«Scheisskerle»-Autor im Chat und Video-Interview «Monogamie ist kein Konzept der Natur»

  • Publiziert: 26.03.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

ZÜRICH – Warum fallen Frauen immer auf die gleichen Kerle rein? Roman Maria Koidl, Autor des Buches «Scheisskerle», erklärts im Video-Interview und im Chat.

LESEN SIE AUCH DAS GROSSE INTERVIEW AM SAMSTAG IM BLICK

Hier das Chat-Protokoll:

Roman Maria Koidl:
Hallo, herzlich Willkommen zu 30 Minuten Chat über «Scheisskerle», mein neues Buch, Ihr Roman Maria Koidl

Regula, Winterthur: Ich falle auch immer wieder auf Mänenr rein. Wie erkenne ich einen Scheisskerl?          
Roman Maria Koidl: Salut Regula, ein Tipp dazu: erzählen Sie doch die Story mit dem neuen Kerl einer guten Freundin. Wenn Sie sich dann selber reden hören, wie er so ist, dann glauben Sie sich doch selbst. Viele Frauen erzälen die Story zutreffend einer Freundin, ziehen aber nicht die richtigen Schlüsse daraus. Es ist eben doch meist so, wie es klingt und nicht besser!

Claudia Wermut, Basel: Ich glaube nicht, dass es Scheisskerle gibt. Einfach spöttisch über ihre Fassade lächeln, und jeder Mann gibt schnell auf. Oder sehen Sie das anders?          
Roman Maria Koidl: hallo Claudia! Spott ist Verachtung. Und Verachtung ist immer, was wir in uns selbst tragen, abgespaltet haben, das nicht integrierte «Selbst» sozusagen. Spott richtet nur Sie selbst und ist nie eine gute Antwort, weil er einem letztlich nicht hilft.

Sabine, Zürich: Wie kann ich einem Mann wie Ihnen trauen, wenn Sie selber schreiben, dass Frauen immer wieder auf Männer reinfallen?          
Roman Maria Koidl: Hallo Sabine! Dann bleiben ja nur noch Frauen übrig, wenn ich Sie richtig verstehe! ;-)

henry, burgdorf: Geben Sie mir einen Gratis-Tipp: Wie kriege ich jede Frau rum?          
Roman Maria Koidl: Hey Henry! Dafür gibt es leider kein Rezept, ich glaube, die Frage ist aber auch nicht so ganz ernst gemeint, oder? :-)

Thomas Schmitt, Glattbrugg: Weshalb glauben auch alle Frauen, das man auf Sie wartet. Die Evolution hat doch gezeigt, dass es eigentlich umgekehrt ist          
Roman Maria Koidl: Nun ja, die Evolution richtet es am Ende immer, oder? :-) Aber im Ernst, wenn es denn so ist, dass Männer einfach der Natur nach «fremdgehen», dann wäre es vielleicht nicht verkehrt, dass auch einfach zuzugeben, oder Thomas? Grüsse!

Hanspeter Keller, Bern: Schreiben Sie doch als zweites ein Buch mit dem Titel «Scheissweiber». Es gibt nämlich auch die umgekehrte Fälle. Nur gilt das dann gleich als sexistisch!          
Roman Maria Koidl: Hallo Hanspeter, wenn Sie mein Buch lesen, werden Sie feststellen, dass es im ersten Teil um Männer und im zweiten Teil um Frauen geht. Viel Spass dabei!

Wiedmer David, Münsingen: Wie kamen Sie auf dieses Thema? Hatten Sie eigene, persöhnliche Erfahrungen?          
Roman Maria Koidl: Welch hintergründige Frage! :-) Klar, ein Autor schreibt auch immer über sich selbst, aber es war schon vor Beginn der Arbeiten an dem Buch klar, dass die häufigste Frage sein wird: bist du selbst ein Scheisskerl? Nun, da könnte man auch fragen, ob Stephen King selbst ein Horror-Freak ist. Also: ich berichte über ein Phänomen unserer Zeit und die Idee dazu kam, als mich mehrere Frauen nacheinander auf dieses Problem privat ansprachen.

