Trautes Heim 2030 So wohnen Sie in 20 Jahren

  • Publiziert: 26.01.2012, Aktualisiert: 27.01.2012
  • Text Christian Maurer, Illustrationen Igor Kravarik

Die Zukunftsforscher von Swissfuture haben vier Szenarien entwickelt, wie die Menschen in der Schweiz im Jahr 2030 wohnen könnten. Ein exklusiver Blick in die Zukunft mit dem SonntagsBlick magazin.

Szenario 1: Ego-Schweiz

Medianlohn 8500 Franken/Monat
Arbeitslosigkeit 3,5 %
Einwohnerzahl 9,5 Mio.
Bevölkerungswachstum durch Einwanderung 45 000/Jahr
Referenzzinssatz für Mietwohnungen 4 %
Wohnungsbelegung 2 Personen
Geburtenrate 1,5 Kinder/Frau

Dank einer florierenden Wirtschaft, eines hohen Ausbildungsniveaus und einer rasanten Globalisierung kann sich ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung einen aufwendigen Wohn- und Lebensstil leisten. Man hat etwa eine riesige, mit dem besten Equipment von den berühmtesten Designern ausgestattete Küche, kocht dort aber kaum, weil man oft im Restaurant isst oder bei Einladungen einen Cateringservice benützt. Man hat ein gestyltes Schlafzimmer mit grossem Bett und integrierter Multimedia-Technik, lebt aber die meiste Zeit als Single und übernachtet an verschiedenen Orten. Das Wohnzimmer böte genug Platz für eine Party, doch man empfängt eher selten Gäste zu Hause; man geht lieber mit ihnen aus.

Szenario 2: Konflikt-Schweiz

Medianlohn 7000 Franken/Monat
Arbeitslosigkeit 9 %
Einwohnerzahl 8,7 Mio.
Bevölkerungswachstum durch Einwanderung 22 000/Jahr
Referenzzinssatz für Mietwohnungen 6 %
Wohnungsbelegung 2,4 Personen
Geburtenrate 1,2 Kinder/Frau

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig, soziale Konflikte nehmen zu. Wer Geld hat, lebt in einem umzäunten Ghetto für Reiche. Alle anderen in heruntergekommenen Quartieren und Dörfern. Die Hypozinsen sind sprunghaft gestiegen, der Mittelstand kommt unter die Räder. Wegen der ökonomischen Stagnation schrumpfen die Löhne, steigt die Arbeitslosigkeit, und Kinder sind ein Armutsrisiko. Immer mehr Leute können sich die Wohnung auch in sanierungsbedürftigen Häusern kaum mehr leisten, statt in eigenen Zimmern zu leben, müssen Kinder mit Kajütenbetten im Wohnzimmer auskommen, die Eltern mit einem Bettsofa.

Szenario 3: Öko-Schweiz

Medianlohn 8000 Franken/Monat
Arbeitslosigkeit 2 %
Einwohnerzahl 9,5 Mio.
Bevölkerungswachstum durch Einwanderung 35 000/Jahr
Referenzzinssatz für Mietwohnungen 5 %
Wohnungsbelegung 2,3 Personen
Geburtenrate 1,8 Kinder/Frau

Allen geht es gut. Und alle sind zufrieden. Dank steigender Löhne sind höhere Hypothekarzinsen kein Problem. Der generelle Optimismus lässt sogar die Geburtenrate ansteigen – endlich hat die Schweiz wieder Kinder! Das Familienleben ist ein zentraler Wert in der Bevölkerung, in der Villa Kunterbunt des ökologisch bewussten Schweizers. Nicht Design und viel Platz sind wichtig, sondern Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Die Wirtschaft floriert trotzdem, der Schweizer kann sich ein Leben, geleitet von sozialen und ökologischen Werten, leisten. Die breite Mittelschicht wächst, und ökonomische oder gesellschaftliche Konflikte gibts nicht.

Szenario 4: Angst-Schweiz

Medianlohn 5000 Franken/Monat
Arbeitslosigkeit 8 %
Einwohnerzahl 7,9 Mio.
Bevölkerungswachstum durch Einwanderung 0/Jahr
Referenzzinssatz für Mietwohnungen 3 %
Wohnungsbelegung 2,5 Personen
Geburtenrate 1,2 Kinder/Frau

Die Schweiz verarmt: Die Löhne sinken, die Arbeitslosigkeit steigt. Die Leute haben Mühe, ihre Miete zu bezahlen. Fast jeder unterhält irgendwo einen Garten und versucht sich als Selbstversorger. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist prekär: Wohnungen sind teuer, klein und überfüllt – trotz ausufernder staatlicher Eingriffe. Den Schweizern gehts immer schlechter, und sie haben berechtigte Angst, dass es ihnen bald noch schlechter gehen wird. In ihrer Wohnung richten sie darum rückwärtsgewandte Idyllen ein – neue Möbel sehen aus wie aus dem 19. Jahrhundert, auf Tischen und Kommoden liegen gehäkelte Schutzdecken. Vieles ist selbst gemacht, von den Möbeln bis zur notdürftigen Instandstellung der ganzen Wohnung. Das Schutz- und Sicherheitsbedürfnis ist so gross, dass viele Eltern das Kinderzimmer mit Schaumstoff auskleiden, damit sich die Kleinen nicht verletzen können.

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