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Fast jeder zweite Schweizer erkrankt irgendwann in seinem Leben an einer psychischen Störung. Das sind viele. Zu viele findet der Zuger Unternehmer John P. Kummer. Er litt jahrelang an Depressionen und forderte den Staat wiederholt dazu auf, die Bevölkerung aufzuklären und das Gespenst Depression endgültig zu entstigmatisieren.
«Eine Depression kann jeden treffen», sagt der 81-Jährige. «Und es ist eine ungeheure Ungerechtigkeit, dass psychische Krankheiten nicht mit körperlichen Krankheiten gleichgesetzt werden». Viel spräche für das Anliegen des Zuger Unternehmers, der den Menschen die Angst vor dem Umgang und der Behandlung mit der Depression nehmen will.
Denn die Akzeptanz psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung würde Kosten sparen – und zwar massiv. Eine Studie der Uni Zürich besagt, dass Gehirnerkrankungen jährlich 15 Milliarden Kosten verursachen. Grösster Anteil daran: Depressionen. «Nur ein Bruchteil dieser Summe würde genügen, um besser aufzuklären», so Kummer.
«Viele Menschen wissen nicht, wie mit der Erkrankung umgehen – die Hälfte geht nicht zum Arzt», sagt Kummer. Und ein Gang zum Psychiater werde immer noch als Schwäche angesehen. Die Nichtbehandlung der Patienten kostet wesentlich mehr: IV-Renten, Arbeitsausfälle – vieles davon vermeidbar, wenn die Krankheit richtig erkannt und behandelt werde.
Abhilfe schaffen will John P. Kummer schon lange. Er ist Mitgründer der grössten Selbsthilfeorganisation für Depressionen, Equilibrium, und hat nun ein Buch über Depressionen geschrieben. Co-Autor ist Fritz Kamer, ein Angehöriger eines Betroffenen.
Das Buch richtet sich nicht nur an Betroffene. Es ist einerseits ein Mutmacher, andererseits ein Ratgeber für indirekt Betroffene oder – zum Beispiel – auch für Arbeitgeber.
Es ist eigentlich für alle, sagt Kummer. Denn auch das Bundesamt für Gesundheit warnt: Es kann jeden treffen. Und Depressionen sind die Hölle: «Ein selbst betroffener Arzt hat mal gesagt, der psychische Schmerz, den er in der Depression erlebt habe, sei schlimmer gewesen als alles, was er bei seinen Patienten erlebt habe», erzählt Kummer. Und er muss es wissen.