Müller, Tom, Zürich: Warum mögen Frauen immer die Kerle die Ihnen Herzschmerz bereiten? Also die Kerle die sie mies behandeln?          
Roman Maria Koidl: Da ist was dran, Tom. das hat damit zu tun, dass die Väter dieser Frauen auch irgendwie abwesend waren, sich nicht wirklich emotional-affirmativ gekümmert haben. Taucht dann so ein badboy auf, dann ist das ein wenig, wie der Sound der Jungend. Deswegen funktioniert das so gut. Aber keine Sorge, die «Guten» haben echte Chancen, insbsondere ab tempo 30 :-)

Felix Kronenberger, Dietikon: Gibts denn gar keine «guten» Kerle? Wenn man Ihre Texte liesst, könnte man meinen, es gäbe nur Scheisskerle.          
Roman Maria Koidl: Es gibt übrigens auch Frauen, die fremd gehen. Das Buch sagt keinesfalls, dass es NUR Scheisskerle gibt, aber wenn ich mir gerade die Schlagzeilen von heute ansehe, dann ist es schon ein bemerkenswertes gesellschaftliches Phänomen

Felix Kronenberger, Dietikon: Kann eine Beziehung überhaupt funktionieren?          
Roman Maria Koidl: Kommt darauf an, wie lange :-)

Petra, Bern: sie schreiben männer können nicht anders als fremdzugehen. ist das nicht arg pessimistisch?          
Roman Maria Koidl: Es ist nich pessimistisch, es ist realistisch. Ich könnte im Umkehrschluss auch fragen, liebe Petra, Sind Sie nicht zu optimistisch? :-)

daniel rauch, jona: Finde super, dass sie Ihre Antworten in mehr als einem Satz weitergeben. Nicht so wie diese möchtegern Schauspieler und Missen usw.          
Roman Maria Koidl: Ich bin eben ein Schreiber, Daniel

Petra, Bern: sind frauen ihrer meinung nach wirklich so stark von den eltern (vater, mutter) beeinflusst?          
Roman Maria Koidl: ja, das ist wirklich so. Und zwar ist es eine gegengeschlechtliche «Beantwortung», die da im Vordergrund steht. Deswegen sind Frauen, im Hinblick auf ihr späteres Beziehungsverhalten mehr vom Vater, Jungs mehr von der Mutter geprägt. Nun ist die Mutterliebe «global». Der Bursche kann machen, was er will, Mami findet ihn immer noch toll. Bei Frauen ist das anders, mithin ein Milliardengeschenk an die Kosmetikindutrie, suchen Frauen doch ein lebenlang nach jener Aufmerksamkeit, die ihnen vom Vater verwehrt oder jedenfalls nicht in jenem Masse gegeben wurde, wie bei Müttern und Söhnen.

Felix Kronenberger, Dietikon: Welchen Typ Frau finden Sie denn am spannendsten?          
Roman Maria Koidl: ich mag facettenreiche Frauen, die eine eigene Welt mitbringen und die mich an dieser Welt teilhaben lassen

Petra, Bern: kann frau sich denn ändern und aus dem teufelskreis ausbrechen? oder sollte sie lieber versuchen den mann zurechtzubiegen ;-)          
Roman Maria Koidl: Beides! Es gibt knallchargen, die ändern Sie nie! Aber es gibt eben doch auch immer «Muster», die in einem selbst verborgen liegen, die dazu führen, dass man sich immer diese Knallchargen aussucht :-)

Maik, Einsiedeln: Bin auch ein Scheisskerl. aber denka dass das auch an den Frauen liegt. Man(n) wird von Frauen zum Scheisskerl gemacht          
Roman Maria Koidl: Neeeee, is klar, Maik. Schuld sind immer die anderen. Ansonsten: alles Schlampen ausser Mutti, ne?

Felix Kronenberger, Dietikon: Kann eine Beziehung überhaupt funktionieren?          
Roman Maria Koidl: ja. mein Buch ist auch Buch über das Erwachsenwerden. Und dazu gehört, dass man sich selbst kennt. Frauen leisten da mehr muss man als Mann zugeben und da schliesse ich mich gar nicht aus. Das fürt zu einer gewissen Diskrepanz, so um die 30. Anders gesagt: man muss die Realität akzeptieren, sich selbst und dann offen mit der eigenen Perönlichkeit auf einen Partner zugehen

Petra, Bern: haben sie eigentlich auch erfahrungen mit schweizer frauen? sind die denn auch so? oder kann man(n) da keine landesunterschiede ausmachen?          
Roman Maria Koidl: Nein, habe ich nicht. ich glaube aber nicht, dass es da grosse Unterschiede gibt. Sie glauben bestimmt, die ganzen Deutschen kommen wegen der Frauen in die CH? Kann sein :-)

Henry, Burgdorf: Eine Nachfrage bitte: Beantworten Sie meine Frage, wenn ich «rumkriegen» durch «erobern» ersetze?          
Roman Maria Koidl: Das scheint mir ein Thema für ein neues Buch zu sein, Henry :-)

Roman Maria Koidl: Das wars für heute. Herzlichen Dank an alle! Ihr Roman Maria Koidl

«Scheisskerle» (Verlag Hoffmann und Campe) von Roman Maria Koidl, 224 Seiten, 31.90 Franken, ist ab sofort im Handel.

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