Grotesk, aber nützlich Plüsch-Roboter tröstet Alte

  • Publiziert: 10.30 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Franziska Agosti

Demenzkranke sind meist einsam und liebesbedürftig. Jetzt spenden ihnen Roboter in Form von Plüschrobben Trost. Mit Erfolg, wie Tests beweisen.

Paro heisst der Kuschel-Roboter aus Japan. Bei alten Menschen ist er im Land mit der Vorliebe für futuristische Spielzeuge schon lange beliebt. Jetzt haben ihn auch die Bewohner eines Altersheims in Deutschland ins Herz geschlossen. Obwohl am Anfang der Gedanke von Senioren, die mit Spielzeug-Robotern getröstet werden, auf grosse Empörung stiess.

Das Experiment wagten nur die Maternus-Kliniken, eine Kette von privaten Pflegeheimen in Deutschland. Sie testeten für den japanischen Robotikforscher Takanori Shibata die Robbe und kamen zu erstaunlichen Resultaten.

Das «Haustier» wird zum Gesprächsthema

Jeder zweite Bewohner der Demenzgruppe glaubte, die Plüschrobbe sei lebendig, sie lobten und tadelten ihr «Haustier» und glaubten, dass es sie persönlich kenne. Weil «Paro» zum Gesprächsthema wurde, verbesserte sich auch der verbale Austausch unter den Patienten.

Bei einigen Alzheimer-Betroffenen hatte die neue Anteilnahme sogar den Effekt, dass die Dosis der Medikamente gesenkt werden konnte. Weil sie für «Paro» so viel Gefühle zeigten, vergassen sie nie, sie zu bürsten oder vor dem Schlafengehen gut zuzudecken.

Zudem entspannten sich die Patienten durch das Spielen nachweislich. Ihr Urin enthielt weniger vom Abbauprodukt des Stresshormons Cortisol. Kein Wunder, der Robben-Roboter erzeugt durch seine Technik eine perfekte Illusion.

Die Robbe winselt, schmatzt und knurrt

«Paro» ist mit Dutzenden Sensoren ausgestattet. Die können zwischen Tag und Nacht unterscheiden, reagieren auf Streicheleinheiten und können 50 Stimmen unterscheiden. Ein Computer im Bauch des Kuscheltieres stimuliert aufgrund von eintreffenden Impulsen die Bewegungen von Flossen, Hals und Augenlidern. «Paro» winselt, schmatzt und knurrt, je nachdem wie er behandelt wird.

Noch lässt sich die therapeutische Wirkung von der Kuschel-Robbe nicht eindeutig nachweisen. Auch Barbara Klein von der Fachholschule Frankfurt am Main interessiert sich für «Paro». Sie stellt aber fest: «Selbst wenn das Forschungsresultat eindeutig wäre, ist ein Roboter kein Allheilmittel.» In den meisten Heimen fehle es an ausreichenden Betreuungsangeboten, das könne keine Robbe wettmachen.

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