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Lichtermeer: Die Casino-Stadt Macau schläft nie. (Joel Ott)
Wohin reist man, wenn man Glücksspiel, Kitsch und Abenteuer sucht? Kaum einer, der bei dieser Frage an Macau denkt. Dabei hat Asiens «Las Vegas» mindestens genauso viel zu bieten wie das US-Original. Vor der Jahrtausendwende wurde Hongkong von Grossbritannien an China übergeben und dort ein Glücksspiel-Verbot erlassen – daraufhin wurden im benachbarten Macau inflationär Casinos und Hotels eröffnet. Die Stadt wächst so schnell, dass ihre Wettspieleinnahmen bereits höher sind als jene von Las Vegas.
Gleich am ersten Abend in der ehemals portugiesischen Kolonie besuchen wir die Spielhölle schlechthin: das «Venetian Macau», das grösste Casino der Welt. Wir steigen aus dem Taxi, gehen durch einen kitschig geschmückten Gang und gelangen in einen unvorstellbar riesigen Spielsaal. Wir schwärmen aus, und jeder setzt sich hinter einen der unzähligen Automaten oder an die Pokertischchen.
Als mein Portemonnaie leer ist, mache ich mich auf die Suche nach meinen Kollegen. Sie sitzen in einer Beiz und trinken Bier. Es gibt schliesslich nichts Schöneres, als den Abend so ausklingen zu lassen. Auch in Macau.
Von Ausschlafen können wir am nächsten Morgen nur träumen. Denn: Chinesische Zimmermädchen haben es nicht so mit der Geduld – und hämmern so lange an die Zimmertür, bis wir aufstehen. Zum Glück fluchten sie auf Chinesisch – und wir verstehen kein Wort davon.
Auch in den folgenden Stunden steht Action auf dem Programm. Wir schauen uns das «Macau Convention and Entertainment Center» an – ein Vergnügungszentrum mit 338 Meter hohem Fernsehturm. Wir kaufen Tickets und steigen in den Lift, der uns zum höchsten Punkt der Stadt bringt.
Je weiter vom Boden entfernt, desto mulmiger wird uns. Wir sind nämlich nicht gekommen, um die Aussicht zu geniessen – sondern um den tiefsten Bungee-Jump der Welt zu machen. Ich bin nervös. Umkehren? Geht nicht. Die Guides ziehen uns ruckzuck die Gschtältli an, führen uns aufs Podest, befestigen das Seil – und schubsen uns 223 Meter in die Tiefe. So läuft das in Macau.