Die Mode-Trends für den Herbst 2016 Jetzt macht man es wie die Stars

Die Trends in der Frauenmode setzen zunehmend Popstars und Social-Media-Promis. Das sind die Looks für Herbst und Winter.

PEOPLE - Alicia Vikander bei der Louis Vuitton Modenschau in Paris play
Starauflauf im Dienste von Louis Vuitton (v. l.): Bae Doona (36), Jennifer Connelly (45), Léa Seydoux (31), Alicia Vikander (27), Nicolas Ghesquière (45), Catherine Deneuve (72), Selena Gomez (24), Adèle Exarchopoulos (22), Jaden Smith (18). DUKAS

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Rihanna betritt die Bühne in schwarzem Lackleder. Ihre Tour, die jüngst auch in Zürich haltmachte, heisst «Anti». Ein Motto, das die 28-Jährige auch in der Wahl ihrer Outfits umsetzt. Sie zeigen jenen Hauch New Wave, der viele aktuelle Herbst- und Winterkollektionen durchweht.

Vergangenen Sonntag tritt die Sängerin an den MTV Video Music Awards komplett in Rosa und Pink auf. Sie präsentiert damit die Trendfarben der Saison. Als Stilikone des Popgeschäfts darf sie die neuen Kreationen der Modehäuser schon tragen, bevor sie in die Läden kommen.

2016 MTV Video Music Awards - Show play
Pose in Pink: Rihanna an den MTV Video Music Awards. FilmMagic

An Stars wie Rihanna sieht alles unglaublich cool aus, authentisch oder «street», wie englischsprachige Jugendliche es nennen. All die Looks werden im Internet heiss diskutiert und analysiert – sie prägen das Modeverständnis der Menschen längst stärker als jede Modeschau, als jede Modestrecke der Fachmagazine.

Ein Konzept, das sich in Zeiten von Social Media immer mehr durchsetzt. Entsprechend hartnäckig werden die Stars von den Labels umschwärmt. Sie sollen helfen, dass wir uns in den Wirren der Trends zurechtfinden. Und uns dazu anhalten – verdammt nochmal! –, endlich eines der Myriaden-Produkte zu kaufen.

«Was kratzt mich Rihanna?», werden Sie vielleicht sagen. Wir können versichern: Auch Ihr Idol zappelt schon längst im Netz eines Labels – und prägt Ihr Modeverständnis, ohne dass Sie es merken.

Louis Vuitton mit Celebritys für alle Altersklassen

Das Phänomen zeigte sich unlängst auch am Laufsteg von Louis Vuitton in Paris. Dort versammelten sich Promis aller Genres und Klassen. Und bildeten damit einen Querschnitt aller relevanten Altersgruppen und Märkte des Luxuslabels ab. Die Französin Catherine Deneuve (72) war da, die Filmdiva Bae Doona (36) aus Südkorea auch und mit ihr der Teeniestar Selena Gomez (24). Mittendrin: Designer Nicolas Ghesquière.

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Dieses Bild von Selena Gomez hat mehr Likes als alle anderen im Netz.

Dass Gomez, die US-Sängerin mit mexikanischen Wurzeln, zur Fashion-Show anreiste, zahlt sich für Louis Vuitton am meisten aus. Denn die Ex von Justin Bieber (22) ist die erklärte Königin von Instagram: Auf der Social-Media-Plattform folgen ihr über 96 Millionen Menschen. Postet sie einen Schnappschuss aus ihrem Leben, schauen sich diesen – auch auf Plattformen wie Facebook oder Twitter – rund 200 Millionen Menschen an. Ein Foto, das die Coca-Cola-Botschafterin mit einem Fläschchen ihres Lieblingsgetränks zeigt, wurde rund vier Millionen Mal geliked. Es ist das beliebteste Online-Pic überhaupt. Gemäss Insidern kann Gomez mittlerweile eine halbe Million Dollar verlangen, wenn sie ein Produkt auf einem ihrer Bilder präsentiert.

Natürlich trägt sie auf dem Gruppenbild von Louis Vuitton nur Teile aus der neusten Kollektion. Das Unternehmen wird sich die Partnerschaft einiges kosten lassen. Auch wenn die eher billige Popmusik von Gomez nicht zum Image der Luxusmarke passt.

Stil ist sekundär, Bekanntheit ist alles

«Würden wir nur höchst geschmackvolle Menschen auf unserem Cover zeigen, wäre unser Magazin ziemlich langweilig», sagte einst Anna Wintour (66). Die Chefin der US-«Vogue» hat früh begriffen, dass Popularität oft lukrativer ist als Stil. Auch wenn Modekenner über manche ihrer Entscheidungen die Nase rümpfen: etwa, dass sie 2014 Reality-Star Kim Kardashian (35) mit ihrem Rapper-Mann Kanye West (39) als Hochzeitspaar auf der Titelseite zeigte.

