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Meine Frau (46), mit der ich (55) seit elf Jahren zusammen bin, verliebte sich vor zwei Jahren bis über beide Ohren in einen Kollegen. Ich fand, wenn es nur sexuell sei, könne ich es aushalten. Sie beteuerte aber, es sei nichts vorgefallen. Und als er ihr sagte, er erwidere ihre Gefühle nicht (ich hatte verlangt, dass sie danach fragt), war die Sache für mich erledigt.
Letztes Jahr merkte ich, dass sie manchmal den Orgasmus vortäuscht. Sie sagte nach langem Nachdenken, sie habe die Lust nach meiner Vasektomie verloren. Seither stimmt es für mich
sexuell nicht mehr. Sie hat nichts dagegen, wenn ich mich anderweitig für Sex umsehe. Aber plötzlich heisst es, sie selbst könne Gefühle und Sex nicht trennen. Wenn sie sexuell untreu würde, sei unsere Ehe gefährdet. Seither fühle ich mich im falschen Film.
Harry
Lieber Harry
Du bist immer im selben Film. Aber wenn deine Frau und du nicht endlich von euren verletzten Gefühlen redet, anstatt nach sexuellen Lösungen zu suchen, wird es in dieser Besetzung kein Happy End geben.
Wenn deine Frau dir vorschlug, dich sexuell auswärts zu befriedigen, sind ihre Gefühle für dich bereits erkaltet.
Eure Ehekrise ist ja nicht neu! Sie begann vor zwei Jahren, als sie sich in einen andern verliebte. Und du vollkommen falsch reagiertest. Anstatt den Rivalen zu bekämpfen und deine Frau zurückzuerobern, gabst du dich grosszügig.
Du bagatellisiertest damit nicht nur die Macht der Erotik, sondern auch ihre Gefühle für den andern. Damit, dass du sie auch noch zwangst, sich bei ihm eine Abfuhr zu holen, war «die Sache» nur für dich abgehakt. Es wird deine Unfähigkeit sein, auf ihre Gefühle einzugehen, was dich als Mann unattraktiv machte, nicht die Vasektomie.
Sie sucht Liebe, nicht sexuelle Abwechslung. Sprich mit ihr darüber, wie ihr den Weg zueinander wieder finden könnt. Vielleicht ist es nicht zu spät. Höchste Zeit ist es auf jeden Fall.