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In meiner Familie wiederum zählt nur das Materielle; zudem ist auch mein Vater sehr dominant. So waren eigentlich weder mein Mann noch ich entscheidungsfähig, als wir heirateten.
Vor zwei Jahren erlitt ich einen Zusammenbruch. Ich hatte im Betrieb voll gearbeitet, das Haus besorgt und für wichtige Kunden Essen ausgerichtet. Zudem fühlte ich mich sehr allein. In dieser Situation verliebte ich mich in einen unserer Kunden. Er ist wenig jünger als mein Mann und alleinstehend.
Als mein Schwiegervater es merkte, beschimpfte er mich so, dass ich die Arbeit aufgab und mit den Kindern in eine eigene Wohnung zog. Danach verlor ich den Boden unter meinen Füssen, unser Betrieb war auch mein Mittelpunkt gewesen. Seit der Trennung habe ich ein viel besseres Verhältnis mit meinem Mann. Wir sind wie Geschwister, verstehen uns blind, haben aber keinen Sex mehr.
Seit einem Jahr arbeite ich wieder im Betrieb, weil mein Nachfolger nichts taugte und mein Mann unter der Arbeitslast fast zusammenbrach. Zudem ist der Schwiegervater aus der Firma ausgeschieden. Zum Freund bin ich nie gestanden. Weil ich glaube, dass man die Familie nicht zerstören darf; und weil ich Angst habe, mich auf etwas Neues und auf die Liebe einzulassen. Ich machte immer wieder Schluss mit ihm und fing dann doch wieder an.
Er machte zwei Jahre mit, aber jetzt hat er genug. Er gab mir zwei Monate Zeit für eine endgültige Entscheidung. Aber ich kann das nicht. Ich mag fast nicht mehr, es kostet mich jeden Tag viel Überwindung aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Kommt dazu, dass auch mein Mann wieder mit mir und den Kindern leben möchte.
Aber ich fürchte, dass ich das nicht bewältige: die Kinder, die Firma und ein Mann, den ich halt nur gut mag. Ich denke oft an den Freund, komme aber von meinem Mann nicht los.
ANGELA
Liebe Angela
Du bist offenbar auch nach acht Jahren Ehe nicht entscheidungsfähig. Wenigstens sind die dominanten Väter aus dem Spiel.
Deine Situation ist heute um einiges komfortabler als seinerzeit vor deiner Heirat: Zwei offenbar umgängliche Männer möchten mit dir leben. Wobei der Freund vielleicht zufrieden wäre, wenn du dich zu ihm bekennen würdest.
Du setzst dich unnötig selbst unter Druck: Die Firma, bzw. die Arbeit dort, die dir fehlte, hast du dir zurückerobert. Mit dem Ehemann lebst du heute eine innige Freundschaft. Die Kinder machen offenbar keine Probleme... Für dich ist doch alles im Lot!
Du brauchst dich vom Vater deiner Kinder nicht loszusagen, im Gegenteil: Vermutlich hält eure Geschwisterliebe ein Leben lang.
Du brauchst ihm bloss beizubringen, dass du in deiner Wohnung bleiben möchtest.
Was den Freund betrifft, glaube ich nicht, dass dich Angst vor der Liebe hindert, dich ganz auf ihn einzulassen. Es ist einfacher: Du liebst ihn nicht.
Eliane Schweitzer.