Spielsucht Die Ostschweiz macht mobil

ST. GALLEN – In 19 Casinos kann hierzulande bereits gezockt werden. Und am Flughafen Zürich ist ein weiterer Glücksspieltempel geplant – Gift für Süchtige. Doch sechs Kantone präsentieren nun einen neuen Präventions-Plan.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Wer die Finger nicht mehr vom Roulette lassen kann: Unter <a href="http://www.sos-spielsucht.ch">www.sos-spielsucht.ch</a> gibt es Hilfe. Auch für Angehörige von Spielsüchtigen.- Reuters

Rund 120000 Personen in der Schweiz sind spielsüchtig. Rund 80 Prozent davon sind Männer. Die Suche nach dem Risiko geht nicht nur ins Geld: Auch die Partnerschaft, der Arbeitsplatz und die gesamte Lebensgrundlage stehen auf dem Spiel, betont Herbert Bamert, Beauftragter für Suchtfragen des Kantons St. Gallen.

Die Ostschweizer Kantone St. Gallen, Glarus, Graubünden, Thurgau und beide Appenzell haben das wachsende Problem erkannt. Gemeinsam wurde deshalb ein Konzept gegen die Spielsucht erarbeitet. Mit der Umsetzung wurde die Perspektive Thurgau beauftragt. Die Betriebskosten von rund 65000 Franken im Jahr werden aus Mitteln der Interkantonalen Landeslotterie Swisslos finanziert.

Hilfe aus dem Internet
Es brauche Aufklärung und eine Sensibilisierung für die Risiken von Glückspielangeboten, sagte Christa Bot, Projektleiterin der Kampagne «Gesetzt! Verspielt! Verschuldet?». Spielsüchtige und deren Angehörige haben nun die Möglichkeit, sich über die Internetseite www.sos-spielsucht.ch Rat zu holen. Auf einer Helpline 0800 040 080 erhalten Betroffene eine professionelle und anonyme Erstberatung. Die Suchtfachstellen der Kantone bieten zudem weiterführende Beratungen und vertrauliche Gespräche an.

Damian Caluori, Leiter der Beratungsstelle für Suchtfragen Appenzell Ausserrhoden, schilderte seine Erfahrungen aus der Praxis. Zurzeit berät seine Stelle fünf Spielsüchtige bei insgesamt 130 Langzeitberatungen. «Die Zahl steigt. Vor fünf Jahren haben wir noch keinen einzigen Spielsüchtigen beraten», so Caluori.

Spielsperren
«Wir sprechen jeden Tag eine Person in unserem Casino auf ihr Suchtverhalten an», sagt Massimo Schawalder, Direktor der Grand Casino St. Gallen AG. 300 Personen sind beim Casino St. Gallen mit einer Spielsperre belegt. «250 davon sind freiwillig», erklärte Schawalder. Die Sperren können frühestens nach einem Jahr wieder aufgehoben werden. Für viele Betroffene sei es aber sinnvoll, sich über Jahrzehnte daran zu binden, meint Caluori. Zurzeit sind in der ganzen Schweiz 23000 Personen mit einer Spielsperre belegt. (SDA/gsc)

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