Sneakerness 2016 Anstehen für den Schuh, der alle überholt

Die Schweiz steht auf Turnschuhe. Morgen fängt in Zürich eine Sneakermesse an, die Tausende von Fans anlockt. Bringt US-Rapper Kanye West einen neuen Sneaker heraus, bricht auch hierzulande Hysterie aus.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Kazu Huggler designt von Frau zu Frau «Ewig Schönes gibt es nicht»
2 Zaubermittel Shapewear Top in Form gemogelt
3 Cooler Trend oder ein Witz? Jetzt trägt Mann Chokers

Mode

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
2 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden

Auf leisen Sohlen pilgern sie dieses Wochenende nach Zürich West. In ihren ledernen Retro-Modellen oder ultraleichte Stoffturnschuhen stellen sie sich ohne zu murren in die Schlange, zahlen die 18 Franken Messe-Eintritt, in der Hoffnung, an der Sneakerness ein gesuchtes Modell zu ergattern. 6500 Besucher werden im Maag-Areal erwartet. Sergio Muster (34), Mitbegründer der Messe, ist vom Erfolg selber überrascht: «Als wir die Sneakerness vor acht Jahren in Bern ins Leben gerufen haben, hätte niemand gedacht, dass sie mal ein Business Case würde.»

Symbol von Status und Gruppenzugehörigkeit

Turnschuhe sind das Begehrteste, was die Modebranche aktuell zu bieten hat. Den Sportplatz haben die angesagten Modelle schon längst verlassen, im Zusammenhang mit Streetwear wird deshalb der englische Begriff Sneaker (abgeleitet vom Wort Schleichen) verwendet. Eine Aura von Dynamik, Athletik und Kraft verströmen die Schuhe aber immer noch. Für Männer sind sie deshalb, was Handtaschen für Frauen sind: ein Symbol von Status und Gruppenzugehörigkeit.

Und: Turnschuhe sind ein Geschäft, das läuft – und sogar die Big Player aus Übersee anlockt. Der amerikanische Riese Foot Looker eröffnet hierzulande eine Filiale nach der anderen: Basel, Biel, Luzern, Bern sind in Planung, und in Zürich folgt mit dem ehemaligen Bernies-Ladenlokal beim Löwenplatz im Sommer bereits ein zweites Geschäft.

Die beiden grossen Namen im Sneaker-Business sind Adidas und Nike. Zahlen veröffentlichen veröffentlichen sie nicht. Auf Anfrage von BLICK sagt Jochen Bauer, Director Originals und NEO von Adidas: «Mit der Wiedereinführung des Stan Smith und des Superstars konnten wir in der Schweiz grosse Erfolge feiern.»

Limitierung als Strategie

Das Comeback des Stan Smith startete der deutsche Sportartikelhersteller damit, dass er den einstigen Tennisschuh 2012 vom Markt nahm. Anderthalb Jahre später, pünktlich zur Fashion Week in New York, brachte Adidas den Schuh zurück. Aber nicht für die breite Masse, nur ausgewählte «Influencer», Leute aus der Showbranche wie Pharrell Williams (43) bekamen ihn geschenkt.

Sneaker4.jpg play
Das Objekt der Begierde: der Yeezy Boost 350, Farbe «Pirate Black». Drei Tage kampierten Hardcore-Fans, sogenannte Sneakerheads, vor der Titolo-Filiale in Bern, um eines der 70 Modelle zu ergattern.  zvb

Verknappung lautet das Marketing-Zauberwort. Mit limitierten Editionen kann in einem übersättigten Markt ein Hype kreiert werden. Die gleiche Strategie funktioniert auch bei den «Yeezy»-Modellen, die US-Rapper Kanye West (38) seit 2014 für Adidas entwirft. Um eines der 70 Stücke erbeuten zu können, die der Berner Sneakerstore Titolo im Angebot hatte, kampierten Hardcore-Fans drei Tage vor dem Laden. Und das im Februar. Im Netz werden Yeezys für bis zu 5000 Franken gehandelt.

Smiling Gecko Konzert play
Soulsänger Seven musste 1990 vier Monate sparen, um sich den Schuh seine grossen Basketball Idols Michael Jordan leisten zu können. Heute besitzt er 316 Paar Nikes und würde keines hergeben.  David Biedert
Auch Schweizer Musiker lieben Sneakers

Der Schweizer Sänger Seven (37) kann über den Yeezy-Hype nur den Kopf schütteln. Für den bekennenden Turnschuhfreak (er besitzt 316 Paar Nikes) ist das konsequente Tragen von Sneakern mehr Lebenseinstellung als Fashionstatement. «Ich trage immer Turnschuhe. Ausser im Bett, im Pool, am Strand und zu Anzügen.»

Auch Claudio Candinas (32), der mit seiner Hip-Hop-Band «Breitbild» gerade die Schweizer Album-Charts stürmt, hat mit knapp 300 Paar einen Turnschuh-Tick. «Aber dass Leute für einen Schuh campen, das ist sogar für einen Schuh-Sammler wie mich zu viel des Guten. Es sind und bleiben Schuhe und keine Medikamente oder Ähnliches.»

Claudio Candinas .jpg play
«Breitbild»-Rapper Claudio Candinas hat immer Turnschuhe an den Füssen. Ausser er schläft, duscht oder trägt einen Anzug. Seine Sammlung umfasst 300 Stück, Schuld daran ist seine Grossmutter, die im ihren Schuhtick vererbt hat.  Zvg

Mehr zum Thema
Publiziert am 15.04.2016 | Aktualisiert am 03.01.2017
teilen
teilen
2 shares
3 Kommentare
Fehler
Melden

3 Kommentare
  • Michel  Wehner aus Bohol
    15.04.2016
    Bei denen ist offensichtlich mehr als genügend Bargeld vorhanden! Ich kann mich nur immer wundern wieviel und vor allem, wie teuer hier konsumiert wird; Autos über 100K, Kopfhörer für 400.-, Mobiltelefone für fast 1K Franken usw. Woher kommt nur das viele Geld dazu?
  • Karin  Schwegler 15.04.2016
    Wer das braucht soll, ohne mich, für Schlarpen anzustehen.
    In letzer Zeit ist aufgekommen dass jeder rote Schuhe tragen muss. Hat auch mit Zugehörigkeit zu tun, nur zu diesem Club möchte ich nicht gehören.
  • Thomas  Hager aus Luzern
    15.04.2016
    Früher hat man behauptet der Kommunismus und der Sozialismus will die Menschen alle gleichmachen. Geschaft hat das aber der Kapitalismus, die Menschen machen es sogar freiwillig und stehen dafür auch noch an.