Kunstausstellung Schneewittchen und die neun Monster-Zwerge

ST. GALLEN - SG - Der amerikanische Plastiker Paul McCarthy hat Schneewittchen und die sieben Zwerge von Walt Disney auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Was dabei herausgekommen ist, zeigt derzeit die Lokremise St. Gallen.

Paul McCarthy provoziert in St. Gallen mit Schneewittchen-Kunst play
Paul McCarthy mit Sleepy, einem der neun Silikon-Zwerge der Reihe «White Snow Dwarf», und zwei grossformatigen Zeichnungen. KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

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Kinder lieben Märchen und Erwachsene auch. Zwar kommt in Grimm-Geschichten immer auch das Böse vor, aber vieles bleibt unerklärt, auch wenn es unterschwellig da ist. Zum Beispiel kann man sich fragen, was Schneewittchen bei und mit den sieben Zwergen gemacht hat.

Der 71-jährige Plastiker Paul McCarthy hat eine radikal andere, wenig romantische Vorstellung von dieser Welt. Anhand der drolligen Figuren aus dem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm von Walt Disney aus dem Jahr 1937 kreierte McCarthy neun Monster-Zwerge in Menschengrösse. Diese sind in der grossen Ausstellungshalle der Lokremise zu sehen. Warum es nicht sieben sind, bleibe sein Geheimnis, sagte der Künstler am Freitag vor den Medien.

Die White Snow Dwarfs, welche alle zur Sammlung Ursula Hauser gehören, schuf der einflussreiche, international gefragte Künstler in den Jahren 2010 und 2012. Die Zwerge bestehen aus Silikon, jeder in einer fröhlichen Farbe. Die drolligen und liebenswerten Vorbilder hat McCarthy zerfetzt und zu neu zusammengesetzt.

Einer hat einen durchbohrten Unterleib, der andere eine zerstörte Nase, abgehackte Hände oder ein abgetrenntes Geschlechtsteil. Die abgefallenen Körperteile liegen auf den Sockeln neben verbrauchten Bildhauerutensilien und anderem Abfall. Es scheint, also ob die Figuren noch nicht fertig sind und die Zerstörung jederzeit weitergehen könnte.

Bitterböse hat McCarthy Schneewittchens liebenswürdige Wohltäter zu Monstern gemacht. Die heile Welt steht den Abgründen menschlicher Existenz gegenüber. Statt niedliche Märchen gibt es albtraumhafte Szenen ohne Happy-End, wie sie täglich über die Bildschirme flimmern. Sogar der Prinz auf einer grossflächigen Zeichnung neben den Zwergen ist nicht der ritterliche Retter, sondern erscheint als perverser Triebtäter auf einem Pferd mit überdimensioniertem Penis.

Die Ausstellung in der Kunstzone der Lokremise beim Hauptbahnhof St. Gallen dauert bis zum 13. November. Das KinoK zeigt während der Ausstellungsdauer zwei Filme, welche McCarthy zusammen mit seinem Sohn Damon gedreht hat.

www.lokremise.ch (SDA)

Publiziert am 02.09.2016 | Aktualisiert am 02.09.2016
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