Er fordert: Politiker, nehmt Depressionen ernst!

  • Publiziert: 17.04.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Roman Neumann

ZUG – Eine Depression kann jeden treffen. Und die Krankheit wird sich bald hinter Herz- und Kreislaufkrankheiten zur Volkskrankheit Nr. 2 aufschwingen. Dagegen kämpft Selbsthilfe-Pionier John P. Kummer.

Fast jeder zweite Schweizer erkrankt irgendwann in seinem Leben an einer psychischen Störung. Das sind viele. Zu viele findet der Zuger Unternehmer John P. Kummer. Er litt jahrelang an Depressionen und forderte den Staat wiederholt dazu auf, die Bevölkerung aufzuklären und das Gespenst Depression endgültig zu entstigmatisieren.

«Eine Depression kann jeden treffen», sagt der 81-Jährige. «Und es ist eine ungeheure Ungerechtigkeit, dass psychische Krankheiten nicht mit körperlichen Krankheiten gleichgesetzt werden». Viel spräche für das Anliegen des Zuger Unternehmers, der den Menschen die Angst vor dem Umgang und der Behandlung mit der Depression nehmen will.

Es würde Kosten sparen

Denn die Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung würde Kosten sparen – und zwar massiv. Eine Studie der Uni Zürich besagt, dass Gehirnerkrankungen jährlich 15 Milliarden Kosten verursachen. Grösster Anteil daran: Depressionen. «Nur ein Bruchteil dieser Summe würde genügen, um besser aufzuklären», so Kummer.

«Viele Menschen wissen nicht, wie mit der Erkrankung umgehen – die Hälfte geht nicht zum Arzt», sagt Kummer. Und ein Gang zum Psychiater werde immer noch als Schwäche angesehen. Die Nichtbehandlung der Patienten kostet wesentlich mehr: IV-Renten, Arbeitsausfälle – vieles davon vermeidbar, wenn die Krankheit richtig erkannt und behandelt werde.

Buch schafft Abhilfe

Abhilfe schaffen will John P. Kummer schon lange. Er ist Mitgründer der grössten Selbsthilfeorganisation für Depressionen, Equilibrium, und hat nun ein Buch über Depressionen geschrieben. Co-Autor ist Fritz Kamer, ein Angehöriger eines Betroffenen.

Das Buch richtet sich nicht nur an Betroffene. Es ist einerseits ein Mutmacher, andererseits ein Ratgeber für indirekt Betroffene oder – zum Beispiel – auch für Arbeitgeber.

Es ist eigentlich für alle, sagt Kummer. Denn auch das Bundesamt für Gesundheit warnt: Es kann jeden treffen. Und Depressionen sind die Hölle: «Ein selbst betroffener Arzt hat mal gesagt, der psychische Schmerz, den er in der Depression erlebt habe, sei schlimmer gewesen als alles, was er bei seinen Patienten erlebt habe», erzählt Kummer. Und er muss es wissen.

Symptom-Checkliste Depressionen

Ich fühle mich energielos, müde oder gar erschöpftIch bin langsam geworden in meinen täglichen VerrichtungenIch habe grosse Mühe, einfache Dinge zu erledigenIch kann mich schlecht konzentrierenIch habe keine InitiativeIch habe SchlafstörungenIch habe SchmerzenIch bin traurig, fühle mich unglücklich, missgelauntIch habe keinen AppetitIch fühle mich eingesperrtIch fühle mich innerlich leerIch bin unruhig, habe Ängste

Im Interview

Herr Kummer, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Das Buch soll einerseits ein Mutmacher und Ratgeber für Betroffene sein, andererseits auch aufrütteln. Denn Depressionen betreffen nicht nur die Kranken selber, sondern auch ihr Umfeld und noch wichtiger: Die ganze Gesellschaft.

Inwiefern?
Weil durch Depressionen der Schweiz ein immenser Volkswirtschaftlicher Schaden entsteht! Durch Arbeitsausfälle, IV-Renten und Suizidversuche. Da Depressionen noch immer stigmatisiert sind in der Gesellschaft lassen sich die Betroffenen oft nicht helfen, die Krankheit wird immer schlimmer und schliesslich chronisch.

Trägt die Wirtschaftskrise dazu bei?
Absolut! Viele Menschen haben ihre Stelle verloren, das bedeutet zusätzlichen Stress – der Nährboden für eine Depression.

Was sollte die Politik tun?
Das Problem endlich ernst nehmen. Denn die Depression wird sich, so sagt es die WHO, in zehn Jahren zur Volkskrankheit Nr. 2 entwickeln. Die Schäden sind enorm. Man könnte sich ein Beispiel am Ausland nehmen. An Schottland. An England, Südafrika, Neuseeland. All diese Länder tun etwas dafür. Nur wir fast nichts.

Das Buch

Depression – was tun?
Softcover, 170 Seiten
CHF 22.- / € 15.- + Versandkosten

Bestellung per Tel. +41 757 07 66
Bestellung per Fax +41 766 48 09
Bestelltung per E-Mail: espera@consol.ch

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