Dass Kardashians Halbschwester Kendall Jenner (20) auf der aktuellen Septemberausgabe der «Vogue» thront, der wichtigsten des ganzen Jahres, scheint niemanden mehr zu stören. Sie habe so viel dafür getan, als Model ernst genommen zu werden, sagt sie im Porträt. Die Tochter von Caitlyn Jenner (66, ehemals Bruce) wuchs praktisch vor Video-Kameras auf. Sie war elf, als ihre wohlhabende Familie damit begann, den Alltag zur Fernsehshow zu machen. Und damit auch das Leben von Kendall.

Vor zwei Jahren gelang der jungen Frau der Sprung auf den Laufsteg, sie zog von zu Hause aus. Inzwischen ist sie eines der meistgebuchten Catwalk- und Kampagnenmodels und als Wachsmodell seit kurzem im Londoner Madame Tussauds zu bestaunen.

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Kendall Jenner auf dem Cover der US-«Vogue». 

Eine eigentliche Sensation: Jenner modelt trotz TV-Sternchen-Image längst nicht nur für Mainstream-Marken, sondern auch für richtig teure Brands: für Chanel, Fendi, Balmain, Versace, Miu Miu, Bottega Veneta. Kaum ein Luxushaus, das nicht auf ihre Strahlkraft setzt.

Designer Riccardo Tisci (42) von Givenchy behauptet, er habe Jenner (60 Millionen Instagram-Follower) nur wegen ihrer Qualitäten als Model engagiert – ohne zu wissen, dass sie zum Kardashian-Clan gehört. Das klingt sehr schön. Allerdings wird er die Cinderella-Story des etwas schüchternen Mädchens gekannt haben, das sich von seiner grell-lauten Familie emanzipiert und in die Welt der High Fashion eingelassen wird, und wollte davon profitieren.

Denn mit solch modernen Märchen lässt sich Mode heute verkaufen. Kendall kann zwar nicht singen, und ihre Schauspielqualitäten sind bescheiden. Sie ist nicht einmal unfassbar hübsch. Ihr Puppengesicht und ihre unschlagbare Geschichte machen sie aber zur perfekten Projektionsfläche für all jene, die sich keine 6,5 Millionen Dollar teure Villa im kalifornischen Beverly Hills leisten können. Aber vielleicht das günstigste, kleinste Täschchen von Chanel, für das ihr Idol die Fahnen hochhält.

Der Modezirkus wird zur Reality-Show

Im Werben um ein It-Girl, das heisseste «Insta-Girl» oder den Star der Stunde läuft das Modebusiness gerade Gefahr, selbst zur Reality-Show zu verkommen. Der Laufsteg, noch heute Geburtsort der meisten Trends, wird so zum Nebenschauplatz degradiert. Eigentlich schade, denn viele Kollektionen des nahen Herbstes und Winters sind aufregend und zugänglich zugleich. Ohne dass sie von Promis vorgeführt werden.

Wir lassen Expertinnen und Experten die wichtigsten Trends erklären. Zum Beispiel den Umgang mit Materialien wie Samt oder den Look der neuen Daunenjacke, die in Mantellänge als luxuriöse Outdoor-Version in die Läden kommt. Lackleder und Pink mögen die Experten auch. Aber nicht, weil Rihanna es im Rampenlicht trägt!

Trend 1: Samt

«Kein anderes Material verkörpert den Herbst so passend wie Samt – erst recht, wenn er in den Farben von Edelsteinen daherkommt. Wie schön ist dieser Stoff, der einst Kaiser und Könige umhüllte, einer der wichtigsten Trends der neuen Modesaison. Von bestickten Kleidern des Mailänder Modehauses Prada bis zu den plissierten Abendroben des Amerikaners Ralph Lauren: Das Florgewebe zeigt sich in vielen Facetten. In Volksnähe rückt das Material auf Accessoires. Sandalen, Pumps und Ankle-Boots, aber auch Taschen in Samt lassen sich super kombinieren – zu Jeans, zum Hosenanzug oder dem kleinen Schwarzen.»
Sabina Hanselmann-Diethelm (41), Chefredaktorin «Bolero», «Style»

Trend 2: Zoo

«Diesen Herbst tummeln sich Tiere in aller Pracht auf Kleidern, Jacken und Hosen. Vor allem italienische Labels mögens animalisch. Mit opulenten Animal-Prints und Stickereien zeigen die Designer, dass sie Sinn für Humor haben, und sich im Märchenwald auskennen. Was zu einem anderen wichtigen Trend passt: Anti-Minimalismus. Er beschert uns einen verspielten, magischen Modeherbst. Tiere sind in meinem eigenen Label ‹Family Affairs› immer ein Thema. Aktuell als Leoparden oder Schlangen aus Glasperlen-Stickereien. Überhaupt: Ich mag Tiere lieber in Freiheit und auf Stoff gedruckt als im Zoo. Oder noch schlimmer: in Form von Fell. Long live the Animals!»
Nina Egli (39), Designerin in New York

