Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Lob den Schweizer Männern

Wäis Kiani über deutsche Stilberatung und den Modegeschmack der Schweizer Männer.

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Eben las ich, dass eine deutsche Start-up-Firma sich in der Schweiz etablieren möchte und dafür Mitarbeiter sucht, aber leider nur Dumpinglöhne für hundertprozentigen Einsatz bietet. Das Lustige an dieser Meldung ist nicht, dass die Deutschen glauben, gut ausgebildete Fachkräfte für 2500 Franken im Monat dazu bringen zu können, für sie Vollzeit zu arbeiten – das Lustige ist, dass die Firma Outfittery heisst und sich als Onlineshop darauf spezialisiert hat, Männern komplette Outfits nach Hause zu
liefern. «Wir befreien die Männerwelt von der Qual des Shoppings», heisst es auf der Firmen-Website.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Schlechtangezogene Deutsche

Ein Team von «Männerverstehern» berät die «Shoppingmuffel» telefonisch, wie sie sich zu kleiden haben. Sie lassen sich Porträtbilder senden, und Tage später trifft eine Kleiderauswahl per Post beim Kunden ein. Das Modell läuft angeblich gut, denn kein Mann in Europa ist so schlecht angezogen wie der erwachsene deutsche Mann (der junge deutsche Mann ist noch ganz süss und cool, aber er verliert mit Ende 30 seine sexuelle Ausstrahlung). Wir Deutschen haben keinen Stil und keinen ­Geschmack, dafür sind wir berühmt. Dafür können wir gute Motoren bauen. Ich darf das alles sagen, denn ich bin eine Deutsche und habe zwei Bücher über das Dilemma des deutschen Mannes geschrieben. Und dass der deutsche Mann mit seinen bequemen Gummisohlen-Tretern und ­seiner praktischen Wetterjacke ästhetische Abzugspunkte verdient hat, ist auch in der Schweiz kein Geheimnis.

Schweizer Männer brauchen Outfittery nicht

Jetzt will diese deutsche Firma also den wirklich sehr fein gekleideten Schweizer Männern komplette Outfits zusenden? So wie ein Modellflugzeug-Bauset. Hemd, Hose, Socken, Schuhe, Einstecktuch, Sonnenbrille, Käppi. Das ist etwa so wegweisend, wie wenn eine deutsche ­Firma in Italien Kurse anbietet, um Italienern das Kochen beizubringen, und auf Erfolg hofft. Haha! So lächerlich ist deutsche Stilberatung in der Schweiz, wo die Männer ­schmale Chelsea Boots zu ihren selbst ausgesuchten ­engen, knappen Anzügen tragen. Und schmale, gut sitzende Hemden. Denn der Schweizer Mann ernährt sich nicht nur von Bier und sitzt nicht nur vor dem TV und glotzt Fussball.

Das ist eigentlich das Allerschönste an der Schweiz: die gut angezogenen Männer. Outfittery soll bitte bleiben, wo der Pfeffer wächst.

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Publiziert am 16.03.2016 | Aktualisiert am 19.04.2016
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