Junges Blut O du fröhlich-kalte Weihnachtszeit…

  • Publiziert: 25.11.2007, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Ayse Turcan

Es gibt Menschen, die behaupten, dass sie den Winter mögen. Die Kälte, den Schnee, Wintersport, das gemütliche Zusammenrücken bei Kerzenschein und Weihnachtskeksen. Ich kann dem nicht so richtig Glauben schenken. Die vermeintlichen Vergnügen oder gar Vorteile die einem der Winter vielleicht bieten kann sind einfach nur lächerlich, wenn man Tag für Tag frieren muss und Depressionen vom täglichen Grau und Dunkel draussen bekommt.

Ich arbeite zurzeit in einem tollen Laden in ersten Untergeschoss, was bedeutet, dass ich für etwa eine halbe Stunde Tageslicht sehe, wenn ich am morgens zur Arbeit gehe. Dazu kommt eine halbe Stunde Mittagspause draussen in der Kälte. Wenn meine Schicht zu Ende ist, ist es bereits dunkle Nacht. Wirklich erbauend, so zu leben.

Für mich war es wirklich überraschend, wie einfach es ist, im Vereinigten Königreich als Ausländerin ein Job zu finden. Nach einer Woche in Wales wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, drei Tage später konnte ich bereits anfangen. Klingt unkompliziert. Wäre es auch. Doch ganz so toll kann es natürlich nicht laufen, wenn der Laden «Christmas Express» heisst.

Nicht, dass ich Weihnachten nicht mag, im Gegenteil. Mit der Familie einen Tag zusammensitzen und essen, Weihnachtskekse und Weihnachtsmusik, da ist nichts gegen einzuwenden. Doch, wie schon erwähnt: ich bin keine Freundin des Winters. Zu kalt, zu lang, zu deprimierend. Die Weihnachtszeit ist also an sich schon etwas problematisch für mich.

Jetzt verbringe ich meine Tage seit Wochen mit Weihnachtskugeln, Weihnachtsmusik, Weihnachtsbäumen und einfach allem, was man sich vorstellen kann im Weihnachtslook. Ich habe ja so genug. Ich muss eine Samichlousenkappe tragen! Wie entwürdigend! Meine Arbeitskollegen habe ich in den ersten paar Wochen nur teilweise verstanden, meinen Chef verstehe ich immer noch nicht, meine Aufgaben sind grösstenteils verwirrend. Und das alles im Winter.

Es sieht so aus, als würde ich in diesem Jahr kein Weihnachten feiern, sondern schleunigst das Weite suchen, diesmal in einem ferneren, warmen Land, in dem die Temperatur nie unter zwanzig Grad fällt.

Brasilien, ich komme!

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