bergkartoffeln ist ein Gedicht

Weiter führt der Wanderweg im Zickzack hinauf, bis sich der Wald lichtet und einen ersten Blick ins Fextal zulässt. Bei der nächsten grossen Wegkreuzung schlängeln sich die Wanderer durch ein hölzernes Drehkreuz, als würden sie ­einen Park betreten: Wie aus dem Nichts steht eine weisse Kuh in der Waldlichtung. Sie lässt sich bei der Suche nach Kräuter nicht stören.

Der Pfad führt jetzt über Wiesen. Heuschrecken zirpen ihr Lied, und bei jedem Bächlein sind flache Steine ausgelegt, damit alle Füsse trocken bleiben. Vor der nächsten Alp-hütte ist eine Feuerstelle aufgebaut. Und das kühle Quellwasser vom Brunnen schmeckt gut – es ist frisch und sauber.

An der zweiten Biegung kreuzt sich der Weg mit jenem von Crasta her. In diesem Weiler begeistert eine schneeweisse Kapelle aus

dem 15. Jahrhundert die Kunstfreunde: Den Chor der Kirche schmücken einzigartige Fresken. Das Fextal birgt viele Schätze, dazu zählt auch die Blumenpracht. Ein Blumen­führer im Rucksack empfiehlt sich also.

Sobald der Weg parallel dem Hang entlang führt, erblickt man auf der anderen Seite des Tals die Strasse mit den Pferdekutschen. Tiefer unten liegt das Flüsschen Fedacla, das beim Fexer Gletscher entspringt und in Richtung Sils-Maria fliesst. Auf der Holzbrücke über der Fedacla ist der Wanderweg zu Ende. Zwanzig Schritte noch, schon steht man auf der Terrasse des urchigen Berghotels Fex. Die Rösti aus Bergkartoffeln ist ein Gedicht.

Diese Wanderung ins Fextal ist einfach, auch für Familien geeignet und in ihrer Vielfalt ein grossartiges Erlebnis. Darum lohnt es sich sogar, auf dem Rückweg den gleichen Weg zu wählen. Das Sonnenlicht ist milder, die weisse Kuh liegt jetzt im Wald zum Äsen.

Ausklang der Wanderung auf der Terrasse vom Waldhaus

Am Nachmittag öffnet das Hotel Waldhaus seine Terrasse mitten im Lärchenwald. Dieser Ort ist auch für Gäste mit schweren Wanderschuhen eine elegante Oase. Im Schutz eines Holzpavillons musiziert das Haus-Trio: Klavier, Geige und Cello. Sie spielen bekannte Lieder zum Mitsummen. Und dazu an einer Tasse aus feinem Porzellan nippen – perfekt. «Sils-Maria, 6000 Fuss über dem Meer und viel höher über allen menschlichen Dingen», schrieb einst der Philosoph Friedrich Nietzsche, der hier sieben Sommer lang seinen Frieden suchte – und auch fand.

Publiziert am 03.09.2015 | Aktualisiert am 03.09.2015

Mehr Wissen über Sils-Maria GR

Die Anreise
Mit der Rhätischen Bahn ab Chur bis St. Moritz, umsteigen aufs Postauto. Die 1903 eröffnete Strecke zwischen Thusis und St. Moritz gehört seit 2008 zum Unesco-­Weltkulturerbe.

Das Dorf
Das 700-Seelen-Dorf liegt zwischen dem Silser- und Silvaplaner-See auf 1803 Metern über Meer. Der Ort hat weder Durchgangsverkehr, noch Shopping-Meile. Mehr Info im Tourismusbüro am Dorfplatz: www.sils.ch

Das Nietzsche-Museum
In dem Häuschen verbrachte Friedrich Nietzsche sieben Sommer (1881 bis 1888). Ausstellung über Leben und Werk des Philosophen.

Das Fextal
Das Hochtal auf 1950 Meter über Meer gehört zu den höchstgelegenen, ganzjährig bewohnten Tälern der Schweiz. Es endet am Fexer Gletscher und steht seit 1954 unter Naturschutz.

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Auch für Familien bestens geeignet: der Höhenweg im Fextal. play

Auch für Familien bestens geeignet: der Höhenweg im Fextal.

Franca Siegfried, A.T. Schaefer, Ralph Feiner, PR

Das Hotel Waldhaus – Geschichte verpflichtet

2015: Eine Familien-Affäre
Die fünfte Generation baut für die Gäste ein Spa. Icomos, der Internationalen Rat für Denkmalpflege, zeichnete das Haus 2005 aus und übergibt jetzt den Jubiläumspreis für das beste historische Hotel der letzten 20 Jahre.

1983: Ballwechsel
Als erstes Oberengadiner Hotel hat das Waldhaus eine Tennishalle. Der Speisesaal wurde 1978 erweitert. Und im «Palais du Garage» residieren Autos. Mit über 40 000 Logiernächten pro Jahr ist das Haus auf gutem Weg.

1955: Wintermärchen
Erstmals nach dem Krieg öffnet das Hotel im Winter. In Sils ist der erste Skilift gebaut, ab 1970 schwimmen im hauseigenen Hallenbad Gäste wie etwa Bundesrat Hans-Peter Tschudi und der Schauspieler Maximilian Schell.

1908: Eröffnung des Hauses
Ein Grandhotel der Belle Epoque mit 230 Gästebetten und modernster Infrastruktur: Es gibt Elektrizität, Lift, Zentralheizung und private Bäder. 115 Angestellte betreuen die Gäste, die oft aus dem europäischen Adel stammen.

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