Trend 3: Daunen

«Die Daunenjacke erreicht diesen Winter die High Fashion! Im Couture-Haus Balenciaga ist sie lässig über die Schulter gekrempelt und tomatenrot, wird zu Pumps von Manolo Blahnik getragen. Einer der Keylooks des kommenden Winters! Daunenjacken wurden bisher von der Designelite stets etwas stiefmütterlich behandelt und als uncoole Funktionskleider betrachtet. Gut gefüttert sind sie aber bei Minusgraden überzeugende Wohlfühl-Teile. Sie halten viel wärmer als der schönste Wollmantel. Oversize-Modelle in starken Farben haben es mir besonders angetan. Diese gibts auch in der Männerkollektion des Belgiers Raf Simons. Rihanna hat sich bereits eines dieser Modelle geschnappt und es auf den Strassen Londons vorgeführt.»
Philipp Junker (36), Stylist, Mitgründer Studio Mason Jewellery

Trend 4: Pink

«Die Farbe begleitet mich schon seit meiner ersten Stunde als Designer – in all ihren Varianten. Denn Pink ist sexy! Am liebsten mag ich Kaugummi-Rosa – aber auch die Farbtöne Richtung Purpur oder Lavendel. In meiner eigenen Herbstkollektion gibts beispielsweise eine College-Jacke für Männer in Pinktönen. Kommt die Farbe auf Materialien und Kleidern zum Einsatz, an denen man sie nicht unbedingt erwartet, bewirkt sie einen super Kontrast. Chanel etwa macht das mit seinen Bouclé-Stoffen. Auch in Kopf-bis-Fuss-Looks überzeugt sie. Vor einer Woche trat Rihanna mit ihren Tänzern an den MTV Video Music Awards komplett in Rosa auf. Mich freuts, wie sehr die Farbe angesagt ist. Obwohl sie für mich nie wirklich weg war.»
Julian Zigerli (32), Modedesigner

Trend 5: Lackleder

«Typischerweise finden wir dieses Material vor allem an Schuhen und an Accessoires. Dank Marken wie Louis Vuitton erobert es jetzt aber auch als Hose, Kleid und Mantel die Strassen modemutiger Städte wie London und Paris. Auffallend ist so ein Stück aus Lackleder auf jeden Fall – und einfach zu kombinieren auch. Zu einem Lackledermantel passt etwa eine Skinny-Jeans und ein simples weisses Top. Wer ist bereit, Schweizer Strassen mit einem Mix aus französischem Chic und britischer Coolness zu rocken? Ich bins!»
Michèle Krüsi (24), Modebloggerin, Thefashionfraction.com

Trend 6: Preppy

«Preppys sind Schüler der amerikanischen Preparatory School, sie stammen meist aus Häusern mit altem Geld und werden später an einer Elite-Uni studieren. Entsprechend konservativ ist ihr Kleidungsstil. Damit wollen sie sich von allem Neureichen abgrenzen. Und genau hier beginnt der Spass. Nichts lässt sich besser brechen als dieser von Schul- und Polo-Uniformen beeinflusste Look. Trainerhosen zum Pullover mit Rautenmuster: frech! Der übergrosse College-Blazer: Angepasst sieht anders aus. Die modefanatischen Rich-Kids der TV-Serie ‹Gossip Girl› würden sich um die Kreationen der aktuellen Herbst- und Winterkollektionen reissen.»
Jonas Dreyfus (39), Redaktor SonntagsBlick-Magazin

Glossar

Begriffe, die Mode machen

Shearling
Jacken und Mäntel aus Lammfell sind auch diesen Winter wieder hip.

Military
Mit dem Mantel im Armee-Look marschiert Frau in die erste Modereihe.

Pailletten
Sie kommen grossflächig zum Einsatz. Auf Kleidern mitunter vom Kragen bis zum Saum.

Layering
Der Zwiebel-Look rockt: Möglichst viele Schichten übereinander tragen!

Korsette
Sie sind aus Leder und werden locker über Stoffschichten geschnürt.

Midnight Blue
Blau muss jetzt dunkel sein. Beinahe schwarz wie die Nacht.

Après Ski
Norweger-Pullis und Retro-Skimode erobern die Stadt.

Handkerchief Hemline
Der Zipfelsaum ist zurück. Möglichst asymmetrisch und verwurstelt.

Rollkragen
Décolleté zeigen war gestern (siehe: Layering).

Lavendel
Für alle, die mit Farben wie Pink und Kaugummi-Rosa nichts anfangen können.

Plateau-Boots
Hohe Plateausohlen an Stiefeln lassen Disco-Fieber aufkommen.

  Das ist der Stil von Designerin Sophia Webster

Publiziert am 07.09.2016 | Aktualisiert am 03.01.2017
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