Heuschrecken statt Rindfleisch

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Franziska Agosti
Das sollen wir essen: das Insekten-Sandwich.- Gonzalez/Laif

Gegrillte Raupen oder lieber gedämpfte Heuschrecken an Madeira-Sauce? Insekten essen ist sinnvoller als Schweine und Rinder mampfen. Das meinen Forscher – ganz im Ernst.

Nicht rauchen, cholesterinarm essen, Folsäure im Gipfeli. Wir mussten schon viele Gesundheitskampagnen über uns ergehen lassen. Die neuste könnte die Menschheit vor dem Hunger retten, aber sie ist Ekel erregend: Wir sollen Insekten essen! Die grauslichen Viecher enthalten wertvolle Nährstoffe und ihre Zucht ist weniger schädlich für den Planeten als Rinderfarmen.

Forscher der amerikanischen Ohio State University sehen in Insekten eine Art Viehbestand im Mini-Format. Und auch die Uno setzt auf Sechs- und Achtbeiner. Die Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) hat anfangs Jahr einen Vorschlag zur Bekämpfung des Hungers mit Insekten gemacht: Laut einer von ihr getätigten Studie könnten Insekten wegen ihres hohen Nährwerts die Lebensmittelversorgung deutlich verbessern.

Denn 100 Gramm getrocknete Raupen enthalten 53 Gramm Proteine. Raupen sind reich an Mineralien und enthalten viel Kalzium, Zink, Kalium, Magnesium und Eisen sowie zahlreiche Vitamine. Bereits 100 Gramm
decken den Tagesbedarf an Mineralien und Vitaminen.
Die Vorstellung Raupen zu essen ist eklig, doch nur der Westen hat ein Problem damit.

Wissenschaftler der «National Atonomous University» in Mexico registrierten, dass in 113 Ländern über 1700 verschiedene Insekten verspeist werden. Für die Mexikaner ist die Vorstellung Käfer zu verdrücken auch nicht so entsetzlich. Denn in Luxusrestaurants in Mexico-City werden die Larven eines Riesen-Schmetterlings als Delikatesse serviert.

Kulturelle Abneigung hin oder her. Die US-Forscher wollen, dass wir die Tiere essen. Nicht nur wegen den Nährstoffen. Sie sehen eine Chance für die bedrohten Wälder. Wer Insekten züchtet, braucht dazu Bäume und pflegt sie.

Anders die Rinderzüchter. Sie roden Wald, damit ihr Vieh auf dem Boden weiden kann. Auch Pestizide würden sparsamer verwendet. Thailand hat schon Erfahrung. Das Land hatte eine Heuschrecken-Plage. Insektenvertilgungsmittel halfen nicht weiter. Da rief die Regierung die Bevölkerung dazu auf, die Viecher zu essen . Und siehe da. Die Plage ging vorbei.

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