Ratgeber Medizin Was Sie über Ritalin wirklich wissen sollten!

  • Publiziert: 07.12.2011, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Franca Siegfried

Der Zappelphilipp aus dem «Struwwelpeter» würde heute Ritalin schlucken: Fünf von 20 Schulkindern nehmen das Medikament gegen Hyperaktivität (ADHS). Doch dieTherapie lässt viele Fragen offen.

Wofür steht ADHS?
«Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung», eine psychiatrische Diagnose, auch «Zappelphilipp-Syndrom».

Was sind die Symptome?
Hyperaktive Kinder lassen sich extrem leicht ablenken, machen viele Flüchtigkeitsfehler und sind vergesslich. Vor innerer Unruhe hält es sie kaum auf dem Stuhl. Viele reden wie ein Wasserfall und haben grosse Probleme mit anderen Kindern und Erwachsenen. Im Kindergarten oder in der Schule fallen sie auf, weil sie normale Anforderungen nicht erfüllen können. Meist fühlen sich die Eltern schuldig und zweifeln an ihren erzieherischen Fähigkeiten.

Wie erkennt man ADHS?
Es gibt keine einfachen Tests für ADHS. Eine Funktionsstörung der Schilddrüse kann sich ähnlich auswirken. Zur Diagnose braucht es neuropsychologische Untersuchungen sowie Gespräche mit Familie und Lehrern.

Was sind die Ursachen?
Das wissenschaftliche Erklärungsmodell sieht ADHS als Störung des Botenstoff-Kreislaufs im Gehirn, die auch genetisch bedingt sein kann. In Wechselwirkung mit Umweltfaktoren führt sie zur Ausbildung des Syndroms: etwa bei ungünstigen Bedingungen während der Schwangerschaft (Nikotin/Alkohol) oder in besonders schwierigen Familienverhältnissen. Auch die Ernährung spielt eine Rolle.

Wie viele Kinder leiden an ADHS?
Fünf Prozent, in einer Klasse mit 20 Kindern gibt es im Durchschnitt eines mit einer eindeutigen Diagnose. Allerdings werden insgesamt bis zu fünf Kinder mit dem Medikament Ritalin ruhiggestellt.

Hilft Ritalin?
Eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin unter ärztlicher Aufsicht, kombiniert mit Psychotherapie und sozialpädagogischer Familienbegleitung, kann die Lebensqualität von Kindern und Eltern verbessern. Ritalin beeinflusst die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Obwohl Ritalin seit 1956 auf dem Markt ist, kann die Hirnforschung immer noch keine umfassende Studie über Langzeitwirkung vorweisen.

Geht es auch ohne Medikamente?
Eine aktuelle holländisch-belgische Studie belegt, dass drei Viertel der Kinder gut auf eine individuell abgestimmte Diät reagieren. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung ohne Zucker, ohne Farb- und Konservierungsstoffe von industriell gefertigten Lebensmitteln. Der Neurobiologe Professor Gerald Hüther der Universität Göttingen (D) hat eine Therapie entwickelt, die gänzlich ohne Medikamente auskommt: Kleine Gruppen von ADHS-Kindern leben für mehrere Wochen auf einer Alp und werden von ADHS-Coach psychologisch begleitet.

Weitere Infos unter www.sinn-stiftung.eu und www.elpos.ch

play Ritalin steigert die Konzentrationsfähigkeit. (Rick Gomez/Corbis)

Top 3

1 Ratgeber «Wie finde ich heraus, ob mein Freund kokst?»bullet
2 Ratgeber Hilft Traubenzucker bei der Prüfung?bullet
3 Ratgeber «Meine Schwester ritzt sich»bullet

Ratgeber