Unterwegs mit Schlittenhunden in Lappland 7 Mann, 152 Pfoten und minus 25 Grad

Klirrende Kälte, Winterwunderland und herzige Hundeaugen: Eine Hundeschlitten-Tour durch das Schwedische Lappland ist ein Abenteuer der besonderen Art. Drei harte, aber glückliche Tage im Nirgendwo in der Nähe des Polarkreises. So sahen die Tage aus ...

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7 Uhr Aufstehen mit dem ersten Licht des Tages. Blick auf das Thermometer: minus 25 Grad. Die Blockhütte ist ausgekühlt, Eisblumen zieren die Fensterscheiben. Das Feuer anfachen und in die Thermokleidung schlüpfen. Auf dem Gaskocher Schnee zum Schmelzen bringen – heisses Wasser für Tier und Mensch.

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Brrrr, ist das kalt....

Christian Bauer

7:10 Uhr Frühstück für die 38 Huskys vorbereiten: 20 Kilo Trockenfutter mit warmem Wasser übergiessen. Raus zu den Hunden: eingeringelte Fellknäuele mit Eiskristallen auf den Wimpern. Sie riechen ihre Morgensuppe und stürzen sich darauf. Schweigsam – die Kälte steckt auch den harten Huskys in den Knochen.

7:30 Uhr Die Sonne schaut hinter den Hügeln hervor und bepinselt die blauen Bäume mit goldenen Spitzen. Wunderschön.

8:30 Uhr Frühstück: heisser Preiselbeersaft, Kaffee, Knäckebrot mit gesalzener Butter und Käse. Die Hütte ist mittlerweile etwas aufgewärmt. Dennoch sind wir froh um unsere Thermohosen  – die Kälte ist ein mächtiger Geselle.

9:00 Uhr Zusammenpacken, aufräumen. Seesäcke, Kanister, Essen, Hundefutter und Fressnäpfe in den Hundeschlitten verstauen. Die Hunde werden nervös. Sie freuen sich, dass sie bald durch den Schnee pflügen dürfen – ihre Lieblingsbeschäftigung.

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Gehts endlich los?

Christian Bauer

9:30 Uhr Die Hunde vorbereiten. Manche bekommen zum Schutz der Pfoten kleine Plastikschuhe. Mittlerweile können sich die Schlittenhunde nicht mehr halten. Aus 38 Kehlen bellt, heult und jault es. Ein Höllenlärm. Dennoch helfen die Schneerenner artig mit, wenn wir ihnen ihre «Gstältli» anziehen und sie an die Führungsleine binden.

10:30 Uhr Los gehst durch die zauberhaft schöne Winterwunderwelt Lapplands. Die Hunde sind kaum zu bändigen: Voller Lebensfreude rennen sie durch den jungfräulichen Schnee. Vorbei geht es an verschneiten Tannen, die aussehen wie riesige Zwerge mit Zipfelmützen, über verschlafene Sümpfe und immer wieder zugefrorene Seen. Die Hunde verfallen in einen gleichmässigen Tramp. Dann ist Hundeschlitten-Fahren der reinste Chill-out – auch wenn die eisige Kälte die freien Hautstellen quält (und das Metall der vereisten Kamera die Nasenspitze des Autors gefrieren lässt). Egal, die Sonne lacht von einem blauen Himmel. Magie.

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Endlose Weite: Mit dem Hundeschlitten durch Schwedisch Lappland ist ein Chill-out auf Kufen.

Christian Bauer

13:00 Uhr Pause irgendwo im Nirgendwo. Die Hunde verschlingen einen Happen gefrorenes Fleisch, die Menschen einen «Schoggiriegel» und einen Schluck heissen Tee.

15:30 Uhr Ankommen bei der Hütte. Schlitten befestigen, Hunde ausschirren, Schühchen ausziehen, das gesamte Material zum Auftauen in die Hütte schleppen. Nun teilen wir die Arbeiten auf:

  • Holzhacken und Feuer machen – die Hütte ist tiefgefroren.
  • Die Sauna von minus 20 Grad auf etwa 60 Grad aufheizen.
  • Für fliessendes Wasser: Loch im See bohren.
  • Suppe und Tee zum Aufwärmen kochen.
  • Das Essen für die Hunde vorbereiten. Ein Mix aus Fleisch und Trockenfutter, aufgegossen mit warmem Wasser, damit die Huskys genügend Flüssigkeit bekommen.

17:00 Uhr Mittlerweile plagt der Hunger. Endlich gibt es die verdiente Suppe mit Knäckebrot. Die Hütte ist noch kalt, wir sitzen in unseren Jacken am Tisch. Die Hunde schlafen und träumen von ihrem Essen, das erst noch vollständig auftauen muss. Auch wir kuscheln uns in die dicken Schlafsäcke und erholen uns vom schönen, aber anstrengenden Tag. Dabei vergessen wir das Saunafeuer und müssen nochmals fast von vorn beginnen.

19:00 Uhr Das Huskyfutter ist aufgetaut. Welch‘ eine Freude bei unseren Hunden, die wir sofort ins Herz geschlossen haben! Nach lautem Gemampfe kehrt wieder Ruhe ein. Jeder Hund hat sich eine kleine Schlafmulde im Schnee gebuddelt.

19:30 Uhr Ab in die Sauna und dann noch «füdliblutt» in den Schnee. Brrrr....

20:30 Uhr «Znacht» – aufgewärmtes Chili con Carne, das in dem riesigen Outdoor-Kühlschrank, in dem wir den ganzen Tag unterwegs sind, tiefgefroren ist. Bei Kerzenschein und Stirnlampengeflimmer erzählen wir uns Geschichten von vergangenen Abenteuern. Ein letzter Blick zum Sternenhimmel. Vielleicht sind heute Nordlichter zu sehen? Und dann früh ins Bett – hundemüde und überglücklich.

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Tanzende Seelen, wie die nordischen Völker behaupten, oder nur leuchtende Atome? Nordlichter sind ergreifende Naturphänomene.

Christian Bauer

 

Informationen

Programm
Die Husky-Touren werden von den Schweizern Simone Mendelin und Juerg Eugster angeboten, die in Schwedisch Lappland ihren Husky-Traum mit ihrer Firma «Wildact Adventure» verwirklicht haben. Das einwöchige Programm sieht folgendermassen aus:

  • Montag: Einführung und zweistündige Schnuppertour.
  • Dienstag: Tagestour mit Mittagessen. --> An beiden Tagen Übernachtung auf der Huskyfarm.
  • Mittwoch bis Freitag: Dreitagestour mit Übernachtung in einfachen Hütten (beschriebener Tag).
  • Samstag: zur freien Verfügung. Möglichkeit zum Eisfischen oder Schneeschuhtour.
  • Sonntag: Abreise

Information und Buchung
Das Angebot von Wildact kann als Paket inklusive Flug bei Glur Reisen gebucht werden. www.glur.ch

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Publiziert am 16.02.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
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