Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Der grosse Kinder-Kater

Väter sind die neuen Glucken!

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Vorgestern traf ich endlich wieder mal Freund Z. Wir haben im Sommer irgendwie aneinander vorbeigelebt. Erst war er auf Ibiza, dann war ich auf Ibiza, und er verachtete mich dafür – weil im August nur die allerletzten Idioten auf Ibiza sind. Entsprechend liess er sich nicht dazu bewegen, mit mir dort meinen Geburtstag zu feiern, obwohl er auf Ibiza ein grosses Haus besitzt. Er sieht nicht ein, dass ich im Gegensatz zu ihm arbeiten muss, Jobs habe und nur den halben August freimachen kann.

Wir sitzen also in seiner Küche in der Altbauwohnung, er giesst sich grosszügig Weisswein ins Glas und raucht eine Zigarette nach der anderen. Vor mir steht ein Glas kaltes Wasser mit Bubbles, und ich hasse Bubbles. «Ach, mir gehts gar nicht gut», klagt Z., «meine Jungs...» Er schüttelt traurig den Kopf. Seine beiden Söhne, die seit der Scheidung vor zwei Jahren fröhlich zwischen ihm und seiner Ex pendelten, wollen ihre Schulzeit auf einem englischen Elite-Internat weiterführen, was von ihren Eltern als gut erachtet und ermöglicht wird.

Nächste Woche fängt die Schule in Kent an, und die zersplitterte Familie will gemeinsam nach London reisen, um den Nachwuchs abzuliefern. «Meine Jungs – ich bin halt eine Glucke», jammert Z., leert den Wein in sich hinein und blickt zu mir herüber. «Warum trinkst eigentlich du nie etwas? Das ist so langweilig!» Das sagt er immer, also frage ich ihn: «Warum lässt du sie denn dahin gehen?» – «Weil es für sie gut ist, ich will ja kein Egomane sein, der nur an sich selbst denkt.»

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Ich war neidisch auf die Jungs, zwei verwöhnte Diven, denn ich hatte mir als Kind immer genau so ein Internat gewünscht und meine Eltern schon mit zwölf angefleht, mich wegzuschicken. Aber die dachten nur an sich – und hätten auch nicht gewusst, was sie machen sollen ohne Kind, so wie sie es noch immer nicht wissen, obwohl wir seit Jahren an verschiedenen Orten leben. «Ach, stell dich nicht so an, es ist ja nur ein Internat, die gehen nicht zum Militär.»

Z. nickte betrübt, nahm die leere Flasche und fuhr mich an: «Jetzt hast du den ganzen Wein getrunken! Zur Strafe holst du eine neue! Und Zigaretten!» Das kann ja heiter werden. Jemand muss Z. neue Kinder machen.

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Publiziert am 06.09.2016 | Aktualisiert am 06.09.2016
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